Der Donald Ross Memorial Course

Bild von Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

Eine Hommage an das Golden Age-Design

Der 1989 eröffnete Donald Ross Memorial Golfplatz gilt als eines der ambitioniertesten Hommage-Projekte der Golfarchitektur. Auf Initiative des Boyne-Gründers Everett Kircher entwarfen die Architekten Jim Lipe und Stephen Smyers einen Meisterschaftsplatz, der 18 der berühmtesten Spielbahnen des legendären schottisch-amerikanischen Golfarchitekten Donald Ross (1872–1948) an einem einzigen Ort vereint. Ross gilt bis heute als Urvater des US-amerikanischen Golfplatz-Designs, rund 600 Plätze werden ihm zugerechnet. Seine Philosophie: Golf soll Spaß machen und nicht bestrafen – was aber keineswegs bedeutet, dass man seine Plätze ohne klares Course Management bewältigen kann. Der Par-72-Platz in Nord-Michigan bietet mit 6 verschiedenen Teeboxen maßgeschneiderte Herausforderungen für jede Spielstärke. Die Gesamtlänge reicht von minimal 4.935 Yards von den vordersten Abschlägen bis zu maximal 6.814 Yards von den Championship-Tees. Der Charakter des Platzes fängt die Essenz des „Goldenen Zeitalters“ der Golfarchitektur ein. Geprägt ist das Spiel von strategisch platzierten Bunkern, breiten Fairways und vor allem den für Donald Ross typischen „Turtleback Greens“ – stark kupierten, schildkrötenrückenartig nach allen Seiten abfallenden Grünkomplexen. Falsch berechnete Annäherungsschläge rollen unerbittlich ab und verlangen ein präzises kurzes Spiel.

 

Jede einzelne Bahn ist eine meisterhafte Nachbildung historischer Originale aus ganz Nordamerika sowie dem schottischen Dornoch:

 

Bahn   Vorbild / Original-Platz

1          Seminole Golf Club (Loch 6)

2          Plainfield Country Club (Loch 11)

3          Oakland Hills Country Club – South Course (Loch 10) (bis 2026)

4          Scioto Country Club (Loch 2)

5          Inverness Club (Loch 18)

6          Pinehurst No. 2 (Loch 14)

7          Wannamoisett Country Club (Loch 3)

8          Aronimink Golf Club (Loch 10)

9          Bob O’Link Golf Club (Loch 8)

10        Royal Dornoch Golf Club (Loch 14 – „Foxy“)

11        Charlotte Country Club (Loch 13)

12        Salem Country Club (Loch 13)

13        Pinehurst No. 2 (Loch 3)

14        Point O’Woods Golf & Country Club (Loch 6)

15        Detroit Golf Club (Loch 17)

16        Oakland Hills Country Club – South Course (Loch 16)

17        Seminole Golf Club (Loch 18)

18        Pinehurst No. 2 (Loch 18)

 

Im Rahmen eines umfassenden Renovierungsprojekts wurden von 2021 bis 2026 insgesamt sieben Spielbahnen überarbeitet: 1, 2, 3, 10, 13, 15 and 16. Die letzte Änderung Ende 2026 betrifft Bahn 3, die zwar ein Par 3 bleibt, aber künftig nicht mehr an Bahn 10 des Oakland Hills Country Clubs angelehnt ist (und als Bergauf-Bahn viele Golfer früh vor eine echte Herausforderung stellte), sondern sich Bahn 3 des Wannamoisett Country Clubs anlehnt und mit dann maximal 137 Yards nicht nur kürzer, sondern auch ohne Höhenunterschied spielt.

