Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Der Grundstein für die Anlage wurde am 7. Februar 1929 mit der Gründung des Golfclubs Garmisch-Partenkirchen gelegt. Für die Gestaltung des Parcours im ehemaligen Park des Gutes Schwaigwang zeichnete Dr. Bernhard von Limburger verantwortlich – eine Koryphäe seines Fachs, selbst erfolgreicher Golfer und zudem anerkannter Golfautor, der sich stets weigerte, Anglizismen zu verwenden und so auch Begriffe wie das Dogleg konsequent mit ‚Hundebein‘ übersetzte, der Drive war bei ihm stets der ‚Treibschlag‘. Nach gut einjähriger Bauzeit konnte die neue 9-Loch-Anlage 1930 eröffnet werden und der Golfclub Garmisch-Partenkirchen fand hier seine Heimat. In den Folgejahren blühten Platz und Club unterhalb der imposanten Burgruine Werdenfels auf: Die Mitgliederzahlen stiegen stetig an, und auch bei auswärtigen Golfenthusiasten erfreute sich das Areal wachsender Beliebtheit. Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte tiefgreifende Veränderungen mit sich. Die US-amerikanischen Streitkräfte übernahmen das Gelände, sodass dem Club erst später wieder ein Mitbenutzungsrecht eingeräumt wurde. Dennoch wuchs die Zahl der Golfspieler so stark an, dass die Anlage trotz verhängter Mitgliederlimits bald aus allen Nähten platzte. Der Golfclub Garmisch-Partenkirchen entschloss sich schließlich, eine neue Heimat im nahegelegenen Oberau zu suchen. Doch nicht alle Mitglieder wollten diesem Umzug folgen. Eine Mitgliedergruppe entschied sich zum Verbleib am historischen Standort und gründete am 10. April 1973 den Land- und Golfclub Werdenfels e.V.. Seit dem 1. Juli 2014 befindet sich der Golfplatz wieder vollständig in deutschen Händen und wird eigenständig vom Club betrieben. Heute zählt das Areal zu den zehn ältesten Golfanlagen Deutschlands und stellt das viertälteste Golfgelände Bayerns dar. Direkt vor den Toren von Garmisch-Partenkirchen gelegen, besticht die Anlage durch ihren alten, hohen Baumbestand und spektakuläre Ausblicke auf das Wettersteinmassiv mit der Alpspitze sowie der Zugspitze. Auch sportlich hat der 9-Loch-Platz am Fuße der Alpen seinen ganz eigenen Charakter bewahrt: Die vergleichsweise engen Fairways und die feinen, kleinen Grüns verlangen Golfern ein hohes Maß an Spielraffinesse ab und versprechen ein unverwechselbares Natur- und Sporterlebnis.
Bis heute hat die Anlage nichts von ihrem ursprünglichen Charme verloren, es geht sehr familiär zu. Davon zeugt beispielsweise der Kühlschrank vor dem ersten Abschlag mit einer Kasse des Vertrauens – und Getränkepreisen, die sich auf Selbstkostenniveau bewegen. Auch das Miteinander auf der Runde ist sehr angenehm: man begrüßt sich, man wechselt ein paar freundliche Worte und freut sich gemeinsam, einen Platz mit unvergleichlichen Blicken auf die bayerische Alpenwelt zu genießen. Die 9-Loch-Anlage kommt mit zwei Teeboxen pro Bahn, gelb und rot, aus. Die Gesamtlänge beträgt 2.909 Meter von gelb für 9 Bahnen, von rot sind es 2.635 Meter. Wer 18 Bahnen spielen möchte, kommt auf 5.871 beziehungsweise 5.332 Meter – zu den Gründen dafür, dass es nicht einfach die doppelte Länge der 9-Loch-Runde ist, später mehr. Dass sprachlich nicht mehr ganz die engen Maßstäbe von Limburgers gelten, merkt man direkt am ersten Abschlag: „Risk and Hope“ heißt die Bahn – bei von Limburger wäre das noch „Risiko und Hoffnung“ gewesen. Das bis zu 346 Meter lange Par 4 verläuft als leichtes Dogleg rechts eben durch dichten Baumbestand. Schon vom Tee fällt auf: hier ist nicht nur das enge, wie eine Allee anmutete Fairway eine Herausforderung, auch die zahlreichen Bodenwellen können schnell dafür sorgen, dass der Teeshot nach der Landung noch eine unerwartete Richtungsänderung bekommt. Am besten hält man sich zunächst leicht links und nutzt so den besseren Winkel Richtung Grün. Dieses wird von mehreren Bunkern eingerahmt – wenn der Approach im Bunker landet, weiss man, warum die Bahn ihren Namen erhielt. Sehr gut gefallen hat uns die Qualität der Grüns: mitten im Hochsommer waren sie saftig grün, sehr spurtreu und auch ausreichend schnell. Das bis zu 162 Meter lange Par 3 an der folgenden Bahn überwältigt Erstspieler mit dem Hintergrund, zeigt sich doch gerade bei schönem Wetter das Zugspitzmassiv in seiner ganzen Pracht. Der gelbe Abschlag ist leicht erhöht, von dort erkennt man auch den Bunker links vor dem Grün, ein weiterer Bunker lauert rechts hinter der Fahne. Man sollte das leicht nach vorne geneigte Grün nicht überspielen, denn dahinter wartet dichter Baum- und Buschbestand. Bahn 3 bringt die schwierigste Bahn der gesamten Runde mit einem bis zu 497 Meter langen Par 5. Für den Teeshot muss man zunächst über einen Ziehweg, der herrlich entlang der Leutasch mit kleinen Stromschnellen gelegen ist, zum Abschlag laufen – der Platz nutzt die verfügbare Fläche vollständig aus. Vom Tee wirkt der Bahnverlauf leicht S-förmig: zunächst dreht die Richtung ganz leicht nach links, das Grün ist jedoch wieder nach rechts versetzt. Dieser Eindruck entsteht zum einen durch den dichten Wald links, der zur Drivelandezone hin mehr in das Fairway hinein rückt. Zum anderen verengen auch rechts zwei hohe Solitärbäume das Fairway, so dass vom Tee vor allem ein gerader Abschlag gefragt ist. Auch der Lay-up wird am besten mittig gespielt, denn links lauert weiterhin dichter Wald, rechts steigt das Fairway zu kleinen Hügeln inklusive eines Fairwaybunkers hin an. Zudem lauert rechts vor dem Grün ein Bunker, der von rechts mit einem hohen Pitch überspielt werden muss. Wer deshalb zu weit nach links zielt, entdeckt oftmals, dass auch dort neben dem Grün Sand lauert. Bahn 4 zählt zu den insgesamt zwei Bahnen, für die es unterschiedliche Abschläge für eine 18-Loch-Runde gibt. Auf den Front Nine spielt sich die Bahn als Par 3 mit bis zu 174 Metern, beim zweiten Durchgang wird daraus ein Par 4 Dogleg links mit maximal 273 Metern. Aufgrund des Designs fanden wir die Variante als Par 4 etwas spannender. Hier kommt es darauf an, den Ball über die rechte Seite ins Spiel zu bringen, am besten zielt man zwischen den Fairwaybunker rechts und die Bäume auf der linken Seite. Bleibt der Teeshot zu kurz, blockieren die Bäume links den Weg zum Grün. Dennoch: da die Bahn nicht besonders lang ist, reicht hier ein mittleres Eisen oder kleines Holz vom Tee. Gelingt der Abschlag, sollte der Ball vor dem Abschlagbereich der Par 3-Version dieser Bahn liegen. Beim Schlag zur Fahne ist Präzision gefragt. Das Fairway ist deutlich gewellt, zudem wird das Grün von zwei Bunkern eingerahmt. Um zur nächsten Bahn zu gelangen, muss man ein Stück zurückgehen. Hinter dem Abschlag der siebten Bahn überquert man die Straße und gelangt zu den Bahnen 5 und 6. Dieses verlaufen nahezu parallel nebeneinander und sind daher auch fast gleich lang. Bahn 5 bringt ein bis zu 334 Meter langes Par 4. Rechts neben der Bahn befindet sich die Driving Range, so dass diese Seite gleichzeitig Ausgrenze ist. Wer einen hohen Ball spielt, sollte auf die Stromleitungen im zweiten Teil der Bahn achten. Vom Tee kommt es darauf an, den Ball sicher auf dem Fairway zu platzieren. Das leicht erhöhte und etwas nach rechts versetzte Grün wird vorne links durch einen Bunker geschützt, bietet ansonsten aber wenig Schwierigkeiten. Dann geht es mit einem bis zu 324 Meter langen Par 4 in der Gegenrichtung wieder zurück. Der Abschlag erfolgt von erhöht gelegenen Teeboxen, der kleine Teich rechts vor den Abschlägen hat jedoch eher psychologische Bedeutung. Die Bahn bietet ein für von Limburger ungewöhnlich breites Fairway. Da das Grün leicht nach links versetzt ist, versuchen viele Golfer, ihren Teeshot ebenfalls links anzuhalten und so den kürzesten Weg zur Fahne zu nehmen. Links lauern jedoch