Casa Bacardí 

Bild von Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

die größte Rum-Destillerie der Welt

Die Anreise zur größten Rum-Destillerie der Welt kann per Fähre oder PKW erfolgen. Die Fähre legt in der Bucht gegenüber von San Juan an, und schon beim ersten Schritt an Land liegt dieser unverwechselbare Duft in der Luft: süßlich, warm, ein Hauch von Melasse. Das Casa Bacardí (die korrekte Aussprache beinhaltet die Betonung auf der letzten und nicht auf der mittleren Silbe) erwartet Besucher aus aller Welt, strahlend weiß-beige zwischen Palmen und Meer. Mit seinen kubanischen Wurzeln wirkt der Standort auf Puerto Rico wie ein modernes Heiligtum des Rums – und zugleich wie ein offenes Versprechen an alle, die wissen wollen, woher der berühmteste Tropfen der Karibik stammt. Puerto Rico zeigt sich hier von seiner glänzenden Seite: Sonne, Wind vom Atlantik und ein Ort, an dem Geschichte in Gläsern serviert wird. Am besten erkundet man das Anwesen im Rahmen einer geführten Tour. Angeboten werden mehrere Varianten, die vor allem unterschiedliche Verkostungen beinhalten. Wer in die Geschichte des Unternehmens eintauchen möchte, sollte die Legacy Tour buchen. Diese beginnt mit einem Willkommens-Cocktail im Besucherzentrum – und natürlich wird dafür Bacardí verwendet. Übrigens: als echter Cuba Libre gilt dem Unternehmen zufolge nur der Mix aus Coca-Cola und Bacardí (weiss), alles andere sei schlicht „Rum mit Cola“. Natürlich kann man die Bar im Besucherzentrum auch nach der Tour nochmals aufsuchen und die verschiedenen Mixgetränke sowie puren Rum genießen.

 

Die Legacy Tour beginnt nicht mit Technik, sondern mit Menschen. In schattigen Innenräumen erzählen alte Fotografien von einer Einwandererfamilie, die den Mut hatte, Kuba zu verlassen und auf Puerto Rico neu zu beginnen. Aus einer kleinen Destillerie wurde ein Weltkonzern – und doch bewahrt das Besucherzentrum die intime Atmosphäre eines Familienunternehmens. Man hört die Geschichte nicht nur, man spürt sie, etwa wenn vom großen Erdbeben von 1947 die Rede ist oder von der Entscheidung, hier in der Bucht von San Juan ein neues Zuhause zu bauen. Geblieben ist übrigens das Logo und Wappentier: eine Fledermaus, die auch das Besucherzentrum ziert. Dann öffnet sich der Blick auf die Produktionswelt. Der Guide erklärt, warum das Filtern durch Holzkohle dem Getränk seine berühmte Klarheit verleiht. Es ist dieser Moment, in dem man begreift, dass Rum nicht nur ein Strandgetränk ist, sondern das Ergebnis präziser Handwerkskunst – und jahrzehntelanger Erfahrung einer Marke wie Bacardí. Die Legacy Tour setzt genau hier an: Sie will verbinden – Tradition und Moderne, Mythos und Methode. Höhepunkt ist schließlich die Verkostung. Zwei Gläser stehen bereit, jedes ein Kapitel der Unternehmensgeschichte über den bekannten weißen Rum hinaus. Während der weiße Rum dne meisten Besuchern bekannt ist und überraschend leicht, fast verspielt wirkt, bringt der brauen oder goldene Rum (er lagert mehrere Jahre im Holzfass) Noten von Vanille und geröstetem Holz, der dunkle schließlich erzählt von Reife und Zeit. Draußen glitzert das Wasser, drinnen klingt leise Musik, und für einen Moment scheint die Welt stillzustehen. Das Casa Bacardí ist keine reine Geschichte des Rums. Es ist eine Geschichte von Migration und Mut, von Rückschlägen und Neuanfang, von einem Getränk, das zur kulturellen Brücke wurde. Die Legacy Tour ist weniger eine klassische Führung als vielmehr eine Zeitreise durch karibische Geschichte im Rhythmus von Zuckerrohr und Eichenholz. So verlässt man das Anwesen mit der Erkenntnis, dass Rum hier nicht einfach produziert wird – er ist Teil einer Identität, die Puerto Rico bis heute prägt.