Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Als der 18-fache Major-Sieger Jack Nicklaus im Juni 1985 seinen ersten Entwurf für den Norden Michigans fertigstellte, schuf er nicht nur einen Golfplatz, sondern eine echte Ikone. Im Grand Traverse Resort and Spa in Acme entstand mit The Bear eine Anlage, die ihrem Namen alle Ehre macht: Der nach Nicklaus‘ berühmtem Spitznamen „Golden Bear“ benannte Par-72-Meisterschaftskurs gilt bis heute weit über die Landesgrenzen hinaus als eine der anspruchsvollsten und spektakulärsten Prüfungen des amerikanischen Golfsports. Der Platz kombiniert Elemente verschiedener Designstile und Platzcharaktere. Nicklaus ließ sich bei der Konzeption stark vom traditionellen schottischen Links-Golf inspirieren und übersetzte dessen Elemente stilvoll in die hügelige Wald- und Obstwiesenlandschaft Nord-Michigans. Tiefe Topfbunker (Pot Bunkers) mit steilen Wänden, hüfthohes, im Wind wiegendes Fescue-Gras, ausgeprägte Erdwälle (Mounds) und weitläufige Feuchtgebiete prägen das Landschaftsbild. Das Spiel verlangt kompromisslose Präzision und taktische Disziplin: Wer vom Tee zu stark seitlich abweicht, sieht sich schnell mit unerbittlichen Hindernissen konfrontiert. Berühmtheit genießen die extrem schnellen, vielschichtig ondulierten Grüns sowie die spektakuläre 18. Bahn, die mit einem geteilten Fairway (Split Fairway) und Wasser auf der rechten Seite ein hochdramatisches Finale einläutet. Um die Imposanz des Platzes für unterschiedliche Spielstärken erlebbar zu machen, ist The Bear mit insgesamt vier Teeboxen ausgestattet. Von den vordersten Abschlagsmarkierungen bietet der Platz mit einer minimalen Gesamtlänge von 5.281 Yards ein durchaus zugängliches und fehlerverzeihendes Erlebnis für Freizeitgolfer. Sobald man jedoch von den hintersten Championship-Tees spielt, entfaltet das „Biest“ seine volle Kraft: Bei einer maximalen Gesamtlänge von 7.078 Yards und einem extrem hohen Slope-Rating von 150 verzeiht der Platz selbst kleinsten Unkonzentriertheiten keinen Fehler.
Am schönsten ist eine Runde vielleicht am frühen Morgen, wenn die tief stehende Sonne die ausgeprägten Konturen des Platzes besonders hervorhebt. Das erkennt man vor allem aus der Luft:



















Die Runde beginnt mit einem bis zu 393 Yards langen Par 4, das sich gerade Richtung Grün zieht. Der Teich rechts der Teeboxen kommt nicht ins Spiel. Den Teeshot sollte man möglichst Mitte Bahn spielen – Ungemach droht rechts, denn dort ist das Gelände sehr wellig. Das leicht nach rechts versetzte Grün sollte man hoch anspielen, da nicht nur links neben dem Grün, sondern vor allem über die gesamte rechte Front Bunker mit hochgezogenen Kanten lauern. Zudem ist das Grün in zwei Ebenen unterteil: die größere hintere Ebene und die tiefer liegende, kleine Ebene zwischen den Grünbunkern. Weiter geht es mit einem bis zu 451 Yards mächtigen Par 4, das kurz vor dem Grün um nahezu 90 Grad nach rechts dreht. Vom Tee geht es mit einem blinden Teeshot bergauf los, diesen sollte man möglichst mittig halten. Dann muss man sich entscheiden: entweder legt man nochmals über die linke Seite vor, oder man spielt über zerklüftetes Gelände direkt Richtung Fahne. Wofür man sich auch entscheidet: das Grün wird von mehreren, teils mit hoher Kante versehenen Bunkern eingerahmt. Das erste Par 5 über bis zu 528 Yards ist als Doppel-Dogleg ausgelegt. Vom Tee sollte man dennoch nicht zu weit nach rechts anhalten, denn dort lauert ein mächtiger Solitärbaum. Ideal ist es, den Ball möglichst exakt in den ersten Drehpunkt der Bahn zu spielen. Den zweiten Schlag, nun beiderseits wunderbar von Bäumen gesäumt, sollte man leicht rechts anhalten. Wichtig ist weiterhin, den Ball auf dem Fairway zu halten, da beiderseits viele kleine Hügel die Bahn säumen. Das Grün ist nochmals deutlich nach links versetzt und wird durch einen Graben vom Fairway getrennt. Ein tiefer