Cape Kidnappers

Picture of Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

Cape Kidnappers

Cape Kidnappers ist einer der spektakulärsten Golfplätze dieser Welt – in Europa kann allenfalls der Old Head of Kinsale in Irland ähnlich atemberaubende Aussichten auf der Runde bieten. Besitzer von Cape Kidnappers ist der US-Amerikanische Milliardär Julian Robertson. Ihm gehört in Neuseeland mit Kauri Cliffs ein weiteres Juwel auf Neuseelands Golflandkarte.

 

Obwohl Cape Kidnappers sich auf Privatgrund befindet und an das 5-Sterne-Hotel „Farm at Cape Kidnappers Lodge” angrenzt, ist der Platz ein komplett öffentlicher Platz. Die Anlage ist Teil des renommierten Netzwerks von IMG Prestige. IMG, einst von Mark McCormack gegründet und auch für das Management renommierter Sportler einschließlich der Big Three Arnold Palmer, Gary Player and Jack Nicklaus bekannt, hat ein einzigartiges Netzwerk von mehr als 200 außergewöhnlichen Golfanlagen in 34 Ländern auf fünf Kontinenten ins Leben gerufen. Zum Verbund zählen auch die Schwesteranlage von Cape Kidnappers, Kauri Cliffs, sowie Bay Hills und Disney Golf in den USA, der Emirates Golf Club in Dubai sowie Le Golf National in Frankreich, Trump Turnberry in Schottland und Bro Hof Slott in Schweden. Stets zur Mitte der Front und Back Nine erreichen die Spielbahnen die äußersten Klippen oberhalb des Kaps – und belohnen den Golfer mit unglaublichen Aussichten, die vor allem aus der Luft noch dramatischer wirken.  

 

