Der Golfclub zu Gut Ludwigsberg

Bild von Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

Bodenständig, grün und unprätentiös

Im schwäbischen Türkheim zeigt der Golfclub zu Gut Ludwigsberg eindrucksvoll, wie sportlicher Anspruch und eine entspannte, nahbare Clubkultur harmonieren. Anfang der 1990er-Jahre von dem renommierten Platzarchitekten Kurt Rossknecht gestaltet, zeichnet sich die Anlage seit ihrer Gründung durch ein klassisches Betreibermodell aus. Geprägt von sanften Höhenunterschieden, weitläufigen Fairways und einem beeindruckenden alten Baumbestand bietet das Areal auf knapp 600 Metern über Meereshöhe eine reizvolle Herausforderung für Golfer aller Spielstärken. Ein zentrales Anliegen der Clubführung ist es, dem elitär angehauchten Image des Golfsports bewusst etwas Bodenständiges entgegenzusetzen. Frei nach dem Motto „the normal one“ versteht sich die schwäbische Anlage als ein offener, nahbarer und rundum gastfreundlicher Ort für alle Sportbegeisterten. Prominente Unterstützung erfährt diese Haltung durch die mehrfache Weltmeisterin und Olympia-Medaillengewinnerin Susi Erdmann, die sich als Ehrenmitglied und Botschafterin für den Club engagiert. Mit ihrer herzlichen Atmosphäre und der hervorragenden Platzpflege empfiehlt sich die Anlage in Türkheim als ideale Adresse für entspannte Runden im Grünen. Der Par 72-Platz bietet auf seinen 18 Spielbahnen jeweils drei Teeboxen pro Bahn, die Gesamtlänge beträgt zwischen 5.253 und 6.078 Metern.

 

Die Runde beginnt mit einem geraden, maximal 302 Meter kurzen Par 4, das zunächst leicht bergab verläuft, dann aber wieder etwas ansteigt. Vom Tee reicht meist das kleine Holz, denn rund 80 Meter vor dem Grün quer ein Wasserlauf die Bahn. Fairwaybunker sind nicht vorhanden, dafür wird das etwas erhöhte und schön ondulierte Grün von gleich drei Bunkern umgeben. Bahn 2 bringt ein bis zu 184 Meter langes Par 3. Drawspieler sollten auf den Baum rechts achten, ansonsten kommt es hier auf eine gelungene Kombination aus Richtung und Länge an – denn zwei Bunker verengen vor dem Grün die Landezone, das Grün hängt deutlich sichtbar von hinten nach vorne. Dann folgt bereits die schwerste Bahn der gesamten Runde, obwohl das Par 4 lediglich 328 Meter über die Maximaldistanz misst. Die Tücke liegt in der Kombination aus Dogleg rechts samt Ausgrenze rechts, einem Wassergraben vor dem Grün und einem leicht nach links versetzten, etwas erhöhten Grün. Vom Tee aus reicht oft das kleine Holz, denn bereits nach gut 180 Metern setzt der Knick ein. Man sollte aber den Ball eher an den hinteren Rand des Fairways spielen, sonst kann der große Baum rechts vor dem Grün den Weg blockieren. Die Fairwaybunker in diesem Bereich links sind allerdings meist erst auf den zweiten Blick zu erkennen, da die Bahn vom Tee geringfügig ansteigt. Nach dem Knick wird ein hohes Wedge zum Grün benötigt, denn nun muss breite Wassergraben Richtung Fahne überspielt werden – und je nach Fahnenposition auch der mittige Grünbunker vorne. Dann folgt ein weiteres, sogar nur maximal 276 Meter langes Par 4 als Dogleg rechts, erneut ist rechts Aus. Vor dem Knick kommt von links ein Bachlauf ins Spiel, der sich nach dem Knick auf der rechten Bahnseite bis zum Grün zieht. Bäume beiderseits der Spielbahn sorgen dafür, dass der Teeshot – auch hier reicht ein kleines Holz – durch eine schmale Schneise gespielt werden muss. Auf dem Weg Richtung Fahne sollten Golfer nicht vergessen, die Glocke rechts zu läuten, damit nachfolgende Spieler wissen, dass die Drivelandezone nun frei ist. Sofern der Approach nicht einen der Grünbunker trifft, bietet diese Bahn eine sehr gute Chance auf Par oder besser. Dann folgt das erste Par 5 mit bis zu 511 Metern. Man beginnt nahezu mit einem blinden Teeshot,  da das Gelände zunächst ein wenig ansteigt, bevor es Richtung Fahne dann bergab geht. Am besten hält man sich vom Tee rechts, da im zweiten Teil links Wasser ins Spiel kommt und das Grün nach links versetzt ist. So hat man über die rechte Seite den besseren Winkel zur Fahne. Wer eine hohe Annäherung spielt, sollte zudem auf die Stromleitungen vor dem Grün achten. Ansonsten sollte man insbesondere die Grünbunker mit ihren erhöhten Vorderkanten meiden, zudem hängt das Grün von links nach rechts. Bahn 6 bringt wieder ein Par 4, nun mit maximal 345 Metern. Am besten hält man sich vom Tee etwas links, denn das Grün ist etwas nach rechts versetzt und wird zudem auf der rechten Seite durch einen Teich begrenzt. Da die Bahn zudem im zweiten Teil sanft bergab verläuft, sollte man die Annäherung nicht zu aggressiv spielen – und natürlich auf das Wasserhindernis rechts vor und neben dem Grün achten. Weiter geht es mit dem zweiten Par 3 der Runde, das sich über maximal 151 Meter zieht, aber leicht bergauf verläuft. Daher sollte man, sofern die Schlagweite zwischen zwei Schlägern liegt, eher zum längeren Schläger greifen. Wichtig ist zudem, das quer liegende Grün hoch anzuspielen, denn einerseits wird fast die gesamte Vorderseite durch Bunker geschützt, zum anderen ist es wichtig, dass der Ball schnell zur Ruhe kommt. Das Grün führt zudem von rechts leicht bergab durch eine Senke, steigt aber auf der linken Grünseite wieder etwas an. Zum Abschluss der Front Nine folgt ein weiteres Par 5, das mit maximal 477 Metern jedoch keine übermäßigen Schlaglängen erfordert. Im vorderen Bereich der Drivelandezone lauern beiderseits Fairwaybunker, danach schwenkt die Bahn etwas nach links. Der Approach wird zwischen hohen, gut sichtbaren Bäumen am Fairwayrand gespielt, das Grün wird erneut vorne rechts durch zwei Bunker geschützt und hängt von links nach rechts.

