Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Nahe der Gemeinde Wallgau, Heimat von Deutschlands einstiger Vorzeige-Biathlethin Magdalena Neuner, begrüßt der Golf- und Landclub Karwendel Mitglieder und Gäste. Die neun Spielbahnen umfassende Anlage wurde 1993 eröffnet, nachdem ein Jahr zuvor der Club gegründet wurde. Für das Platzdesign zeichnet kein Geringerer als Heinz Fehring verantwortlich, der nicht nur zahlreiche wunderbare Golfanlagen in Deutschland und dem angrenzenden Ausland entworfen hat, sondern auch Ausbilder und Mentor von Bernhard Langer im Münchener Golf Club war. Das Ergebnis ist eine Anlage, welche nicht nur die natürlichen Buckelwiesen in das Design integriert, sondern wohl einen der schönsten Hintergründe für Golfanlagen in ganz Deutschland bietet. Obwohl die Anlage nur neun Spielbahnen umfasst, ist sie für 18 Spielbahnen geratet. Das liegt daran, dass pro Bahn zwei verschiedene Teeboxen geschaffen wurden, sowohl für die gelben als auch die roten Abschläge. Dadurch spielt sich der erste Durchgang als Par 36 mit insgesamt 3.001 beziehungsweise 2.647 Metern, im zweiten Durchgang – ebenfalls als Par 36 – beträgt die Länge 2.845 respektive 2.491 Meter. Der zweite Durchlauf spielt sich somit etwas kürzer. Vom Licht her sind aus unserer Sicht der Morgen und der spätere Nachmittag am schönsten, da dann die über 40 Berggipfel im Hintergrund der Anlage besonders strahlen. Der Pflegezustand war auch im Hochsommer ausgezeichnet, zudem fällt die Anlage durch ihre Bodenständigkeit und Freundlichkeit auf. Das beginnt bereits an der Rezeption. Diese wurde kurzerhand in eine Hütte im Alpenstil integriert. Die meisten Golfer absolvieren die Runde zu Fuß, es stehen jedoch auch Carts zur Verfügung.
Für den ersten Teeshot muss man eine kleine Anhöhe hinter dem ebenfalls im Berghütten-Stil gehaltenen Clubhaus erklimmen – um dort auf weidende Schafe zu treffen. Dann geht es über bis zu 318 Meter als Par 4 los. Hohe Nadelbäume links sorgen dafür, dass sich die Bahn vom gelben Abschlag als leichtes Dogleg links spielt, vom roten Tee geht es gerade Richtung Fahne. Das Fairway hängt nach rechts, zudem gewinnt man vom erhöhten gelben Abschlag einige Meter an Reichweite, so dass meist das kleine Holz vom Tee reicht. Den Abschlag sollte man möglichst links des gut sichtbaren Baums auf dem Fairway halten, dann bleibt noch ein Wedge oder kleines Eisen bergauf zum Grün. Kommt der Teeshot zu weit links zur Ruhe, kann der hohe Baum links vor dem Grün den direkten Weg zur Fahne blockieren. Hat die Annäherung nicht ausreichend Länge, lauert ein großer Bunker vor dem Grün auf den Ball. Das Grün hängt zudem gut sichtbar nach links und erfordert Präzision beim Putten. An der nächsten Bahn, dem bis zu 125 Meter kurzen Par 3, gibt es eine zusätzliche Motivation: „Hole in One 100 Liter Freibier“ verkündet eine Holztafel auf dem Weg zur Teebox! Doch dafür muss man erst einmal den deutlichen Höhenunterschied richtig einschätzen, denn vom Abschlag geht es deutlich bergab zu einem tiefer liegenden Grün – die Flussterassen der Isar lassen grüßen. Zudem lauert ein großer Bunker mittig vor dem quer liegenden Grün. Man benötigt daher nicht nur einen präzisen Schlag, er sollte auch schnell zur Ruhe kommen, um nicht vom Grün wieder hinunterzurollen. Die vor dem Abschlag auf der unteren Ebene platzierte Scheune hingegen sollte nicht ins Spiel kommen. Rechts neben dem Grün beginnt Bahn 3, ein bis zu 460 Meter kurzes Par 5. Das Dogleg links erfordert präzise Schläge bis zum Grün – und eine gute Orientierung, denn schon mancher Golfer hat nach dem Knick statt dem dritten das deutlich näher liegende fünfte Grün angespielt. Am besten bewegt man sich daher entlang des rechten Bahnrands. Vom Tee geht es aufgrund eines kleinen Anstiegs im Gelände mit einem blinden Abschlag los, dann dreht die Bahn nach links. Erst nach dem Tee erkennt man: links neben dem Fairway lauert eine Senke der Buckelwiese – und ab sofort gehören Höhenunterschiede zu den permanenten Begleitern auf der Runde. Hier fühlt man sich fast ein wenig an die Front Nine des Kiawah Ocean Courses erinnert, der ebenfalls viele Fairways bietet, die seitlich deutlich abfallen. Je nach Position des Teeshots sollte man den Lay-up entweder rechts an den beiden Scheunen vorbei – oder über sie hinweg spielen. Dann wird das Gelände immer offener, fast schon links-ähnlich. Zwei große Bunker rechts vor dem Grün verteidigen die Fahne, das Grün selbst hängt leicht nach links. Weiter geht es mit der längsten und zugleich schwierigsten Bahn der Runde, einem Par 5 über bis zu 549 Meter als Doppel-Dogleg. Gerade beim ersten Mal sorgen die gut sichtbare Scheune links und die rechts ein wenig in die Spielbahn hineinragende Wiese (mit Aus gekennzeichnet) gerne für optische Verwirrung: Wer sich an der Lücke links zwischen den