Autor: Der Mann hinter dem Bericht
In der sanft hügeligen Küstenlandschaft von Havre de Grace, Maryland, erstreckt sich eine Anlage, die im amerikanischen Osten als absolute Referenz des öffentlichen Golfsports gilt: der Bulle Rock Golf Course. Seinen prägnanten Namen verdankt der Platz dem ersten Vollbluthengst, der im frühen 18. Jahrhundert aus England in die USA importiert wurde. 1998 offiziell eröffnet, sticht der Par-72-Platz bis heute positiv hervor: Kein Geringerer als der Stararchitekt Pete Dye erschuf hier ein Meisterwerk, das spektakuläre Naturformen mit Dye-typischer strategischer Unerbittlichkeit verbindet. Der Platz ist ein extrem anspruchsvoller, hochmoderner Championship-Parkland-Kurs. Dye nutzte die topografischen Gegebenheiten perfekt aus: Dramatische Höhenunterschiede, schmale Schneisen durch dicht gewachsene Hartholzwälder, tief eingeschnittene Schluchten und tückisch platzierte Wasserhindernisse prägen das Bild. Typisch für den Architekten sind die visuell beeindruckenden, aber mental fordernden Hindernisse – darunter legendäre Holzbefestigungen der Bunker (Railroad Ties), tief geschnittene Bunkerlandschaften und ondulierte Bentgrass-Grüns, die dem Annäherungsspiel höchste Präzision abverlangen. Der Platz belohnt taktische Disziplin und bestraft unüberlegtes Risiko konsequent. Insgesamt sieben Teeboxen pro Bahn ermögliche eine perfekte Abstimmung auf die eigene Schlaglänge und Spielstärke. Die Gesamtlänge deckt ein weitgefächertes Spektrum ab: Von den vordersten Abschlagsmarkierungen misst der Kurs sehr zugängliche 4.133 Yards, was auch Einsteigern und Genussgolfern eine faire Runde ermöglicht. Wer sich hingegen an die hintersten Championship-Tees wagt, sieht sich einer gewaltigen Maximallänge von 7.375 Yards gegenüber – eine Distanz, die in Kombination mit den engen Landezonen selbst Longdrivern und Tour-Professionals alles abverlangt. Diese herausragende Qualität spiegelt sich in zahlreichen Auszeichnungen wider. Der Platz wird regelmäßig von den führenden Fachmagazinen Golf Digest, Golf Magazine und Golfweek unter die Top 100 der besten öffentlichen Golfplätze der USA gewählt und hält ununterbrochen den Status als Nummer-1-Public-Course in Maryland. Seine Klasse stellte der Platz auch auf höchster Ebene unter Beweis: Von 2005 bis 2009 war Bulle Rock fünf Jahre in Folge stolzer Austragungsort der LPGA Championship (einem der Major-Turniere des Damen-Golfsports). Die Weltelite um Ausnahmespielerinnen wie Annika Sörenstam, Suzann Pettersen und Anna Nordqvist (Kapitänin des bei Bernardus Golf 2026 erfolgreichen Solheim Cup-Teams Europe) kämpfte hier um den begehrten Titel, was den Platz endgültig in den Olymp der internationalen Turnierschauplätze hob.
Die erste Bahn, ein Dogleg links über maximal 358 Yards, erinnert ein wenig an Dyes Design des Ocean Courses von Kiawah, denn auch bei Bulle Rock ist das Fairway erhöht und fällt vor allem links seitlich ab. Zudem lauern mehrere Bunker in der Drivelandezone. Da das Gelände auch links des Grün abfällt und dort auf mehrere Bunker trifft, spielt man die Fahne besser über die rechte Seite an. Zudem hängt das Grün von links hinten nach rechts vorne, man sollte daher darauf achten, wo genau die Fahne steht und einen Bergab-Putt meiden Weiter geht es mit einem herrlichen Par 5 über bis zu 572 Yards. Vom Tee geht es leicht nach rechts und zugleich deutlich bergab – allerdings wird das Gelände vor allem links von zahlreichen Hügeln durchzogen, so dass der Ball nach der Landung manch unerwartete Richtung nehmen kann. Da rund 100 Yards vor dem Grün ein geschwungener Wassergraben das Fairway quert, muss man sich beim Lay-up entscheiden: entweder vor oder hinter dem Wassergraben ablegen. Das in zwei Ebenen von rechts nach links hängende Grün und der zentral vorne platzierte Grünbunker erfordern zudem einen hohen, präzisen Approach, rund