Bunker vor dem Grün lauert auf zu kurz gespielte Bälle, zudem hängt das quer liegende Grün von links nach rechts. Das erste Par 3 an der folgenden Bahn spielt sich maximal 194 Yards auf ein schräg angelegtes, langgezogenes Grün. Der Abschlag muss hoch gespielt werden, da eine dicht bewachsene Roughzone das Grün schützt. Hinter dem Grün lauert zudem mittig ein Topfbunker. Die zahlreichen Hügel hinter dem Grün können – vor allem bei trockener Witterung – einen zu weit gespielten Teeshot mit etwas Glück wieder Richtung Fahne zurückrollen lassen. Oberhalb des vierten Grüns wartet die schwierigste Bahn der gesamten Runde. Das bis zu 413 Yards lange Par 4 bringt reichlich Wasser ins Spiel. Vom Tee zielt man am besten auf die Bahnmitte zwischen dem Fairwaybunker rechts und dem Bachlauf links. Gut 110 Yard vor dem Grün mündet der Bachlauf in einen Teich, der sich nach rechts ausbreitet und damit auch den zweiten Teil der Spielbahn bis hinter das Grün auf der rechten Seite begrenzt. Daher muss der Approach zwingend hoch gespielt werden. Fehlt die notwendige Länge vom Drivelandepunkt bis zum Grün, kann man nochmals über eine schmale Landezone links vor dem Grün vorlegen, dort befindet sich auf die Drop Zone. Das Grün ist zwischen zahlreiche Hügel eingebettet und zieht sich in mehreren Ebenen von links hinten nach rechts vorne im Wasser – hier ist die passende Kombination aus Länge und Richtung unverzichtbar, aber auch sicheres Putten. Dann folgt ein bis zu 532 Yards langes Par 5, das sich in weitem Rechtsbogen Richtung Fahne zieht – und ohne Wasser auskommt. Besonders einfach ist die Bahn dennoch nicht: das Fairway liegt erhöht, so dass man den Teeshot unbedingt darauf platzieren sollte, soll er nicht in ein kleines „Valley of Sin“ links neben der Bahn rollen. Im zweiten Teil wird die Spielfläche insgesamt wieder ebener, hängt aber leicht nach links. Das nach links versetzte Grün fällt zu allen Seiten leicht ab, kommt aber ohne Bunker aus. Auch die folgende Bahn, ein maximal 423 Yards langes Par 4, dreht im zweiten Teil leicht nach links. Vom Tee geht es zunächst über dichtes Rough, zudem erkennt man: Hinter der Drivelandezone lauert eine von vielen kleinen Hügeln durchzogene Fläche, so dass man nicht über die Drivelandezone hinausspielen sollte. Im zweiten Teil dreht die Richtung nicht nur leicht nach links, sondern das Gelände steigt auch etwas an. Hier kommt es darauf an, den Ball zwischen den mächtigen Grünbunkern beiderseits sicher auf dem Grün zu platzieren, rechts des Grüns bleibt das Gelände von Hügeln durchzogen – von hier ist das Up and Down äußerst anspruchsvoll. Nun folgen zwei Bahnen mit reichlich Wasser. Das Par 4 an Bahn 8 spielt sich bis zu 386 Meter, Wasser kommt rechts ab der Drivelandezone ins Spiel, so dass man den Abschlag leicht links anhalten sollte. Je nach Weite des Teeshots muss die Annäherung dann über mehr oder weniger Wasser gespielt werden, denn das Grün ist deutlich nach rechts versetzt. Das Fairway wird Richtung Fahne immer schmaler und lässt wenig Raum für einen Lay-up, das Grün wird hinten und rechts durch Bunker eingerahmt, bevor es an einen Teich angrenzt. Das Grün hängt zudem von rechts nach links vorne. Die letzte Bahn der Front Nine ist ein nicht übermäßig langes, aber dennoch anspruchsvolles Par 3 über bis zu 181 Yards – und verläuft auf der Gegenseite der vorherigen Bahn und somit ebenfalls entlang des Teichs. Gleich, von welchem Tee man abschlägt: nun ist ein Schlag über Wasser gefordert, um das Grün vom Tee zu erreichen Das Halbinselgrün wird links und rechts von Bunkern eingerahmt, vorne grenzt es direkt an Wasser (hinten hat man noch einen kleinen Sicherheits-Grünstreifen) und umfasst zudem zwei Ebenen, die von hinten nach vorne abfallen. Man sollte daher einen Rückputt von der höheren zweiten Ebene auf eine tiefer auf der vorderen, unteren Ebene gesteckten Fahne vermeiden.


































