Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Washington D.C., die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika, an nur einem Nachmittag erkunden zu wollen, ist nahezu unmöglich. Obwohl das Stadtgebiet mit rund 700.000 Einwohnern eher übersichtlich erscheint, verteilen sich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten dennoch über eine weitläufige Fläche – und der Verkehr im Regierungszentrum der USA sorgt dafür, dass man mit dem eigenen Auto kaum eine Haltemöglichkeit entlang der vielen Sehenswürdigkeiten findet, um wenigstens ein schnelles Foto zu erhaschen. Besucht man die Stadt dann auch noch just in der Woche vor den großen Feierlichkeiten anlässlich des 250. Bestehens der USA – Freedom250 genannt – wird eine Besichtigung auf eigene Faust in kurzer Zeit fast zum unmöglichen Unterfangen. Selbst die Option der weltweit beliebten Hop On, Hop Off-Busse stößt an ihre Grenzen, da die Fahrzeug aufgrund ihrer Größe nicht nahe genug an viele Sehenswürdigkeiten herankommen und man zudem dann stets auf den nächsten Bus zur Weiterfahrt warten muss. Wer die nicht zu unterschätzenden Distanzen zwischen den wichtigsten Sehenswürdigkeiten dennoch problemlos und in kurzer Zeit überwinden möchte, sollte eine Sightseeing-Tour per E-Cart prüfen. Diese werden beispielsweise über GetYourGuide angeboten – und bieten neben kleineren Fahrzeugen und sachkundigen Führern auch den Vorteil, dass man gerade im Sommer nicht permanent zwischen arktisch klimatisiertem Bus und heißen Außentemperaturen wechseln muss. In einer kleinen Gruppe begleitet ein lokaler Guide die Route, der einen nicht nur im dichten Verkehr der Hauptstadt zielsicher ans Ziel führt, sondern die Teilnehmer während der Fahrt und an den Sehenswürdigkeiten mit Hintergrundinformationen und manchen Anekdoten versorgt. Welche Sehenswürdigkeiten angefahren werden, hängt in einer Hauptstadt davon ab, ob gerade Feierlichkeiten, Staatsbesuche oder gar besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten – so kann die konkrete Route der Tour durchaus variieren.
Der Auftakt unserer Tour führte zur historischen Freedom Plaza nahe der Pennsylvania Avenue. Hier zieht die imposante Statuen-Ausstellung Spirit of ’76 als Sonderausstellung zu den 250-Jahr-Feierlichkeiten die Blicke auf sich: Das Ensemble erinnert an die Geburtsstunde der Vereinigten Staaten im Jahr 1776. Zu den zentralen Elementen gehören die eindrucksvolle Reiterstatue des Gründervaters Caesar Rodney sowie die Skulpturengruppe der 12 Soldiers of the Revolution, welche die Vielfalt und das Opfer der Soldaten der Kontinentalarmee im Unabhängigkeitskrieg würdigt.
Weiter ging es Richtung Osten zum Capitol Hill. Das US-Kapitol (Capitol) thront mit seiner schneeweißen Gusskuppel und der krönenden Statue of Freedom unübersehbar auf der Anhöhe. Als Sitz des US-Kongresses mit Senat und Repräsentantenhaus sowie Austragungsort präsidentieller Amtseinführungen bildet es das architektonische und politische Herz der amerikanischen Demokratie.
Von dort ging es zur National Mall ein. Hier passiert das Fahrzeug das moderne Gebäude des National Museum of African American History and Culture. In der Mitte der Mall ragt schließlich das Washington Monument empor. Der 169 Meter hohe Marmorobelisk zu Ehren von George Washington ist das höchste Bauwerk der Stadt. Aus nächster Nähe erklärt der Guide ein faszinierendes Detail: Der feine Farbumschlag im Stein auf etwa einem Drittel der Höhe zeugt von einem jahrzehntelangen Baustopp während des Amerikanischen Bürgerkriegs.
Ein kleiner Schwenk nach Süden führte vorbei am Bureau of Engraving and Printing. In diesem Hochsicherheitskomplex schlägt das finanzielle Herz der USA: Hier werden täglich Millionen frischer US-Dollar-Geldscheine gedruckt. Anschließend schlängelt sich das E-Cart um das malerische Tidal Basin:
Thomas-Jefferson-Denkmal: Das neoklassizistische Kuppelgebäude ist dem römischen Pantheon nachempfunden und ehrt den 3. US-Präsidenten sowie Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung. Im Inneren blickt eine knapp sechs Meter hohe Bronzestatue Jeffersons über das Wasser.
