Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Inmitten der bewaldeten Berglandschaft Nord-Michigans gelegen, zählt The Alpine im Resort Boyne Mountain (Boyne Falls) zu den ikonischsten Bergplätzen Nordamerikas. Entworfen von dem US-amerikanischen Golfarchitekten Bill Newcomb und im Jahr 1972 offiziell eröffnet, begeistert der Par-72-Meisterschaftskurs seit über fünf Jahrzehnten durch seine spektakuläre Kulisse und ein unverwechselbares Platzdesign. Der Platz, dessen erste Teebox sich nur wenige Meter von der berühmten Skybridge Michigan entfernt befindet, bietet eine faszinierende Verbindung aus alpiner Dramaturgie und flüssiger Spielbarkeit. Bereits der Weg zum ersten Abschlag stellt ein Erlebnis für sich dar: Eine etwa eine Meile lange Fahrt mit dem Golfcart führt die Spieler hinauf zum Gipfel des Boyne Mountain, wo sich ein atemberaubender Panoramablick auf den nahegelegenen Deer Lake und die scheinbar unendlichen Wälder eröffnet. Von diesem höchsten Punkt aus führt das Routing des Platzes stetig bergab in Richtung des Tals. Trotz der deutlichen Höhenunterschiede verzichtet Newcomb auf künstliche Härten. Der Platz präsentiert sich als weitläufige Parkland-Anlage mit großzügigen, fehlerverzeihenden Fairways und einladenden Grünkomplexen, die auch bei Fehlschlägen faire Korrekturmöglichkeiten bieten. Dennoch sorgen klug platzierte Bunkersysteme, sanfte Wellungen in den Bentgrass-Grüns und das Wasserhindernis des Deer Lake für eine abwechslungsreiche taktische Herausforderung.
Um Golfern unterschiedlicher Spielstärke ein maßgeschneidertes Spielerlebnis zu ermöglichen, stehen insgesamt sechs Teeboxen zur Auswahl. In seiner minimalen Distanz misst der Platz von den vorderen Silver-Tees sehr zugängliche 5.047 Yards, wodurch auch Einsteiger und Genussgolfer ohne übermäßigen Längendruck agieren können. Wer sich hingegen an die hintersten Brown-Tees wagt, sieht sich mit einer maximalen Gesamtlänge von 7.055 Yards konfrontiert. Durch die stetige Hangneigung bergab spielen sich viele Löcher zwar etwas kürzer als ihre reine Zahl vermuten lässt, verlangen dafür aber präzise Längenkontrolle und ein starkes Kurzspiel. Eine Besonderheit des Platzes: zwar startet man rund eine Meile vom Clubhaus entfernt, die Runde endet jedoch tiefer gelegen in unmittelbarer Nähe des Clubhauses.
Schon die Auftaktbahn ist spektakulär: von den Teeboxen geht es mit einem über zu 410 Yards langen Par 4 deutlich bergab. Während sich die Bahn als Dogleg links spielt, hängt das Fairway gut sichtbar deutlich nach rechts. Man sollte daher nicht zu weit nach rechts spielen, am besten zielt man rechts des gut sichtbaren Fairwaybunkers links. Richtung Fahne steigt das Gelände dann wieder sanft an, das nach vorne hängende Grün wird von hohen Bäumen eingerahmt. Aufmerksamkeit erfordert vor allem der mächtige Grünbunker vorne rechts – kein Zweifel: nach dieser Auftaktbahn hat der Platz die volle Aufmerksamkeit der Golfer! An der nächsten Bahn, einem maximal 374 Yards langen Par 4, kommt erstmals Wasser ins Spiel. Vom Tee geht es zunächst geradeaus los, ein Hang rechts lässt dort platzierte Bälle gerne wieder Richtung Fairwaymitte zurückrollen – bei feuchtem Gras bleibt er jedoch gerne am Hang liegen, ein Stand unterhalb des Balls ist die Folge. Das flache und wenig ondulierte Grün wird durch einen großen Teich vom Rest der Bahn getrennt, so dass hier