hohen Bäumen und der Scheue ausrichtet, spielt Richtung Bahn 5 – dafür ist später noch Zeit. Orientierung sollte eher die kleine Hütte rechts der hohen Bäume und die rechts hiervon erkennbare Lücke sein, denn dort geht es quasi eine Ebene hinunter. Longhitter sollten aufgrund des Doglegs noch weiter rechts über die neben der Lücke stehenden, kleineren Bäume zielen. In jedem Fall sollte man vermeiden, dass der Ball genau im Hang landet, denn dort wartet Rough – im Zweifelsfall daher lieber direkt vor dem Abhang den Ball landen lassen. Im zweiten Teil wird das Gelände nochmals offener, am besten zielt man hier rechts der gut sichtbaren Glocke (natürlich eine Kuhglocke), mit der man die Spieler der folgenden Gruppe darüber informiert, dass diese nun abschlagen können. Beim Lay-up sollte man jedoch auf die Vertiefung auf der rechten Bahnseite achten. Das Grün in Form einer Eieruhr ist bunkerfrei, wichtig ist hier, dass man die Fahnenposition auf dem tiefen Grün bei der Schlägerwahl beachtet. Dann geht es in der Gegenrichtung weiter – und man ahnt schon: nun muss der Hang wieder hinaufgespielt werden. Damit man die Bahn sicher beginnen kann, wurde extra eine Kamera angebracht, deren Bild auf einen Monitor in einem kleinen Holzkästchen am gelben Abschlag projeziert wird – so kann man sich davon überzeugen, dass sich keine anderen Golfer auf der höher gelegenen Ebene des Fairways befinden. Weithin sichtbare, rot-weiße Markierungspfosten weisen den Weg. Von diesen sollte man nicht zu sehr nach links abweichen, sonst landet der Ball in einer der Senken der Isarterrassen. Rechts des Fairways trennen mehrere Bunker die Bahn vom nächsten Fairway. Die Bahn ist als Par 4 mit bis zu 395 Metern ausgelegt, nach der Drivelandezone dreht die Bahn nach links. Bleibt der Teeshot zu kurz, sollte man nochmals rechts der Scheue auf der linken Seite vorlegen. Das Grün wird von gleich mehreren kleinen Wellen durchzogen und links durch mehrere, aneinandergereihte Bunker geschützt. Wer darauf hofft, dass die nächste Bahn deutlich einfach sei, sieht sich mit einer anderen Realität konfrontiert: das bis zu 341 Meter lange Par 4 ist zwar deutlich kürzer und gerader, viel einfacher ist es als zweitschwerste der neun Bahnen jedoch nicht. Vom Tee merkt man dies noch nicht, hier kommt es vor allem darauf an, die Fairwaybunker rechts zu meiden. Auf dem Weg zu seinem Teeshot merkt man, dass die Herausforderungen im zweiten Teil liegen. Von links kommt eine Senke der Isarterrassen heran, die mehrfach in das Fairway hineinragt und schließlich das nach links versetzte Grün vom Rest des Fairways trennt. Wer seinen Approach nicht hoch über diesen Bereich spielen möchte, kann über die rechte Seite vorlegen und dann ohne „Überquerung“ Richtung Fahne spielen. Damit spielt sich das Grün wie ein Inselgrün – auch, wenn die Zeiten längst vergangen sind, in denen die Isar die Gegend flutete. Spannend auch das zweite Par 3 an Bahn 7: es ist mit bis zu 161 Metern nicht nur das längste Par 3 der Runde, sondern wird von Anhöhe zu Anhöhe gespielt. Bleibt der Abschlag zu kurz, landet der Ball in einer Senke und es wartet ein anspruchsvoller Pitch bergauf. Spielt man vom Tee zu weit nach links, lauert eine Baumgruppe – und man muss um die Bäume herum in Richtung des Anhangs pitchen oder chippen. Mit dem Par 4 an Bahn 8 geht es über maximal 335 Meter wieder in die Gegenrichtung – und nun lautet die Spielstrategie genau umgekehrt: kam es an den Bahnen 6 und 7 darauf an, den Ball oben auf den Anhöhen zu halten, spielt sich die achte Bahn genau unterhalb des sechsten Fairways in einer Senke. Da das Gelände leicht nach rechts hängt, rollen die Bälle automatisch vom Hang weg. Richtung Grün wird das Gelände immer welliger, der Schlag zur Fahne muss hoch ausgeführt werden, da das Grün wieder auf gleicher Höhe wie die sechste Spielbahn liegt. Die Schlussbahn, ein Par 4 mit maximal 317 Metern, zieht sich in sanftem Rechtsbogen Richtung Grün. Vom Tee reicht ein kleines Holz, zumal es von den erhöhten Abschlägen wieder runter auf das Höhenniveau der achten Bahn geht. Wichtig ist es, die hohen Bäume rechts zu meiden, sonst wird es schwierig, das Grün mit dem zweiten Schlag anzuspielen. Auch der quer liegende Fairwaybunker erfordert Beachtung. Der Approach muss erneut hoch gespielt werden, da das Grün – wie an Bahn 8 – auf einem höher gelegenen Plateau liegt. Vom Fairway kaum zu erkennen: hier dem Bumerang-förmigen, ondulierten Grün lauern gleich zwei Bunker auf zu lang gespielte Annäherungen.
Dann geht es den Berg hinauf – entweder zum zehnten Abschlag und einer weiteren, herrlichen Runde über neun Spielbahnen, oder mit dem berühmten ‚Einkehrschwung‘ auf die Golf-Alm, die man regionalen Speisen, Durstlöschern und sehr charmantem Service punktet.




























































