Das zeitlose Erbe von The Heather

Bild von Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

Pionier des Nordens

Als der legendäre Golfarchitekt Robert Trent Jones Sr. Mitte der 1960er-Jahre den Auftrag übernahm, in den dicht bewaldeten Hügeln Nord-Michigans einen Meisterschaftsplatz zu entwerfen, legte er den Grundstein für ein Stück amerikanische Golfgeschichte. Mit seiner Eröffnung im Jahr 1966 war The Heather im Resort Boyne Highlands nicht nur der erste Golfplatz der Anlage, sondern gilt bis heute als der Katalysator, der die Region um Harbor Springs überhaupt erst auf die Landkarte des internationalen Golfsports setzte. Der Platz präsentiert sich als bilderbuchhafter Parkland-Kurs von majestätischer Eleganz. Er fügt sich nahtlos in die Landschaft ein, umrahmt von aufragenden Kiefern, dichten Hartholzwäldern und natürlichen Feuchtgebieten. Typisch für die Designphilosophie von Robert Trent Jones Sr. ist das Prinzip des „Heroic Design“: An fast jeder Bahn werden Spieler vor die Entscheidung gestellt, das Risiko zu suchen oder eine sicherere, aber längere Route zu wählen. Großzügige Fairways täuschen oft über die strategischen Herausforderungen hinweg – tückisch platzierte Bunker, spiegelglatte Wasserhindernisse und die charakteristischen, großflächigen und sanft gewellten Grüns verlangen taktisches Spiel vom Tee bis zum Grün. Zur Wahl stehen pro Bahn

fünf Teeboxen, von den vordersten Abschlägen misst der Kurs 4.213 Yards, was Einsteigern und Genussgolfern eine faire und entspannte Runde ermöglicht. Wer hingegen die Herausforderung sucht und ganz nach hinten an die Championship-Tees tritt, sieht sich einer stattlichen Gesamtlänge von 7.213 Yards gegenüber, die selbst Longdrivern und Tour-Professionals alles abverlangt. Diese gelungene Kombination aus historischem Charme, anspruchsvoller Architektur und natürlicher Schönheit sichert The Heather bis heute seinen Status als Flaggschiff der Anlage – gekrönt durch die Auszeichnung zum US-amerikanischen „Course of the Year“ der NGCOA im Jahr 2019.

 