Martin Luther King Jr. Denkmal: Nur wenige Minuten entfernt erhebt sich die eindrucksvolle Skulptur des Bürgerrechtlers. Dr. King scheint als „Stone of Hope“ (Stein der Hoffnung) metaphorisch aus einem Felsblock herausgemeißelt zu sein. In die umliegenden Granitwände sind prägende Zitate aus seinen Reden eingraviert.
Am westlichen Ende der Mall eröffnet sich die wohl bekannteste Panorama-Achse der Stadt:
Reflection Pool (Reflecting Pool): Das riesige, langgestreckte Wasserbecken erstreckt sich majestätisch zwischen dem Washington Monument und dem Lincoln Memorial. Auf der spiegelglatten Wasseroberfläche zeichnen sich normalerweise Himmel und Obelisk ab – eine Kulisse, die durch historische Bürgerrechtsmärsche Weltruhm erlangte. Doch der Versuch, das Becken anlässlich der 250-Jahr-Feierlichkeiten wie einen Swimmingpool in tiefem Blau erstrahlen zu lassen, schlug fehl – und so gab es just zu den großen Feierlichkeiten keine einzige Reflektion zu sehen.
Abraham Lincoln Memorial: Am Kopf des Pools thront der schneeweiße Marmortempel für den 16. US-Präsidenten. Im Inneren sitzt die überlebensgroße Statue Lincolns. Von den Tempelstufen bietet sich genau der Blick, von dem aus Martin Luther King Jr. 1963 seine epochale „I Have a Dream“-Rede hielt.
Ein Abstecher im parkartigen Areal der National Academy of Sciences führt zu einem charmanten Geheimtipp: der überlebensgroßen Einstein-Skulptur auf einer Granitbank (Albert Einstein Memorial). Der Bildhauer Robert Berks hat den Physiker ganz leger mit Sandalen und Pullover dargestellt. Einstein sitzt gemütlich auf den Stufen einer gebogenen Bank, hält Papiere mit seinen berühmten Gleichungen in der Hand und lädt Besucher dazu ein, sich für ein Erinnerungsfoto direkt neben ihn zu setzen. Die monumentale Skulptur „Serve the Flag“ des US-amerikanischen Künstlers Brendan Murphy ist eine rund 7 Meter (23 Fuß) hohe Astronauten-Figur aus seiner bekannten Boonji Spaceman-Reihe und steht an der Constitution Avenue NW direkt vor dem Art Museum of the Americas in Washington D.C. Brendan Murphy prägte den Begriff BOONJI, was für „positive, aus Kreativität gewonnene Energie“ steht. Seine ikonischen Astronauten verkörpern menschliche Neugier, den Mut zu neuen Wegen und das Streben nach Selbstentfaltung. Die massive Figur besteht aus Kohlefaser (Carbon Fiber) mit einer hochglänzenden, spiegelnden Chrom-Oberfläche. Überzogen ist die Rüstung des Astronauten mit Murphys typischem Boonji-Code – feinen, an Kreidetafeln erinnernden mathematischen Formeln, Gleichungen und aufmunternden Symbolen. Aufgestellt wurde die Skulptur im Rahmen des Programms „Passport to Patriotism“ anlässlich der Vorbereitungen zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeit der USA (America 250). Sie bildet das prominente Außenaushängeschild der Ausstellung; im Inneren des Museums ergänzt Murphys Ölgemälde Freedom 250 die Schau.
Zum krönenden Abschluss rollte das E-Cart vor die Nordseite der 1600 Pennsylvania Avenue: das Weiße Haus (White House). Am offiziellen Amts- und Wohnsitz des US-Präsidenten bleibt noch einmal Zeit für Fotos durch die Stäbe des geschichtsträchtigen Zauns, bevor die zweistündige Zeitreise durch die US-Geschichte entspannt endete.
Die E-Cart-Tour ist eine sehr kompakte und gelungene Reise zu den wichtigsten Monumenten der US-Amerikanischen Hauptstadt. Man sollte jedoch auf ein straffes Programm vorbereitet sein, denn die zahlreihen Fotostopps erfordern zügiges Gehen und Fotografieren. Die Tour ist daher ideal für einen Überblick, bevor man die Stadt in Ruhe auf eigene Faust erkundet.












































