 

Los geht es mit einer Reminiszenz an den Seminole Golf Club. Das bis zu 383 Yards lange Par 4 zieht sich in gerader Linie Richtung Fahne, allerdings hängt das Fairway leicht nach rechts. Schon im Bereich der Drivelandezone beginnen die Herausforderungen: bis zum Grün warten fünf Fairwaybunker, das Grün selbst wird gar von sechs Bunkern eingerahmt. Gut für Golfer, die den Ball gerade im Spiel halten können. Bahn 2 fällt mit bis zu 336 Yards deutlich kürzer aus und dreht im letzten Viertel nach rechts. Vom Tee wartet ein leichter Schlag bergauf, die Fahne ist jedoch am Horizont erkennbar. Da das Fairway erneut nach rechts hängt, sollte man nicht zu weit nach rechts zielen. Rund 100 Yards vor dem Grün dreht die Richtung sanft nach links, drei Bunker umrahmen das erhöhte Grün vorne sowie zu beiden Seiten, hinter dem Grün lauert dichtes Rough. Das Par 3 an Bahn 3 misst ursprünglich bis zu 196 Yards – während unserer Runde wurde das künftige, deutlich kürzere Par 3 gerade fertiggestellt. Daher war die alte Bahn deutlich verkürzt, verlangte aber immer noch einen beherzten Teeshot bergauf. Künftig verläuft die Spielrichtung eben, allerdings sorgen zahlreiche Bunker beiderseits und vor dem Grün dafür, dass sich das neue Grün gefühlt wie ein Inselgrün in einer Waldschneise spielen wird – es bleibt spannend! Dann folgt ein bis zu 434 Yards langes Par 4 bergab. Aufmerksamkeit erfordern vor allem die Fairwaybunker rechts, während links nur ein einziger Bunker bis zum Grün wartet. Der Approach ist äußerst anspruchsvoll: hinter dem Grün fällt das Gelände ab, das Grün selbst ist leicht erhöht – eben ein typisches Donald Ross Turtleback-Grün – und wird von vier Bunkern geschützt, zudem wird das gesamte Gelände recht wellig. Bahn 5 bringt das erst Par 5 mit einer stolzen Maximallänge von bis zu 617 Yards. Die erste Herausforderung lauert in der Mitte der Bahn, dort kreuzt ein Wasserlauf das Fairway. Dafür kommen erst rund 170 Yards vor dem Grün rechts die ersten Fairwaybunker ins Spiel. Richtung Fahne steigt das Gelände wieder leicht an, das Grün ist wie eine Schüssel ausgelegt, so dass die zahlreichen Bunker um das Grün herum das Kurzgemähte von den ansteigenden Rändern des Geländes trennen. Kein Wunder, dass dies die schwerste Bahn der gesamten Runde ist. Auch die nächste Bahn, ein gerade verlaufendes Par 4 über bis zu 402 Yards (die hinteren Abschläge sind leicht nach rechts versetzt), beinhaltet einen kleinen, quer verlaufenden Bach. Er sollte jedoch kaum ins Spiel kommen, denn vom Abschlag geht es über eine kleine Senke hinweg Richtung Fairway, der Wasserlauf befindet sich mitten in der Senke und deutlich vor dem Fairway. Auf der rechten Seite des nach links hängenden Fairways lauern zwei Bunker, auch das erhöhte und von links nach rechts hängende Grün wird von zwei Bunkern eingerahmt. Bahn 7 ist ein sanftes Dogleg rechts, da die nur maximal 336 Yards lange Bahn vom Tee zunächst nach links gespielt wird. Longhitter können jedoch auch direkt in Richtung Fahne spielen und so den Knick auf der linken Bahnseite umgehen, zumal die Bahn bergab gespielt wird. Rund 100 Yards vor dem Grün setzt dabei links wie rechts eine wahre Bunkerorgie ein, insgesamt neun Sandhindernisse lauern vor sowie neben dem nach links vorne hängenden Grün. Das bis zu 181 Yards lange Par 3 an der nächsten Bahn ist ein optischer Leckerbissen: über einen großen Teich geht es carry Richtung Grün, das zudem von vier Bunkern eingerahmt wird. Drawspieler sollten zudem die große Trauerweide auf dem Landvorsprung im Teich beachten, die über- oder umspielt werden muss. Wenig überraschend hängt das Grün Richtung Wasser, so dass man den Backspin hier nicht übertreiben sollte. Mit einem bis zu 497 Yards langen Par 5 als Dogleg rechts enden die Front Nine. Vom Tee sollte man den Ball zwischen die gut sichtbaren Fairwaybunker platzieren – Longhitter können über die linke Ecke des Bunkers rechts abkürzen. Werde den Lay-up wählt, sollte leicht links anhalten – aber nicht zu weit, sonst landet der Ball in einem der beiden großen Fairwaybunker auf dieser Seite. Das erhöhte Grün bietet nur eine kleine Landgasse zur Fahne, da das letzte Fairwaybunker und ein Bunker rechts des Grün, der diesen Bereich vom angrenzenden Teich trennt, strategisch hervorragend platziert wurden. Ein weiterer Grünbunker befindet sich hinter dem Grün.