Der Platz ist als Out-In angelegt, so dass man nicht am Clubhaus vorbeikommt. Es gibt jedoch ein kleines Halfwayhaus, bevor man mit einem nur bis zu 505 Yards langen Par 5 den zweiten Teil der Runde beginnt. Obwohl recht kurz, erfordert die Bahn dennoch ein klares Course Management und präzise Schläge. Vom Tee sollte man sich leicht rechts halten und so das dichte Rough und die Fairwaybunker links aus dem Spiel nehmen. Longhitter können dann über die rechte Seite direkt zum Grün spielen, überqueren dabei aber eine erneut von vielen Hügeln durchzogene Landschaft – verfehlt der Schlag das Grün, kann der Ball in ungeahnte Richtungen rollen und einen schwierigen dritten Schlag mit sich bringen. Aber auch wer vorlegt muss eine Strategieentscheidung treffen: Entweder spielt man den Ball über einen Roughstreifen rund 130 Yards vor dem Grün hinweg – oder man legt davor ab. Je weiter vor das Grün man spielt, umso eher kommen dort auf der linken Seite weitere Bunker ins Spiel. Auch das nach rechts versetzte Grün wird von vier Bunkern eingerahmt – hier entscheidet vor allem das kurze Spiel über den Score. Weiter geht es mit einem bis zu 421 Yards langen Par 4. Vor allem Longhitter sollten auch hier auf den das Fairway teilenden Roughstreifen achten, der die Bahn rund 130 Yards vor dem Grün teilt. Vom Tee sollte man sich etwas rechts halten, um das zerklüftete Gelände links der Bahn zu meiden. Steckt die Fahne auf dem Grün rechts, muss die Annäherung hoch über einen frontalen Bunker gespielt werden – einfacher ist die Annäherung, wenn die Fahne links gesteckt ist. Hügeldurchzogenes Gelände prägt auch das folgende, mit bis zu 413 Yards nahezu gleichlange Par 4. Hier kommt jedoch zusätzlich rund 120 Yards vor dem Grün von links Wasser ins Spiel, das sich auf der rechten Seite bis zum Grünende zieht. Da es vom Tee leicht bergauf los geht, kann man dies jedoch vom Abschlag nicht erkennen. Man sollte versuchen, den Abschlag möglichst nahe an die Bäume rechts zu spielen, um so einen etwas einfacheren Winkel für den zweiten Schlag Richtung Fahne zu haben. Bahn 13 bringt ein bis zu 167 Yards kurzes Par 3, bei dem der Teich der vorherigen Bahn ebenfalls ins Spiel kommt. Vom Tee geht es über Wasser auf ein ringsum von fünf Bunkern eingerahmtes Grün, das zudem nach vorne Richtung Bunker und Wasser hängt. Steckt die Fahne links, können auch die hohen Bäume links neben dem Grün ins Spiel kommen – das vielleicht schönste Par 3 der gesamten Runde. Weiter geht es mit einem bis zu 390 Yards langen Par 4 als Dogleg links. Von den leicht erhöhten Abschlägen sollte man etwas rechts anhalten und zielt man besten zwischen die gut sichtbaren Fairwaybunker beiderseits. Dann wird das Fairway etwas welliger, das Grün spielt man besser über die rechte Seite an, denn links lauert ein kaum einsehbarer, tiefer Bunker – geht der Ball noch weiter nach links, landet er wahrscheinlich im Vorgarten des dort stehenden Hauses. Das letzte Par 5 zieht sich über bis zu 543 Yards und ist die längste Bahn der gesamten Runde. Die Bahn spielt sich faktisch als Doppel-Dogleg – sofern man nicht den zweiten Schlag carry über einen großen Teich rechts zur Fahne spielt. Vom Tee geht es zunächst geradeaus, Richtung Drivelandezone wird das Fairway immer schmaler. Dann