um das Grün lauern weitere Bunker. Eine typische Dye-Bahn ist das folgende Par 3 über maximal 177 Yards: Die quer zum Hang gebaute Bahn bringt ein Grün, dessen linke Seite deutlich bergab führt und dort auf eine wahre Kraterlandschaft an Bunkern trifft. Rechts bleibt das Gelände zwar ebenerdig, grenzt aber an einen hohen Baum sowie eine unangenehme Roughzone an. Zudem bietet das langgezogene, schmale Grün viele Fahnenoptionen, welche ein bis zwei Schlägerlängen Unterschied mit sich bringen können. Weiter geht es mit einem bis zu 417 Yard langen Par 4, Dogleg rechts. Am besten zielt man vom Tee zwischen die gut sichtbaren, vorderen Fairwaybunker – die jedoch eher für Longhitter ins Spiel kommen. Kommt der Teeshot aufgrund des leicht nach rechts geneigten Geländes auf der rechten Bahnseite zur Ruhe, spielt man den Approach leicht nach links. Dabei muss ein mächtiger Bunker rechts vor dem Grün überwunden werden. Links, seitlich vor dem Grün, wird das Gelände von mehreren Hügeln durchzogen. Zudem kommt rechts ein kleiner Bachlauf neben dem Grün ins Spiel. Da das langgezogene Grün leicht nach vorne hängt, sollte man seine Anspielposition sorgfältig auswählen Weiter geht es mit einem bis zu 483 Yards langen Par 4, der schwierigsten Bahn der gesamten Runde. Das 90-Grad-Dogleg links führt leicht bergauf zu zerklüfteten, beiderseits von mehreren Fairwaybunkern durchzogenem Gelände. Auch nach dem Knick bleibt das Fairway onduliert und hängt nach rechts, mit dem Approach muß auch eine Senke sowie ein Bunker links vor dem Grün überspielt werden. Wer aufgrund der Länge und des Anstiegs die Bahn eher als Par 5 spielt, sollte nochmals über rechts vorlegen. Bahn 6 fällt mit maximal 413 Yards deutlich kürzer aus, dennoch hat das Par 4, Dogleg rechts, seine Tücken. Zwar hilft das abschüssige Gelände vom Tee, aber das Fairway ist leicht nach links versetzt und fällt vor allem rechts deutlich zu den Fairwaybunkern hin ab. Ein Wasserlauf trennt rund 90 Yards vor dem Grün Fairway und Grünkomplex. Beim Schlag zum einem Reverse Redan nachempfundenen, längsgezogenen Grün will vor allem der mächtige Bunker vorne überwunden werden, bevor man sich beim Putten mit der deutlichen Ondulierung der Bahn befasst. Das zweite Par 3 der Runde misst bis zu 202 Yards und wird über sehr offenes Gelände gespielt. Man sollte dennoch den Blick zur Fahne auf dem leicht nach links versetzten Grün nicht verlieren, denn vor allem rechts neben dem Grün lauern viele Bunker auf unpräzise gespielte Abschläge. Steckt die Fahne links, kommt der Topfbunker auf dieser Seite am Hang links neben dem Grün ins Spiel. Das gewellte Grün macht das Putten nicht einfacher. Dann folgt ein bis zu 546 Yards langes Par 5 als Dogleg links. Je weiter hinten man abschlägt, umso ausgeprägter ist der Knick, von den vorderen Tees spielt sich die Bahn hingegen fast gerade. Vom Tee ist es wichtig, den Ball zwischen die großen Fairwaybunker in der Drivelandezone beiderseits zu bringen. Den Lay-up sollte man unbedingt über rechts spielen, denn links fällt das Gelände in der Landezone deutlich in Richtung einer Bunkerzone ab. Das links von weiteren Bunkern beschützte Grün sollte man ebenfalls eher über rechts anspielen, Die Front Nine enden mit einem ebenso schönen wie anspruchsvollen Par 4 als Dogleg rechts um einen Teich herum. Das Fairstay steigt in Richtung der Drivelandezone an – je weiter der Abschlag, um so eher muss dieser über Wasser nach rechts gespielt werden. Im zweiten Teil fällt das Gelände wieder ab, bleibt der Approach zu kurz, besteht allerdings die Gefahr, dass er in die Senke rechts vor dem Grün rollt und man nun über den mächtigen Grünbunker vorne zur Fahne spielen muss. Daher sollte man die Fahne eher etwas links anspielen. Gerät die Annäherung zu lang, landet der Ball gerne in einer der ausgeprägten Grasmulden und Hügel hinter dem Grün.




