Die Runde wird mit einem bis zu 383 Yards langen Par 4 als sanftem Dogleg rechts. Von den Teeboxen geht es zunächst etwas bergab, der Abschlag sollte eher auf der linken Seite platziert werden, um die hohen Bäume rechts aus dem Spiel zu nehmen. Zur Fahne wird dann ein hoher Approach benötigt, denn drei mächtige Bunker blockieren vorne und seitlich den Zugang zum erhöhten (und damit Robert Trent Jones-typischen) Green fast vollständig. Auch die nächste Bahn ist ein Par 4, nun mit maximal 397 Yards, und ebenfalls nach rechts drehend. Der kleine Teich links der Teeboxen dient eher optischen Zwecken und sollte nicht ins Spiel kommen. Da das Gelände rechts des Fairways abfällt und die Bahn zudem leicht ansteigt, sollte man hier die Bahnmitte oder leicht links von ihr vom Tee anspielen – so nimmt man auch den kleinen Teich im Knick der Bahn aus dem Spiel. Im zweiten Teil setzt sich der sanfte Anstieg Richtung Fahne fort. Das nach vorne geneigte Grün wird von drei Bunkern eingerahmt, nun bleibt allerdings vorne ein breiter Zugang offen, so dass man den Ball auch eher flach zur Fahne spielen kann. Das dritte Par 4 der Runde bringt nochmals etwas mehr Länge und spielt sich über bis zu 403 Yards. Erneut dreht die Spielrichtung leicht nach rechts, Trent Jones hat ein Herz für Fade-Spieler. Zudem kommt rechts ein kleiner Hügel am Fairwayrand ins Spiel. Aufgrund der Bahnlänge ist es wichtig, den Ball möglichst Bahnmitte und weit vorne zu platzieren, Fairwaybunker kommen nicht ins Spiel. Das Grün ist leicht schräg angelegt, Beachtung erfordern sowohl der kleine Teich links vor dem Grün als auch die beiden seitlichen Grünbunker. Wasser kommt auch an der nächsten Bahn ins Spiel, dem maximal 202 Yards langen ersten Par 3. Man schlägt gefühlt aus einer Waldschneise ab, die Bahn wird jedoch vom einem großen Teich dominiert, der die Abschläge vom quer angelegten Grün trennt. Rechts lauert zudem ein mächtiger Grünbunker, das Grün zieht sich in zwei Ebenen von hinten nach vorne Richtung Wasser. Hier kommt es darauf an, den Ball sicher übers Wasser zu spielen, da neben dem Teich nahezu kein Raum für einen Lay-up bleibt – hier zeigt sich, ob man von der passenden Teebox spielt. Bahn 5 bringt das erste Pa5 mit einer stolzen Maximallänge von 560 Yards. Nun führt die Bahn erstmals nach links, und dies direkt als 90-Grad-Dogleg. Der Knick wird durch einen riesigen Teich gefüllt, den man vom Tee jedoch nur anhand des starken Pflanzenbewuchs auf der linken Seite erahnen kann, Stattdessen hat man vom Abschlag einen wunderbaren Blick auf die Skipisten des Resorts, welche im Winter das Geschäft bestimmen. Vom Tee kommt es darauf an, den Ball möglichst in der Bahnmitte zu halten. Wählt man für den Lay-up den Bereich zwischen rund 100 und 160 Yards vor dem Grün, profitiert man von der verbreiteten Landezone im Knick der Bahn. Wer das Grün mit dem zweiten Schlag anspielen möchte, muss hingegen über den Teich abkürzen. Den Approach spielt man am besten Mitte Grün, denn links grenzt es an Wasser (und natürlich hängt das Grün zu dieser Seite), rechts hingegen wartet vor dem Grün ein großer Bunker. Anschließend kommt bereits das zweite Par 3, nun über maximal 161 Yards. Auch hier trennt ein Teich das quer liegende Grün von den Teeboxen, ein hoher Abschlag ist daher Pflicht. Links und rechts des breiten und damit viele Fahnenoptionen bietenden Grüns lauern Bunker. Weiter geht es mit einem 90-Grad-Dogleg links über bis zu 386 Yards. Seine Tücke: Die linke Bahnseite wird durch hohe Bäume und einen Hang begrenzt. Man sollte daher den Teeshot möglichst bis zum Knick spielen, sonst droht ein blinder zweiter Schlag über den Hügel hinweg. Im Bereich des Knicks steigt das Gelände auch auf der rechten Seite an, so dass man fast ein wenig an die Steilkurven von Daytona erinnert wird. Dort lauert auch ein großer Fairwaybunker. Das um rund 45 Grad versetzte Grün hängt von rechts hinten nach links vorne und wird auf beiden Seiten zudem durch Bunker verteidigt – hier ist Präzision vom Tee bis zum Grün gefragt. Bahn 8 bringt mit bis zu 450 Yards das längste Par 4 der Front Nine, auch diese Bahn dreht im zweiten Teil leicht nach links. Daher sollte man vom Tee nicht zu weit nach links spielen, sonst können die hohen Bäume auf dieser Seite den zweiten Schlag beeinträchtigen. Zudem lauern dort zwei Fairwaybunker. Auch das Grün wird beidseitig durch Bunker eingerahmt, liegt erneut leicht erhöht und hängt nach vorne. Mit der längsten Bahn der Runde und sogar aller Boyne-Golfplätze, einem bis zu 617 Yards langen Par 5, enden die Front Nine. Erneut ist das Layout ein 90-Grad-Dogleg rechts. Hier kann man vom Tee etwas links anhalten, denn der Lay-up wird leicht nach rechts gespielt, da sich die Bahn auf dem Weg zum Grün rechts um einen Teich auf der linken Seite zieht. Auch links vor dem Grün lauert nochmals Wasser, zudem ist das Grün nochmals nach links versetzt und deutlich erhöht. Da es direkt am Starterhaus liegt, sind einem Zuschauer bei Annäherung und Putts fast sicher.