ein hoher Annäherungsschlag zwingend erforderlich ist. Da sich der Teich auch rechts des Grüns fortsetzt, sollte man diesen am besten Mitte Grün spielen. Weiter geht es mit dem ersten Par 3 über bis zu 178 Yards. Die leicht bergauf zu spielende Bahn bringt zwar kein Wasser, dafür aber insgesamt fünf strategisch hervorragend vor und neben dem Grün platzierte Bunker. Zudem hängt das Grün nach vorne und etwas nach rechts. Dann folgt ein bis zu 408 Yards langes Par 4, das deutlich bergab führt und sich entsprechend kürzer spielt. In der Drivelandezone lauern beiderseits Fairwaybunker – ob man die linke oder rechte Bahnseite anspielt, sollte man von der Fahnenposition abhängig machen. Das sehr breite, quer angelegte Grün wird vorne und hinten durch je zwei Bunker verteidigt und durchläuft auf der rechten Seite eine kleine Senke. Besonders knifflig sind Fahnenpositionen am Rand, dann können die hohen Bäume am Rande der Bahn ins Spiel kommen. Bahn 5 bringt das erste Par 5 mit maximal 505 Yards (offensichtlich mag der Architekt die Zahl 5…). Wer nun ein kurzes Par 5 erwartet, sollte einen Blick auf die Topographie werfen: vom Tee bis zum Grün geht es stetig bergauf, man darf hier sicherlich mindestens 10% gefühlte Länge hinzuaddieren. Dafür verläuft die Bahn gerade Richtung Fahne, so dass man schon am Abschlag erkennt, dass Bunker ausschließlich links lauern. Teeshot und ein möglicher Lay-up sollten daher mittig oder leicht rechts angehalten werden. Beim Schlag zur Fahne gilt es jedoch, den großen Bunker rechts vor dem Grün zu beachten, ein weiterer Grünbunker lauert auf der linken Seite. Höhenunterschiede prägen auch die nächste Bahn, ein bis zu 447 Yards mächtiges Par 4 als Dogleg links. Zwar geht es zunächst leicht bergab, doch vor dem Knick steigt das Gelände wieder an und liegt etwas oberhalb der Abschläge. Links kommen zudem zahlreiche Bunker ins Spiel. Zwar ist das Fairway verhältnismäßig breit ausgelegt, hohe Bäume beiderseits erfordern dennoch einen passgenauen Drive in den Knick, wenn man das Grün mit dem zweiten Schlag erreichen möchte. Richtung Fahne durchläuft die Bahn nochmals eine Senke, zudem ragen die Bäume auf der rechten Grünseite bis dicht an die Spielbahn heran, zwei Bunker vor dem Grün sorgen auf dieser Seite für zusätzliche Spannung. Das Grün selbst ist zudem mit einigen Breaks versehen, die das Putten zur Herausforderung werden lassen. Dann folgt das zweite Par 3 über maximal 178 Yards. Die Hanglage bergab erfordert eine sorgfältige Schlägerwahl vom Tee, denn vorne lauern zwei Bunker, der Bereich hinter dem Grün ist wie ein halbes Punch Bowl-Grün gestaltet und beherbergt ebenfalls einen Bunker. Das zweite Par 5 der Runde spielt sich über bis zu 574 Yards. Links und rechts des Fairways wird die Bahn von kleinen Hügeln begrenzt. Während die Drivelandezone noch recht großzügig ausgelegt ist, wird die leicht abfallende Bahn im weiteren Verlauf immer enger, bevor die Spielrichtung leicht nach links dreht. Wichtig ist, den Lay-up weit genug nach unten zu spielen, sonst können die Bäume links des Grüns den Weg zur Fahne blockieren. Zum Grün führt der Weg dann wieder leicht bergauf, mehrere Bunker vor dem Grün lauern auf zu kurz gespielte Annäherungen. Der erste Teil der Runde endet mit einem bis zu 417 Yards langen Par 4. Da das Grün leicht nach links versetzt ist und das Gelände vom Tee zunächst leicht