zahlreiche Bäume, so dass man ruhig den Teeshot eher rechts anhalten kann, zumal man aufgrund der Länge ohnehin vom Tee keinen Driver benötigt. Das Grün ist erneut leicht erhöht und hängt von rechts hinten nach links vorne, zudem wird es von mehreren Bunkern umrahmt. Daher sollte man die Annäherung hier hoch spielen. Dann geht es über die Straße zurück zur siebten Bahn, einem bis zu 157 Meter langen Par 3, das zwischen viertem Fairway und Straße eingebettet ist. Vor allem vom gelben Abschlag fühlt sich die Bahn daher fast ein wenig wie ein Dogleg an, da das Grün leicht nach links versetzt ist. Allerdings trennen links hohe Bäume die Spielbahnen 4 und 7 voneinander, weshalb man idealerweise einen Draw spielen sollte. Wer vom Tee zu weit nach rechts anhält, macht wahlweise Bekanntschaft mit der Ausgrenze, seitlichem Wasser, dichtem Rough – oder einem Bunker rechts des Grüns. Doch auch ein zu starker Draw kann im Sand landen, da auch links des erhöhten und nach allen Seiten abfallenden Grüns ein Bunker lauert. Dann folgt die zweite Bahn, die für Front und Back Nine unterschiedlich ausgelegt ist. Auf der ersten Runde ist die Bahn als Par 5 über maximal 454 Meter ausgelegt, spielt man die Bahnen zwei Mal hintereinander, wird die Bahn zum Par 4 mit maximal 408 Metern. In der Version als Par 5 sollte man vor dem Abschlag darauf achten, dass sich keine Autos auf der Straße Richtung Clubhaus befinden. Zudem bezaubert erneut das Bergpanorama, denn diese Bahn ist optisch vielleicht die reizvollste der gesamten Runde. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass sich das Fairway in sanften Wellen Richtung Grün zieht. Auch der kleine Bachlauf rechts neben dem Rough bleibt meist unentdeckt. Der Fairwaybunker rechts ist so weit nach außen versetzt, dass er vom Tee nicht ins Spiel kommen sollte. Anders der Lay-up: hier kommt das Wasser von rechts in einem Bogen ins Fairway, bevor es wieder auf die rechte Seite zurückkehrt, mittig platzierte Fairwaybunker sowie sowie eine Pflanzinsel mit Büschen blockieren die Sichtachse. Man sollte sich daher beim Lay-up entscheiden, ob man diesen Bereich überspielt oder den Ball links an diesem Hindernis vorbei spielen möchte. Das Grün liegt in einer kleinen Baumschneise, so dass hier vor allem Präzision gefragt ist. Zudem lauert ein langgezogener Bunker auf der rechten Seite. Zum Abschluss wartet ein weiteres Par 5, dieses Mal über bis zu 461 Meter und als Dogleg links, das die Golfer zurück Richtung Clubhaus bringt. Vom Tee sollte man entweder die rechte Bahnseite anspielen, wer seinen Ball weiter als 230 Meter vom Tee spielt (von gelb gemessen, von rot liegt die Grenze bei rund 205 Metern), benötigt einen Draw. Die Fairwaybunker links und Mitte Bahn kommen nur bei absoluten Longhittern vom Tee ins Spiel. Den Lay-up sollte man unbedingt über die rechte Seite spielen, denn links zieht sich bis zum Grün dichter Wald, der schnell den Weg zur Fahne blockieren kann. Beim Approach meidet man von rechts zudem den mit hoher Kante versehenen Bunker links vor dem Grün – und hat freie Sicht auf das Grün, das dahinter liegende Clubhaus und die Ruinen von Burg Werdenfels.
Nach der Runde sollte man unbedingt das Restaurant Steakhouse Woods besuchen. Von der Terrasse hat man nicht nur eine grandiose Aussicht, sondern gerade die Steaks (aber auch die übrigen Speisen) stehen der Aussicht nicht nach und überzeugen mit ausgezeichneter Qualität und einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis, auch der Service war ausgezeichnet. Das gilt auch für das Clubhaus und Sekretariat, der Land- und Golfclub Werdenfels ist eine ebenso schöne wie wunderbar gastfreundliche, aber gleichzeitig sehr entspannte Anlage. Hier sollte man unbedingt mehrmals spielen und die wunderbare Kombination aus Tradition und zeitgemäßem Spiel genießen.










