Ganz im Stil des Golden Age-Designs ist die Runde als klassisches Out-In angelegt, so dass man sich nun am vom Start weitest entfernten Punkt befindet – wer Getränke und Snacks benötigt, wird jedoch durch das Beverage Cart hervorragend versorgt. Der zweite Teil der Runde beginnt mit einem bis zu 422 Yards langen Par 4, das tatsächlich komplett ohne Bunker auskommt, aber dennoch als viertschwerste Bahn der gesamten Runde gilt. Neben der Länge der Bahn ist dafür vor allem das deutlich ondulierte Gelände im zweiten Teil sowie das erhöhte, nach rechts hängende Grün verantwortlich. Gerade vor dem Grün ist die Bahn derart onduliert, dass man sich an das Valley of Sin der 18 auf dem berühmten Old Course von St. Andrews erinnert. Kein Wunder, stammt doch auch die Vorlage dieser Bahn aus Schottland, nämlich der Bahn 14 des Links Courses von Royal Dornach, welches – wie der Old Course im Home of Golf – von Old Tom Morris (mit-)designt wurde. Das Grün ist zudem Jeffrey „Shorty“ Smith gewidmet, einem der wohl besten Golfplatz-Shaper der Neuzeit. Das folgende, nur bis zu 339 Yards kurze Par 4 bringt ein Dogleg rechts, das deutlich bergab führt. Daher reicht hier vom Tee ein mittleres Eisen oder kleines Holz. Für den Score entscheidend ist meist der zweite Schlag: das erhöhte Grün ist gerade einmal 21 Yards tief und wird vorne von drei, hinten von einem Bunker verteidigt. Der Approach muss daher nicht nur die passende Schlagweite schaffen, sondern auf dem Grün möglichst schnell zur Ruhe kommen. Bunker und ein deutlicher Höhenunterschied bergauf prägen das erste Par 3 der Back Nine über bis zu 159 Yards. Bleibt der Teeshot zu kurz, lauert ein großer frontaler Grünbunker, auch links wartet reichlich Sand auf die Golfer. Das bis zu 510 Yards lange Par 5 an der folgenden Bahn, ein sanftes Dogleg rechts, zeigt typisches Golden Age-Design: vom Tee muss man sich für eine klare Spielstrategie entscheiden. Die Bahn zieht sich um einen großen Teich rechts herum. Eine von mehreren Fairwaybunkern durchzogene Zone samt Rough trennt die beiden Fairwaybereiche. Entweder spielt man vom Tee den kürzeren Weg und platziert den Ball in einer eher knapp bemessenen Landezone zwischen Bunkern und Teich, oder man wählt den Umweg über das Fairway links der Bunkerzone. Wer sich für die Abkürzung entscheidet, spielt meist auch den Lay-up nochmals über Wasser, da der Teich nach der Drivelandezone wieder stärker in die Bahn hineinragt. Das große, erhöhte Grün ist nochmals nach links versetzt und wird von drei mächtigen Bunkern umrahmt, welche in die Anhöhe Richtung Grün integriert sind. Bahn 14 basiert auf der berühmten zweiten Bahn von Pinehurst No. 2, einer der wohl bekanntesten und schönsten Bahn aus der Feder von Donald Ross. Das bis zu 435 Yards mächtige Par 4 zieht sich in gerader Linie Richtung Grün. Hier gilt die Regel: links lauern Fairwaybunker, rechts ist fein. Das ändert sich erst mit dem