Luxor-Tempel 

Bild von Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

ein Fußmarsch durch das alte Theben

Während der Karnak-Tempel im Norden Luxors durch seine schiere Größe und die wie ein Labyrinth anmutenden Säulengänge, ist der Luxor-Tempel im Süden eher das elegante Juwel direkt am Nilufer. Wo Karnak die Macht der Götter feiert, zelebriert dieser Tempel die göttliche Bestimmung des Pharaos.  Schon der Zugang ist imposant. Man nähert sich dem Tempel über die berühmte Sphingen-Allee, jene prachtvolle Prozessionsstraße, die einst die drei Kilometer zwischen Karnak und Luxor überbrückte. Hunderte Löwen mit menschlichen Köpfen säumen den Weg und führen den Besucher direkt vor den gewaltigen ersten Pylon von Ramses II. Hier steht man vor einem ungleichen Paar: Ein einsamer, 25 Meter hoher Obelisk aus rosa Granit ragt in den Himmel. Sein Zwilling fehlt – er steht heute auf der Place de la Concorde in Paris: ein Geschenk aus dem 19. Jahrhundert, das die tiefe Verbindung zwischen ägyptischer Antike und europäischer Faszination symbolisiert.

 

Hinter dem Pylon öffnet sich der Hof von Ramses II., der durch seine geschickte Architektur besticht. Zwischen den Säulen ragen Kolossalstatuen des Pharaos empor, die mit einem sanften Lächeln in die Unendlichkeit blicken. Das Besondere am Luxor-Tempel ist seine Schichtung. Er ist kein totes Museum, sondern ein lebendiges Dokument der Religionsgeschichte. Wer genau hinsieht, entdeckt im ersten Hof, hoch oben in die antiken Mauern integriert, die Moschee von Abu el-Haggag. Sie gilt als älteste Moschee Luxors. Dass der Zugang quasi im ersten Stock liegt, zeigt, dass einst enorme Sandmengen den Tempel bedeckten und man die Moschee schlicht darüber gebaut hat. Sie wird bis heute genutzt und zeigt eindrucksvoll, wie sich das spirituelle Leben über die Jahrtausende transformiert hat, ohne den alten Grund zu verlassen. Weiter im Inneren des Tempels, hinter der beeindruckenden Kolonnade von Amenophis III., stößt man auf eine römische Kapelle. Hier wurden die ägyptischen Reliefs einst mit christlichen Fresken übermalt. Man sieht pharaonische Kronen direkt neben römischen Toga-Trägern – ein kulturelles Palimpsest, das dem Besucher vor Augen führt, dass Luxor nie ganz verlassen war, sondern von jeder Epoche neu gedeutet wurde.

Ein Spaziergang durch den Luxor-Tempel ist ein Weg durch die Geschichte dieses früher als Theben bekannten Orts. Der Luxor-Tempel ist kompakter und zugänglicher als sein großer Bruder in Karnak, bietet aber durch seine Lage mitten in der Stadt und die nächtliche Beleuchtung ein unvergleichliches Erlebnis. Wer durch die hohen Hallen schreitet und den Blick über die beleuchteten Statuen schweifen lässt, spürt die zeitlose Eleganz der pharaonischen Kunst. Es ist ein Ort, der daran erinnert, dass wahre Monumentalität nicht nur in der Größe liegt, sondern in der Fähigkeit, über Jahrtausende hinweg Ehrfurcht und Schönheit zu vermitteln.

 

Weitere, beeindruckende Aufnahmen des Luxor-Tempels und des Tempels der Hatschepsut gibt es über den privaten Facebook-Account des Autors unter https://bit.ly/4syihFK.