Bevor man mit dem bis zu 396 Meter mächtigen Par 4 Dogleg rechts den zweiten Teil der Runde beginnt, kann man sich wunderbar auf der Bank hinter den Teeboxen ein wenig ausruhen. Gestiftet wurde diese von Ehrenmitglied Susi Erdmann. Da die Bahn leicht bergab verläuft, spielt sie sich etwas kürzer als angegeben. Vom Tee sollte man den Ball mittig bis links spielen, so hat man einen guten Winkel zum Grün. Wer zu weit nach rechts anhält, läuft Gefahr, den im Knick platzierten Fairwaybunker rechts zu erwischen. Auch kurz vor dem Grün ist rechts nochmals ein Bunker, zudem hängt das Grün von rechts nach links und wird links hinter der Fahne durch eine dichte Roughzone begrenzt. An dieser Bahn warten die Herausforderungen definitiv im zweiten Teil. Dann folgt zum Ausgleich die leichteste Bahn, ein nur maximal 127 Meter kurzes Par 3. Rechts vor dem Grün lauert ein kleiner Teich mit herrlichem Bewuchs – er ist zwar schön anzusehen, lockt aber auch viele Bälle an. Daher wählen viele Golfer die linke Grünseite, dort lauern jedoch zwei Bunker. Das bis zu 403 Meter mächtige Par 4 an der folgenden Bahn verläuft weitgehend eben, der minimale Höhenunterschied Richtung Grün wirkt sich kaum auf die Schläge aus. Vom Tee verläuft die Bahn als leichtes Dogleg links, wer jedoch zu weit nach links vom Tee spielt, macht schnell Bekanntschaft mit den dortigen hohen Bäumen oder den Fairwaybunkern. Es ist daher besser, den Ball rechts der hohen Bäume auf der linken Bahnseite zu halten. Das von zwei Bunkern eingerahmte Grün hängt von rechts hinten nach links vorne – man sollte zudem nicht darüber hinaus spielen, sonst landet der Ball schnell im zwar schön anzusehenden, aber schwierig zu spielenden Rough aus Nadelgehölz und anderem Bewuchs. Anschließend steht das erste Par 5 der Back Nine an. Über bis zu 475 Meter geht es bei diesem leichten Dogleg rechts Richtung Fahne, über die gesamte Bahnlänge droht rechts das Aus. Da das Gelände zunächst etwas ansteigt, erkennt man auch die zweite Herausforderung nicht direkt vom Tee: Im Bereich der Drivelandezone quert ein Graben die Spielbahn. Nach diesem fällt das Gelände erst etwas ab und wird dann eben, zudem dreht die Bahn nach rechts. Vor dem Grün gilt es, den Hügel rechts vor dem Grün samt Bunker und die beiden Grünbunker mittig und links zu beachten. Bahn 14, ein bis zu 413 Meter langes Par 4 als Dogleg links, führt zudem bergauf und gilt zurecht als zweitschwerste Bahn der Runde. Trifft man auch noch auf Gegenwind, wird diese Bahn schnell zum gefühlten Par 5. Vom Tee sollte man nicht zu weit nach rechts anhalten, denn neben der Bahn verläuft die Ausgrenze. Am besten hält man sich rechts des gut sichtbaren Fairwaybunkers auf der linken Seite. Das von links hinten nach rechts vorne hängende Grün hat zwar nur einen kleinen Bunker links, ist aber dennoch nicht leicht anzuspielen, da die Ausgrenze rechts immer näher kommt. Das letzte Par 3 der runde ist mit maximal 178 Metern ebenfalls keine Kurzbahn – und erfordert einen exakten Abschlag. Das Grün hängt von links nach rechts, auf dieser Seite lauert dann auch vor dem Grün Wasser. Zudem rahmen insgesamt drei Bunker das Grün ein, ins Spiel kommen meist die Bunker links des Grüns, wenn man