Der zweite Teil beginnt mit einem bis zu 416 Yards mächtigen Par 4, das sich in weitem Bogen nach rechts Richtung Fahne zieht. Da das Gelände im ersten Teil nach unten führt, spielt sich die Bahn kürzer als angegeben. Um die hohen Bäume rechts für den zweiten Schlag aus dem Spiel zu nehmen, sollte man vom Tee eher links anhalten. Wer aufgrund der Länge dennoch nochmals vorlegt, sollte auf die beiden Fairwaybunker links vor dem Grün achten. Auch das langgezogene Grün selbst wird von drei Bunkern seitlich gerahmt und hängt von hinten nach vorne. Dann folgt ein bis zu 550 Yards langes Par 5, die längste Bahn der Back Nine, aber laut Scorekarte auch die leichteste Bahn der gesamten Runde. Das Fairway dreht gegenüber den Teeboxen leicht nach links, verläuft ansonsten jedoch recht gerade. Aufmerksamkeit erfordert vom Tee zudem der Fairwaybunker rechts, der weiter vorne gelegene Fairwaybunker links kommt eher beim Lay-up ins Spiel. Anspruchsvoll ist vor allem der Schlag zur Fahne, denn das Grün wird von vier Bunkern fast vollständig umrahmt und hängt leicht von rechts nach links – ein hoher Approach ist hier Pflicht. Vom Grün sollte man zudem den Blick zurück schweifen lassen, auch hier reicht der Blick von der Spielbahn bis auf die Skipisten. Bahn 12 bringt ein bis zu 174 Yards langes Par 3 – und erstmals Wasser auf den Back Nine. An dieser Bahn trennt ein Teich erneut Teeboxen und Grün, Drawspieler sollten zudem auf die vielen Bäume rechts der Teeboxen achten. Ein hoher Solitärbaum links neben dem Grün sowie ein großer Bunker links hinter dem Grün kommen ebenfalls gerne ins Spiel, sobald man den Ball vom Tee zu weit nach links spielt. Wer mit Backspin spielt, sollte zudem beachten, dass das Grün nach vorne Richtung Wasser geneigt ist. Dann folgt ein bis zu 419 Yards langes Par 4als Dogleg links. Die Spielbahn ist so breit, das man vom Tee durchaus nach links in den Knick spielen kann, um etwas abzukürzen. Spannend wird es vor allem im zweiten Teil, denn die Annäherung ist nicht nur lang (man braucht, je nach Teeshot, meist ein mittleres oder langes Eisen, teilweise auch kleines Holz oder Hybrid), sondern muss als Kombination aus Höhe (gleich fünf Bunker sind um das Grün herum platziert) und schnellem zur Ruhe kommen (damit der Ball nicht doch noch in einen der Bunker rollt) gespielt werden. Die folgende Bahn ist ebenfalls ein Par 4 und mit bis zu 418 Yards nahezu gleich lang. Zwar geht es nun gerade vom Abschlag Richtung Fahne, aber das Gelände steigt etwas an und hängt zudem nach links, man startet daher mit einem blinden Teeshot. Am besten hält man sich hier links des gut sichtbaren Fairwaybunkers auf der rechten Seite. Die Annäherung gestaltet sich ähnlich wie an der vorherigen Bahn, denn erneut wird das Grün von nun vier Bunkern fast vollständig eingerahmt. Bahn 15 bringt das letzte und mit maximal 506 Yards zugleich kürzeste Par 5 der Runde. Allerdings ist die Bahn recht eng und wird beiderseits von Bäumen gesäumt, wer den Teeshot zu weit nach rechts spielt, hat zudem oft den gut sichtbaren, hohen Baum rechts für den zweiten Schlag im Weg. Vom Tee muss man sich daher entscheiden, ob man das Grün mit zwei oder drei Schlägen anspielen möchte. Wer sich für drei Schläge entscheidet, sollte den Ball möglichst Mitte Bahn spielen, die Zwei-Schlag-Strategie erfordert einen Teeshot nahe an die Bäume links heran (oder gar darüber hinweg). Wer den Lay-up wählt, sollte beachten, dass das Fairway nach dem Knick des Doglegs links von rechts nach links hängt. Spielt man jedoch zu weit nach rechts, kann dort ein Fairwaybunker ins Spiel kommen. Das Grün wird erneut von mehreren Bunkern eingerahmt, nur links vorne hat der Designer eine schmale Gasse belassen, die auch eine flache Annäherung ermöglicht. Bahn 16 bringt das letzte, bis zu 196 Yards lange Par 3 der Runde. Erstmals auf diesem Platz kommt ein Par 3 ohne Wasser aus. Wichtig ist, den mächtigen Solitärbaum links und die drei Grünbunker beiderseits aus dem Spiel zu nehmen, zudem liegt das Grün sichtbar oberhalb der Abschläge und hängt von rechts nach links. Dann folgt ein weiteres Dogleg rechts als Par 4 mit maximal 403 Yards. Der Blick auf die hinter der Bahn liegenden Skihänge lässt es erahnen: diese Bahn wurde quasi quer zum Hang gebaut. Daher hängt die Bahn auch leicht gegen die Spielrichtung nach links, auch das Grün mit seinen drei mächtigen Bunkern fällt nach links vorne ab. Die Schlussbahn ist nochmals ein echtes Highlight – und zugleich eine der schwersten Bahnen der gesamten Runde. Das liegt zum einen an seiner Länge von bis zu 482 (!) Yards, zum anderen an dem großen Teich, der sich rund 160 Yards vor dem Grün über fast die gesamte Bahnbreite zieht. Vom Tee geht es zunächst leicht bergab, so dass man etwas Länge gewinnt. Wer jedoch einen Lay-up Richtung Fahne benötigt, steht vor einer kniffligen Entscheidung: entweder akzeptiert man einen mindestens 165 Yards langen Approach und legt kurz vor den Teich vor, oder man versucht, die sehr schmale Landezone links neben dem Teich anzuspielen und sich so einen kürzeren Approach zu sichern. Das nach vorne hängende und dort ans Wasser grenzende Grün mit seinen zwei mächtigen Bunkern hinter dem Grün ist zudem quer platziert, so dass die Annäherung schnell zum Halten kommen muss – eine ebenso schöne wie anspruchsvolle Schlussbahn.

Der The Heather-Course hat auch 60 Jahre nach seiner Eröffnung nichts von seinem Charme und seiner Klasse eingebüßt. Das typische RTJ-Design fügt sich wunderbar in die Landschaft Nord-Michigans ein und bietet – die Nutzung der zum eigenen Spiel passenden Teebox vorausgesetzt – eine sehr gelungene Kombination aus sportlichem Anspruch und Beherrschbarkeit für nahezu alle Spielstärken. Schon aufgrund seiner Historie sollte dieser Platz zum Pflichtprogramm einer Golfreise in die Region am Lake Michigan zählen.