Unterhalb des Clubhauses geht es auf die Back Nine. Sie starten mit einem bis zu 393 Yards langen Par 4, Dogleg links. Der Knick setzt allerdings recht spät ein. Man sollte sich jedoch davor hüten, daher schon vom Tee nach links anzuhalten, denn links des Fairways fällt das Gelände in Richtung dichten Roughs und zahlreicher Bunker ab. Zudem führt die Bahn vom Tee zunächst leicht bergauf, dieser Richtung sollte man folgen. Der Approach wird dann leicht bergab gespielt. Erneut lauern links ein Abhang und tiefe Bunker, da sollte man lieber den Bunker rechts des Grün beachten und das Grün mittig anspielen. Auch das Grün hat seinen Reiz, da es sich in mehreren kleinen Wellen nach vorne zieht. Die folgende Bahn wirkt ein wenig wie der große Bruder der 10, denn Bahn 11 ist die längste Bahn der gesamten Runde: ein Par 5 mit bis zu 665 Yards! Zwar führt das Gelände leicht bergab, aber die zahlreichen Bodenwellen im Fairway sorgen für zusätzliche Herausforderung. Vom Tee sollte man sich zunächst leicht rechts halten und so den Bunker im Knick aus dem Spiel nehmen. Beim Lay-up wechseln die Bunker dann von links nach rechts, vor allem ab rund 220 Yards vor dem Grün lauern nun rechts viele Bunker in einer Hügellandschaft, deren hochgezogene Seiten oft den direkten Weg zum Grün erschweren. Auh rechts vor dem Grün lauert ein riesiger Grünbunker in Kombination mit mehreren, kleinen und schwer zu spielenden Topfbunkern – am besten überspielt man diesen Bereich mit einem hohen Approach. Allerdings hängt auch das Grün von links nach rechts in Richtung der Bunkerlandschaft. Das erste Par 3 der Back Nine zieht sich über maximal 190 Yards und gehört für uns zu den schönsten Bahnen der Runde. In weitem Linksbogen zieht sich die Bahn in Richtung Grün, die gesamte rechte Seite wird bis hinter das Grün von einem Teich flankiert. Das besondere: je weiter vorne man abschlägt und je weiter links die Fahne gesteckt ist, umso eher kann man den Teeshot über Land spielen. Wählt man einen der hinteren Abschläge und steckt die Fahne rechts, muss hingegen über oder dicht am Wasser entlang gespielt werden. Wer dabei zu lang und nach rechts zielt, lernt den Bunker rechts hinter dem Grün kennen, bleibt man zu weit links der Fahne, kommen die Bunker links vor und neben dem Grün ins Spiel – Pete Dye ist einfach ein Meister des Par 3-Designs, nicht nur mit seiner legendären 17. Bahn von TPC Sawgrass. Weiter geht es mit einem bis zu 476 Yards langen Dogleg rechts, einem weiteren Par 4. Die Optik verleitet einen schnell dazu, rechts am gut sichtbaren Fairwaybunker vorbei zu spielen – doch hinter diesem lauert dichtes Rough. Man sollte sich besser links des Bunkers orientieren und dabei bei der Schlägerwahl den Längengewinn durch die leicht bergab verlaufende Bahn berücksichtigen. Nach dem Knick wird es besonders spannend: die rechte Fairwayseite grenzt an eine kleine Schlucht, welche die Bahn von den Bäumen daneben trennt. Das Fairway wird Richtung Grün immer schmaler und hängt deutlich sichtbar nach rechts – lässt somit, vor allem bei Trockenheit, Bälle gerne zurück Richtung Schlucht rollen. Wer einen Lay-up spielt, sollte das unbedingt berücksichtigen. Das langgezogene Grün wird sowohl rechts als auch links von insgesamt drei langgezogenen Bunkern eingerahmt und zieht sich über zwei Ebenen von hinten nach vorne. Kein Wunder, dass dies die schwerste Bahn der Back Nine darstellt. Das folgende, maximal 372 Yards langen Par 4 ist ebenfalls ein Dogleg rechts, allerdings fällt die Richtungsänderung weniger stark aus. Da das Fairway deutlich sichtbar nach rechts hängt und dort ab der Richtungsänderung einige Fairwaybunker lauern, sollte man den Teeshot beherzt nach links an den äußersten Fairwayrand spielen, er rollt meist dennoch wieder leicht bergab. Das Grün ist leicht nach links versetzt und wird ebenfalls von mehreren, vor allem rechts sehr großen Bunkern eingerahmt. Zudem ist das quer liegende Grün deutlich onduliert. Bahn 15 bringt das letzte Par 5, das mit maximal 529 Yards aber eher kurz ausfällt. Wer Dye kennt, erahnt aber schon am Abschlag, dass die Bahn andere Herausforderungen als die reine Länge mit sich bringen wird. Vom Abschlag wirkt die Bahn wie ein weiteres