aus Respekt vor dem Wasser rechts zu weit nach links anhält. Kommt der Ball links der Fahne zur Ruhe, sollte man beim Putten das deutlich sichtbare Gefälle nach rechts Richtung Teich beachten. Weiter geht es mit einem bis zu 343 Meter langen Par 4. Vom Tee geht es zunächst durch seine schmale Lücke zwischen hohen Bäumen geradeaus, unterhalb der Bäume verläuft ein Wassergraben. Ab der Drivelandezone kommt rechts zudem erneut Aus ins Spiel, die Bahn dreht dann ein wenig nach links, das Gelände steigt dezent an. Kommt der Ball hier zu weit links zur Ruhe, kann der mächtige Baum links vor dem Grün den Weg zur Fahne erschweren. Auch der kleine Grünbunker vorne in der Mitte lockt ungeahnt viele Bälle an. Das Grün erfordert durch seine deutliche Ondulierung ebenfalls Beachtung. Das letzte Par 5 ist zugleich die längste Bahn der Runde: bis zu 512 Meter geht es vom Tee bis zur Fahne. Die Bahn verläuft parallel zur fünften Bahn und somit bergauf. Vom Tee muss zudem Wasser überwunden werden, rechts kommt die Ausgrenze bedrohlich nahe, links blockieren jedoch mächtige Bäume den Weg für einen normal hohen zweiten Schlag – selten war ‚Mitte Bahn‘ vom Tee so wichtig, sofern man kein Fan des Stinger für den zweiten Schlag ist. Im zweiten Teil dreht die Spielrichtung etwas nach links, die Ausgrenze kommt Richtung Grün immer näher. Hier sollte man sich nicht von der Weite des Geländes auf der rechten Seite täuschen lassen: die Ausgrenze ist oft näher, als man denkt. Das Grün wird vorne sowie links und rechts durch Bunker begrenzt, so dass man einen hohen Approach spielen sollte. Der letzte Abschlag – es wartet ein kurzes Par 4 mit bis zu 310 Metern Länge – hat ein wenig ‚Augusta-Feeling‘: von den Teeboxen geht es durch beiderseitige Wald Richtung Fairway, im Bereich der Drivelandezone hat jedoch schon eine sanfte Richtungsänderung nach rechts eingesetzt. Wer hier zu gerade spielt, landet letztlich oft im Fairwaybunker links. Auch der zweite Teil ist herausfordernd, denn nun wartet ein Inselgrün. Liegt der Teeshot zu weit rechts, können die Bäume mit ihren tief hängenden Ästen den erforderlichen hohen Approch blockieren. Und natürlich übt auch der breite Wassergraben rund um das Grün eine ungeahnte Anziehungskraft auf die Bälle aus. Dafür gibt es jedoch keine Grünbunker, allerdings hängt das Grün von der Mitte hinten ein wenig zu beiden Seiten nach vorne – auch das Putten erfordert daher bis zum Schluss volle Konzentration.

Der Golfclub zu Gut Ludwigsberg in Türkheim wird seinem Anspruch, ein ‚normaler‘ Golfclub zu sein und bewusst dem immer noch teils elitären Image des Golfsports entgegenzuwirken, in jedem Fall gerecht. Hier gibt es ein aktives, positives Miteinander – das merkt man spätestens, wenn man an einer Bahn auf andere Golfer trifft und sich sofort ein Small Talk entwickelt, der sich nicht um Handicap oder Score dreht. Rezeption und Pro-Shop nutzen einen gemeinsamen Counter, auch der Pro-Shop ist gut sortiert und lohnt einen Besuch. Nach der Runde sollte man in jedem Fall noch die Club Lounge, das Clubrestaurant, genießen – inklusive Blick Richtung 18. Grün von der Terrasse. Da schmeckt die isotonische Getreidekaltschale, auch Bier genannt, gleich doppelt so gut!