Schlag ins Grün, denn dann blockiert ein mächtiger Grünbunker rechts vor dem Grün den Weg und erfordert nicht nur einen langen, sondern auch hohen Annäherungsschlag. Zudem ist das Grün deutlich onduliert – aber auch hier: eher wenig sichtbar, so dass mancher Golf vom Roll seines Balls überrascht ist. Bahn 15 ist ebenfalls eine gerade verlaufende Bahn und spielt sich als Par 4 maximal 415 Yards. Bis zum Grün hängt das Fairway sichtbar nach rechts, Fairwaybunker beiderseits erfordern Beachtung vom Tee. Da der Ball aufgrund der Topographie meist nach rechts rollt, spielt an die Annäherung meist gefühlt bergauf – und muss dabei ausgeprägte Bunkerorgie von nicht weniger als 10 Grünbunkern beachten, um den Ball auf dem von links hinten nach rechts vorne hängenden Grün zu platzieren. Das letzte Par 5 der Runde misst bis zu 568 Yards und ist im letzten Viertel ein Dogleg links. Von den erhöhten Teeboxen zielt man am besten zwischen die gut sichtbaren Fairwaybunker. Diese sind jedoch weit entfernt und kommen überwiegend beim Lay-up ins Spiel. Dann dreht die Bahn und man benötigt einen präzisen Schlag zur Fahne auf dem erhöhten und von links nach rechts hängenden Grün. Das letzte Par 3 der Runde spielt sich maximal 1854 Yards. Die Bunker liegen etwa 20 Yards vor dem Grün – und verleiten viele Golfer dazu, die Entfernung zur Fahne zu kurz zu schätzen. Gerade in den Zeiten vor GPS und Entfernungsmessern war eine solche Täuschung ein Markenzeichen von Ross, das schon so manchen großartigen Golfer zur falschen Schlägerwahl verleitet hat. Mit einem bis zu 438 Yards langen Par 4, Dogleg rechts, endet die Runde. Vom Tee geht es zunächst geradeaus, man sollte nicht zu weit nach rechts spielen, denn dort lauert im Knick der Bahn ein Teich. Da vor allem die hinteren Abschläge recht nahe an die Bäume auf der linken Seite gebaut wurden, sollte man eher weit rechts aufteen und den Ball links der gut sichtbaren gelben Markierungspfähle anhalten. Wer sich mit dem zweiten Schlag nicht traut, das Grün anzuspielen sollte nochmals über links vorlegen, Das Grün grenzt auf der rechten Seite an den Teich, links und hinten begrenzen vier in den Hang neben dem Grün integrierte Bunker die Bahn – trifft man diese, wartet ein spannender Bunkerschlag Richtung Wasser.

Der Donald Ross Memorial Course ist ein Must-Play für Golf-Puristen und Fans des Golden Age-Golfplatzdesigns. Da viele der hier zitierten Spielbahnen sich auf den exklusivsten Privatanlagen der USA befinden, stellt der Platz zudem die einmalige Gelegenheit dar, diese Bahnen auf einem öffentlich zugänglichen Platz zuspielen. Berücksichtigt man zudem, dass Golfer zur Zeit des ursprünglichen Wirkens von Ross mit Hickory-Schlägern gespielt haben und es noch keine GPS-Geräte oder Entfernungsmesser gab, sorgt der Platz auch dafür, dass man die Leistungen früherer Profis wie Bobby Jones oder Walter Hagen mit noch mehr Respekt betrachtet.