Hat man die eher unscheinbare Einfahrt nahe des Kaps erst einmal entdeckt, führt immer noch eine gut 15-minütige Fahrt bis zum Clubhaus. Dort kann man nach Herzenslust im sehr gut sortierten und mit äußerst kompetentem, freundlichem Personal besetzten Pro-Shop einkaufen. Am schönsten ist es, die Runde mit einem Buggy zu genießen. Der erste von Tom Doak in Neuseeland entworfene Platz bietet pro Bahn fünf Teeboxen mit einer Gesamtlänge zwischen 4.579 und 7.187 Yards – selbst Longhitter finden daher auf diesem Par 71-Platz eine passende Teebox. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass auch der Wind häufig ins Spiel kommt, so dass die meisten Golfer sich eher gegen den hintersten Abschlag entscheiden und so auf eine Gesamtlänge von maximal 6.456 Yards kommen. Zum Auftakt wartet ein bis zu 402 Meter langes Par 4, das als leichtes Dogleg rechts ausgelegt wurde. Hält man vom Tee zu weit nach rechts an, landet der Ball schnell im dichten Rough, geht er zu weit nach links, ist der Winkel zur Fahne (vor allem bei einer Position auf der linken Grünhälfte) oft problematisch. Zudem sollte man die kleine Senke vor dem Grün und die fünf Grünbunker beachten. Dies zeigt schon: auch wenn der Platz sehr weitläufig gestaltet wurde – Schwierigkeiten lauern aller Orten! Dann folgt bereits das erste Par 5 mit bis zu 494 Metern. Nach der Drivelandezone wendet sich die Spielbahn nach rechts, dennoch sollte man den Teeshot eher links anhalten und so einige Fairwaybunker aus dem Spiel nehmen. Auch wer sich für einen Layup entscheidet, sollte die weiteren Sandlöcher im Fairway beachten. Während das Fairway teils onduliert ist, präsentiert sich das von mächtigen Bunkern verteidigte Grün eher flach, ein Zwei-Putt ist hier gut möglich. Wer am dritten Loch, einem bis zu 194 Meter langen Par 3, den hinteren Abschlag wählt, klettert über eine Holztreppe durch einen kleinen Dschungel bergauf. Auch für die weiteren Abschläge trennt dichtes Rough in einer Mulde die Teeboxen vom Grün – wobei der Anteil, der über das Rough gespielt wird, um so kleiner wird, je mehr man einen der vorderen Abschläge wählt. Die Senke vor dem Grün wartet mit fünf perfekt platzierten Bunkern auf, auch die drei Bunker hinter dem Grün kommen vor allem bei Windunterstützung schneller ins Spiel als vielen Golfern lieb ist – insgesamt eine fantastische Spielbahn! Dann geht es langsam Richtung Klippen – mit einem maximal 534 Meter langen Par 5, das sich leicht S-förmig zum Grün zieht. Vor allem bei Gegenwind ist diese Bahn ein echter Tester. Zudem gibt es hier den einzigen, echten blinden Teeshot. Ein Richtungspfeil auf dem Boden der Teeboxen und eine gut sichtbare Markierungsstange auf dem Fairway ermöglichen jedoch eine perfekte Ausrichtung. Das Fairway zieht sich als kleine Berg- und Talfahrt zum Grün, wer dieses über die rechte Seite anspielt, sollte die zahlreichen Bunker auf dem Weg zur Fahne meiden. Bahn fünf, ein gerades Par 4, verläuft parallel zu den Klippen – Hooks befördern den Ball daher mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Pazifik. Zudem unterteilen zwei Fairwaybunker die Spielbahn, auch rund um das Grün wurden weitere Bunker platziert. Bahn 6 bietet ein weiteres Par 3, das bis zu beeindruckenden 206 Meter lang gespielt werden kann – selbst vom vordersten Abschlag bleiben 105 Meter. Überhaupt sind die Par 3s auf der Anlage besonders imposant: hier gilt es, eine Schlucht auf dem Weg zum zusätzlich deutlich erhöhten Grün zu überspielen. Man sollte daher, unabhängig vom Wind, ruhig ein Eisen mehr nehmen. Je weiter man diese Bahn von vorne spielt, desto höher liegt das Grün gegenüber dem Abschlag. Auf dem Weg zum Grün überquert man eine längere Brücke mit Holzplanken. Vom Grün sollte man auch die fantastische Aussicht genießen. Weiter geht es mit einem Par 4 – oft hilft hier der Wind, denn vom Tee aus geht es zunächst über dichtes Rough. Die Bunkerzone beginnt rechts deutlich vor dem Grün in einer Senke, die das Fairway vom Grün abtrennt. Die tiefen Bunker links sollte man meiden. Dann folgt das dritte Par 3 mit einer Maximallänge von 166 Metern. Hier ist es unverzichtbar, das Grün hoch anzuspielen, da eine von dichtem Rough durchzogene Senke zwischen Abschlag und Grün liegt. Zudem ist das Grün in zwei Ebenen unterteilt, man sollte daher die Fahnenposition unbedingt beachten – vor allem ein Putt vom hinteren, oberen Plateau nach unten führt nicht selten dazu, dass der Ball wieder komplett vom Grün herunterrollt. Den Abschluss der Front Nine bildet ein mittellanges Par 4, das als leichtes Dogleg links ausgeführt ist und zudem Richtung Grün leicht, aber stetig ansteigt. Den Teeshot sollte man mittig bis rechts anhalten, dann kommen die beiden Fairwaybunker nicht ins Spiel. Der Schlag ins erhöhte Grün sollte selbst bei vorderer Fahnenposition eher Mitte Grün angehalten werden, um die beiden tiefen Grünbunker aus dem Spiel zu nehmen.