ansteigt, kann man die Fahne meist nicht vom Tee erkennen. Man sollte sich, auch aufgrund des kleinen Hügels links, vom Tee eher etwas rechts halten. Oft steht man für den zweiten Schlag über dem Ball, denn der Hügel sorgt dafür, dass das Fairway zu Beginn des zweiten Bahnabschnitts nach rechts hängt. Das Grün, das gegen die bisherige Richtung von rechts nach links hängt, wird zudem vorne rechts und hinten von insgesamt vier Bunkern umrahmt – hier sollte man die Konzentration unbedingt behalten, bis der Ball sicher auf dem Grün liegt, und dann stellt auch das Putten hohe Anforderungen an das richtige Lesen der Puttlinie. Die Front Nine sind eben erst vorbei, wenn der Ball in den Pinbecher fällt…
























Der zweite Teil der Runde startet mit einem bis zu 407 Yards langen Par 4, das zunächst bergauf verläuft und einen blinden Teeshot erfordert. Man sollte jedoch nicht zu weit nach rechts anhalten, denn dort wird das Fairway im Verlauf der Bahn zwar breiter, allerdings lauern dort Fairwaybunker und der Schlag zum Grün wird umso herausfordernder, je weiter rechts der Ball zum Liegen kommt. Im zweiten Teil geht es dann wieder bergab, das deutlich von rechts nach links hängende Grün wird links von mehreren Bunker begrenzt – ein spannender Auftakt nach einem rustikalen Halfway. Auch das folgende Par 3 über maximal 178 Yards sollte man nicht unterschätzen. Da das Grün nach vorne hängt, sollte man den Teeshot möglichst unterhalb der Fahne platzieren. Gleich, von welcher Teebox man abschlägt: je weiter links man seinen Ball aufteet, umso mehr kommen die mächtigen Bäume links vor und neben dem Grün ins Spiel. Eine Senke zwischen Tee und Grün sowie drei Bunker vor dem Grün erfordern einen präzisen, hohen Abschlag – und ausgezeichnetes Putten aufgrund des deutlich geneigten Grüns. Das erste Par 5 der Back Nine spielt sich über bis zu 517 Yards. Vom Tee des 90-Grad-Doglegs links kann man einen herrlichen Ausblick auf die Region inklusive der gegenüber liegenden Skihügel werfen. Dann ist volle Konzentration auf den Abschlag gefordert, den man nicht zu weit nach rechts spielen sollte, denn dort lauern gleich mehrere Fairwaybunker – hier sind Drawspieler klar im Vorteil. Bei Lay-up sollten Spieler vor allem auf den kleinen Teich rund 110 Yards vor dem Grün achten. Gemeinsam mit den hohen Bäumen links lässt dieser nur eine schmale Gasse Richtung Grün, so dass man den Lay-up am besten vor dem Teich oder hinter diesem platziert. Richtung Fahne geht es dann nochmals deutlich bergauf, mehrere Bunker sind strategisch geschickt rund um das Grün platziert. Wie schon auf den Front Nine, so ist auch auf den Back Nine ein Par 4 die schwierigste Bahn der Teilrunde. Im ersten Abschnitt war es Bahn 4, nun ist es erneut die vierte Bahn, folglich Bahn 13. Die bis zu 428 Yards lange, gerade verlaufende Bahn beginnt mit einem Teeshot über einen Teich auf ein deutlich unterhalb gelegenes Fairway. Die Herausforderung: landet der Abschlag zu weit links, blockieren dort hohe Bäume den direkten Weg zur Fahne, daher sollte man sich eher rechts halten. Richtung Grün steigt die Bahn dann wieder deutlich an, so dass man in jedem Fall eine Schlägerlänge mehr für den Approach einplanen sollte – bleibt der Ball zu kurz, lauern zwei Bunker vor dem Grün. Die folgende Bahn ist mit bis zu 411 Yards nur unwesentlich kürzer, aber als Dogleg rechts ausgelegt. Je