Dogleg links. In der Tat sollte man nicht zu weit nach links spielen, denn dort lauert ein mächtiger Fairwaybunker. Ideal ist eine Draw Richtung rechter Seite oder Bahnmitte. Dann erkennt man das besondere Layout dieser Bahn: sie ist eher S-förmig angelegt, wobei es wirkt, als ob die beiden S-Teile nachträglich verschoben wurden. Tatsächlich gut 250 Yard vor dem Grün wechselt das Fairway auf die einem Bachlauf gegenüberliegende, linke Seite. Da jedoch vorher dichter Bewuchs die linke Seite bedeckt, bedeutet das auch, dass ein zu kurzer Teeshot oft dazu führt, dass man nochmals nach rechts ans Ende des ersten Fairways vorlegen muss, damit man überhaupt den zweiten Fairwaybereich anspielene kann. Dafür ist manchmal nur ein kleiner Pitch oder gar Chip erforderlich. Im zweiten Teil hängt das Fairway dann deutlich nach rechts in Richtung des Bachlaufs. Der Lay-up sollte spätestens rund 70 Yards vor dem Grün zur Ruhe kommen, denn dann lauert links ein mächtiger Bunker. Das längliche Grün grenzt rechts an den Bachlauf an, vorne lauert zudem ein Bunker im Hang Richtung Wasser. Und natürlich hängt das von einer Welle durchzogene Grün ebenfalls Richtung Wasser. Hier gilt: mit drei präzisen Schlägen und einem oder zwei guten Putts wirkt die Bahn sehr leicht – findet aber schon der Teeshot nicht die richtige Länge oder Landestelle, kann diese Bahn den Score erheblich beeinträchtigen. Das folgende Par 4 spielt sich über maximal 425 und beginnt mit einem geraden Teeshot leicht bergab. Da die Bahn im letzten Viertel leicht nach rechts dreht, sollte man den Abschlag eher auf der linken Fairwayseite platzieren. Rund 110 Yards vor dem Grün kommt rechts dann zunächst ein großer Bunker ins Spiel, an den sich ein Bachlauf bis rechts hinter das Grün anschließt. Das Grün zieht sich von hinten durch eine Senke nach vorne und wird rechts, vor allem aber links durch mehrere Bunker verteidigt. Das letzte Par 3 spielt sich über maximal 194 Yards. Das Grün liegt nicht nur unterhalb der Abschläge, sondern ist auch nach rechts versetzt – und natürlich grenzt rechts, schon vor dem Grün beginnend, ein mächtiger Bunker an die Bahn. Ideal ist somit der Fade – misslingt dieser, lauern links drei große Grünbunker. Gerät der Ball zu weit nach rechts, landet er schnell im dichten Wald. Auch das Grün ist anspruchsvoll, da es sich von der höheren vorderen Ebene zunächst leicht nach oben zieht, bevor es auf die tiefer liegende zweite Ebene geht. Auch die Schlussbahn, ein maximal 485 Yards langes Par 4, ist ein „Schmankerl“ und nicht zu unterschätzen. Schon vom Tee des Doglegs links kommt der Teich links ins Spiel, der sich bis hinter das Grün zieht. Erneut ist das Fairway etwas oberhalb der Abschläge, hängt aber nach links Richtung Wasser. Hier sollte man seine Schlagweite gut kennen, denn davon hängt ab, wie weit man über das Wasser spielt und links anhält. Auch die Annäherung ist kein Zuckerschlecken: Das Fairway hängt weiterhin nach rechts Richtung Wasser, so dass Rechtshänder oft unter dem Ball stehen. Das Grün ist nochmals nach links versetzt und wird links und hinten durch das Wasser eingerahmt. Der Fairwaybunker rechts kommt am ehesten bei einem Lay-up ins Spiel, ansonsten freuen sich manche Golfer gar, wenn sie den kleinen Bunker rechts hinter dem Grün treffen, verhindert dieser doch, dass der Ball ins Wasser rollt. Das Grün hat in der Mitte eine Senke, zudem hängt es auf der rechten Seite nach links, nur im vorderen Teil des Grüns gibt es links einen kleinen Gegenhang. Das Putten kann daher zur regelrechten Achterbahn werden – ein würdiger Abschluss für diesen ebenso schönen wie anspruchsvollen Golfplatz.
Bulle Rock ist definitiv ein Bucket List-Course, zumal der Platz verkehrsgünstig entlang der Verbindung zwischen Washington DC, Baltimore und Philadelphia liegt. Man sollte hier jedoch – wie bei fast allen Dye-Plätzen – keinen übertriebenen sportlichen Ehrgeiz an den Tag legen, sondern lieber eine Teebox weiter vorne starten und dafür das äußerst abwechslungsreiche, anspruchsvolle Design einer wahrend Golfplatz-Architekturlegende genießen. Unbedingt empfehlenswert ist auch ein Besuch des großen Pro-Shops mit seinem vielfältigen und sehr attraktiven Sortiment.