sollte man den Lay-up leicht nach links spielen und so den Teich erst einmal aus dem Spiel nehmen. Gerät der Schlag zu weit nach links, lauern dort mehrere Bunker. Je nach Position des Lay-ups wird die Annäherung entweder über die schmale Landzunge Richtung Grün gespielt – oder teils über Wasser. Die Hügel auf der linken Seite blockieren zu weit auf diese Seite gespielte Bälle – neben dem Grün können sie sogar dafür sorgen, dass der Ball noch auf das Grün rollt. Allerdings wird das Grün von insgesamt drei Bunkern verteidigt. Liegt der Ball in einem der beiden Bunker entlang der Hügel, wartet ein spannender Bunkerschlag Richtung Wasser. Das folgende Par 4 mit bis zu 451 Yards wird auf der gegenüberliegenden Seite des Teichs gespielt. Vom Tee geht es daher direkt neben dem Teich bergauf los. Da die Bahn als Dogleg links ausgelegt ist, sollte man den Abschlag eher auf die rechte Bahnseite spielen. Wer über links durch den Knick abkürzen möchte, sollte dort auf den Fairwaybunker achten. Auch im zweiten Teil geht es weiter bergauf, viele Golfer werden daher nochmals vorlegen, wofür man am besten die rechte Bahnseite beibehält. Der Schlag zum nochmals leicht nach links versetzten Grün sollte in jedem Fall den mächtigen, tiefen Bunker links vor dem Grün aus dem Spiel nehmen, so dass man die Fahne besser über die Grünmitte oder rechts anspielt. Das letzte Par 3 an Bahn 17 misst stolze 220 Yards maximal, führt allerdings leicht bergab. Das schräg angelegt, deutlich gewellte Grün wird von gleich fünf Bunkern geschützt, nur der Abschnitt links hinter dem Grün ist bunkerfrei. Zudem lauert vor dem Grün eine dichte Roughzone, hier sollte der Ball besser nicht landen. Die Schlussbahn, ein bis zu 467 Yards mächtiges Par 4, gilt als Signature Hole und überhaupt eine der bekanntesten Golfbahnen Michigans. Vom Tee erkennt man das im ersten Abschnitt geteilte Fairway: Man kann sich entweder links des gut sichtbaren, hohen Baums in der Bahnmitte halten und so einen etwas weiteren Weg mit breiterem Fairway in Kauf nehmen, oder man kürzt rechts des Baums ab, trifft dann aber auch schneller auf den Teich, der mit einer Einbuchtung das Fairway vom Grün trennt und nur links eine schmale Landgasse belässt. Wer über links spielt, sollte einen Lay-up nicht in diesen schmalen Streifen spielen, sondern eher maximal 85 Yards vor dem Grün auf der dem Abschlag zugewandten Teichseite landen. Wer den Weg über rechts wählt, muss ohnehin carry über den Teich zum dann quer liegenden Grün spielen. Tückisch ist der mittig hinter dem Grün platzierte Bunker, das wellige, nach vorne Richtung Teich hängende Grün erfordert besondere Vorsicht, wenn man gerne mit Backspin zur Fahne spielt. Auch wenn das Grün etwas unterhalb des Geländes liegt: oft schließt man die Runde auf dem The Bear unter den fachkundigen Blicken anderer Golfer ab, die sich entweder an der kleinen Verpflegungshütte links hinter dem Grün und auf der Terrasse des Clubhauses befinden.
The Bear ist weit mehr als nur ein weiterer Resort-Platz – er ist ein historisches Denkmal moderner Platzarchitektur und ein unverzichtbares Abenteuer für jeden Golfer, der die ultimative sportliche Herausforderung sucht. Für uns zählt der Platz zu den schönsten Nicklaus-Plätzen, die wir bisher kennenlernen durften.



