weiter hinten der gewählte Abschlag liegt, um enger wirkt optisch die Bahn – und hängt leicht nach rechts. Zudem lauern zahlreiche Fairwaybunker. Am besten orientiert man sich daher am höchsten Baum leicht links des Grüns. Die Annäherung bringt dann einen Bergaufschlag, erneut wird das Grün vorne durch mehrere Bunker verteidigt. Auch Bahn 15 ist ein Par 4, mit bis zu 460 Yards aber deutlich länger. Auch diese Spielbahn ist als Dogleg rechts ausgelegt und erfordert daher eine klare Strategie vom Tee weg. Vom Tee spielt man zunächst geradeaus in Richtung des Knicks – reicht die Weite des Abschlags nicht aus, diesen zu erreichen, muss man nochmals über links vorlegen, denn rechts blockieren dann hohe Bäume neben einem Teich den direkten Zugang zum Grün. Longhitter können versuchen, rechts an diesen Bäumen vorbei über den Teich die kleine Ausbuchtung im Fairway hinter den Bäumen anzuspielen – no risk, no fun. Als ob die Bahn nicht ohnehin schon lang genug wäre, steigt das Gelände Richtung Grün zusätzlich an. Das nach rechts hängende Grün sowie ein mächtiger Bunker rechts sowie ein weiterer Bunker links vor dem Grün erfordern einen präzisen Approach und ein sorgfältiges Lesen der Puttlinie. Das folgende Par 4 zieht sich über bis zu 420 Yards und beginnt mit einem Teeshot über eine Senke hinweg. Wichtig ist vor allem, den Ball ausreichend links der Bäume auf der rechten Bahnseite zu positionieren, sonst wird das Erreichen des Grüns mit dem zweiten Schlag schwierig. Kurz vor dem Grün kommt von rechts zudem ein Teich ins Spiel, der links nur eine sehr schmale Landgasse Richtung Fahne lässt – und an deren Ende ein Bunker lauert. Daher benötigt man einen hohen zweiten Schlag aufs Grün, im Bedarfsfall einfach Richtung Grünmitte. Bleibt der Teeshot zu kurz, sollte man nochmals kurz vor dem Wasserhindernis vorlegen. Bahn 17 bringt das letzte Par 3 mit maximal 180 Yards. Auffällig: fast alle Par 3s sind nahezu gleich lang, drei spielen sich über bis zu 178 Yards, das letzte Par 3 ist zwei Yards länger. Da die Bahnen jedoch jedes Mal in eine andere Landschaft und Topographie eingebunden sind, ähneln sie sich dennoch kaum. Bahn 17 bringt Wasser und ein von Bunkern umrahmtes Grün, so dass man einen hohen Teeshot zur Fahne benötigt. Das Grün hängt zudem leicht nach vorne. Wasser kommt auch an der letzten Bahn, einem bis zu 563 Yards langen Par 5 als Dogleg links, ins Spiel. Der erste kleine Teich lauert ein wenig versteckt links im Knich der Bahn – daher sollte man vom Tee eher die Bahnmitte anspielen, sofern man nicht über den Teich hinweg abkürzen kann. Den Lay-up spielt man am besten über die rechte Seite, sollte dabei jedoch auf die Fairwaybunker achten. Das zweite Wasserhindernis kommt kurz vor dem Grün von links ins Spiel und trennt Fairway und Grün voneinander. Daher benötigt man auch zum Schluss nochmals einen hohen Approach, der Grünbunker rechts sollte nur ins Spiel kommen, wenn man die Fahne von links anspielt. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass das Grün Richtung Wasser geneigt ist, man sollte daher den Ball möglichst unterhalb der Fahne landen lassen – eine wunderschöne, aber anspruchsvolle Schlussbahn.
The Alpine verbindet die Faszination spektakulärer Bergaussichten mit einer flüssigen, hochklassigen Golfrunde, die den Sport von seiner wohl attraktivsten Seite zeigt.



