Weiter geht es mit den Back Nine – die gleich mit einem mächtigen Par 4 beginnen. Vom Abschlag sollte man sich eher rechts halten und so das dichtes Rough der gegenüberliegenden Seite meiden. Zum Grün hin steigt die Bahn nochmals leicht an, zudem schließt das Grün auf der linken Fairwayseite an. Dann geht es weiter Richtung Klippen zum elften Abschlag. Das mächtige Par 3 erfordert einen guten Carry und Präzision – selbst ein Layup ist herausfordernd, da man aufgrund des Roughs erst Richtung des zehnten Grüns vorlegen müsste, um dann quer zu spielen. Das Grün hängt von hinten nach vorne, daher spielen sich hintere Fahnenpositionen leichter. Bahn 12, ein leichtes Dogleg links, ist ein mächtiges Par 4 und trägt den bezeichnenden Namen „Infinity“. Hat man Gegenwind, könnte sich der Name auf die Anzahl der Schläge bis zum Grün beziehen – gemeint ist aber der schier unendliche Blick vom Tee Richtung Horizont. Das Fairway steigt erst sanft an, so dass man meist nur die Spitze der Fahne vom Abschlag erkennen kann. Da das Grün nach links versetzt ist und auf der linken Seite zudem eine dicht bewachsene Senke lauert, sollte man das Grün eher über rechts anspielen. Dann folgt die kürzeste Bahn des Platzes, ein maximal 119 Meter kurzes Par 3. Vom Tee geht es über eine Senke hinweg leicht bergauf, nicht weniger als sechs Bunker beschützen beide Seiten des Grüns. Zusätzliche Herausforderung: das ohnehin feste Grün hängt von hinten nach vorne – daher rollt mancher Teeshot auch vom Grün wieder herunter. Das nun folgende, mit maximal 318 Metern kürzeste Par 4 des Platzes ist alles andere als einfach! Vom Tee geht es zunächst über einen dicht bewachsenen, breiten Graben, zudem verläuft das Fairway leicht quer zu den Abschlägen. Auf der rechten Seite des Fairways – in der Drivelandezone der Longhitter – lauert ein großer Bunker, zudem schützt ein tiefer Topfbunker die vordere, mittige Grünkante. Steht die Fahne vorne, merkt man zudem, dass das Grün deutlich nach hinten abfällt. Nun geht es mit einem bis zu 594 Meter langen Par 5 an Bahn 15 wieder hinaus Richtung Klippen. Das Grün liegt in nahezu gerader Linie vom Tee, jedoch ist das Fairway zu beiden Seiten immer wieder eingebuchtet und erweckt den Eindruck eines Doglegs. Man sollte nicht zu weit nach links anhalten, denn dort lassen die Klippen jeden Hook im Meer verschwinden. Und durch die perspektivische Wirkung hat man zudem, gerade am Abschlag, das Gefühl, die Bahn würde immer enger. Das Grün sollte man eher mittig oder rechts anspielen, denn links lauern zwei Bunker hinter dem Grün sowie ein mächtiger Bunker vor dem Grün. Hier sollte man das Warnschild beachten: landet der Ball jenseits dieses Bunkers, spielt man besser einen neuen Ball… Auf dem Grün angekommen heißt es „Durchschnaufen und die Aussicht genießen“ – nur auf wenigen Anlagen weltweit kann man auf einem Golfplatz derart den Blick in die Ferne über die ausgesetzten Klippen schweifen lassen. Zum Abschlag der 16. Bahn, einem bis zu 457 Meter kurzen weiteren Par 5, geht es fast bis an den Rand der Klippen. Nicht selten werden die erhöhten Abschläge von Möwen bewacht, die Golfer argwöhnisch beäugen. Den Teeshot sollte man eher links anhalten und die Fairwaybunker rechts aus dem Spiel nehmen, der anspruchsvollere Teil der Bahn ist das Anspielen des Grüns. Dieses liegt leicht nach erhöht und nach links versetzt, zudem lauern etliche Bunker auf unpräzise geschlagene Bälle. Bahn 17, ein langes Par 4, verlangt zwei präzise und lange Schläge. Zudem windet sich das Fairway bogenförmig Richtung Grün. Am besten spielt man vom Tee einen Fade als Rechtshänder. Je nach Wind ist auch für den zweiten Schlag oft der Griff zum kleinen Holz erforderlich, zumal das Grün deutlich erhöht wird. Zu kurz sollte man beim Schlag Richtung Fahne nicht sein, denn nicht weniger als sechs tiefe Bunker schützen die Vorderkante des Grüns. Hier ist ein Par ein gefühltes Birdie… Das Schlussloch, ein Par 4 mit bis zu 439 Metern, ist alles andere als einfach. Das Fairway hängt nach rechts, auf der linken Seite lauern steile Abhänge auf unpräzise Teeshots. Erst beim Schlag Richtung Grün wird es etwas leichter, da das Grün deutlich unterhalb des Fairways liegt. Zudem ist es leicht nach rechts versetzt. Eine letzte Welle im Fairway vor dem Grün ermöglicht zudem strategisches Spiel: ist der Platz trocken, kann man seinen Ball links anhalten und ihn dann bergab Richtung Grün rollen lassen.

 

Nach der Runde sollte man im kleinen, aber feinen Clubhaus zumindest noch einen Drink nehmen. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit, kombiniert mit Luxus, sucht, sollte am besten im Farmhaus nebenan eine Übernachtung einplanen. In jedem Fall wird sich jeder Golfer noch sehr lange und gerne an diese einmalige Golfrunde erinnern.