Die Route 66 in Arizona 

Bild von Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

die „Mother Road“ aller Straßen

Arizona ist das Herzstück der legendären Route 66, und der Abschnitt von Ash Fork über Seligman bis nach Kingman fängt das nostalgische Lebensgefühl der „Mother Road“ so authentisch ein wie kaum ein anderer Teil der Strecke. Wer hier das Gaspedal durchdrücken möchte bleibt lieber auf dem mindestens vierspurig ausgebauten Purple Heart Trail (Interstate 40), verpasst aber eine Zeitreise in die Blütezeit des amerikanischen Roadtrips, flankiert von endlosen Horizonten und einer Prise skurrilem Humor.

 

Auch wenn vielfach Seligman als Beginn der historischen Route 66 in Arizona angesehen wird: man sollte sie unbedingt ab Ash Fork befahren. Ash Fork trägt stolz den Titel „Stein-Hauptstadt der Welt“. Doch für Reisende auf der Route 66 ist Ash Fork vor allem das Tor zu einem besonderen Stück Americana: den Burma-Shave-Schildern. Diese Schilderreihen sind ein Relikt aus einer Zeit, in der das Reisen noch langsamer war. Die Firma Burma-Shave, ein Hersteller von rasierseifenfreier Rasiercreme, installierte ab den 1920er Jahren kleine, rote Holztafeln am Straßenrand. Das Besondere war das Format: Ein kurzer, humorvoller Reim wurde auf fünf bis sechs aufeinanderfolgende Schilder verteilt, wobei das letzte Schild immer den Markennamen trug. Man musste also mit konstanter Geschwindigkeit fahren, um den Witz rechtzeitig lesen zu können. Ein typisches Beispiel war etwa: “Don’t lose your head / To gain a minute / You need your head / Your hair is in it / Burma-Shave”  Diese Schilder dienten nicht nur der Werbung, sondern waren auch frühe Kampagnen für die Verkehrssicherheit. Heute sind sie liebevoll gepflegte Repliken, die den Weg nach Westen säumen und jeden Fahrer unwillkürlich zum Lächeln bringen.

 

Folgt man der Straße weiter westlich, erreicht man Seligman. Dieser Ort ist das schlagende Herz der Route-66-Renaissance – natürlich vor allem im Jahr 2026, dem Centannial dieser legendären Straße. Nachdem der Bau der Interstate 40 Seligman buchstäblich vom Verkehr abschnitt und den wirtschaftlichen Ruin drohte, war es der hiesige Friseur Angel Delgadillo, der den Kampf um die Anerkennung der Route 66 als historische Landmarke aufnahm. Heute ist Seligman ein buntes, fast surreal wirkendes Freilichtmuseum. Neonreklamen flackern, alte Chevrolets rosten malerisch vor Diner-Fassaden, und der Geist der 50er Jahre ist in jedem Souvenirshop greifbar. Ein absolutes Muss für jeden Besucher mit Humor ist das legendäre Roadkill Cafe. Mit dem provokanten Slogan „You Kill It, We Grill It“ (Du überfährst es, wir grillen es) lockt es Neugierige an. Keine Sorge: Auf den Teller kommen natürlich ganz normale, köstliche Burger und Steaks. Die Speisekarte ist jedoch ein Meisterwerk des Galgenhumors, auf der Gerichte kreative Namen tragen, die an unglückliche Begegnungen zwischen Tier und Reifen erinnern. Es ist genau diese Art von kauzigem Charme, die Seligman so unvergesslich macht.

 

Hinter Seligman streckt sich die Route 66 durch die weite Hochebene Arizonas. Dies ist einer der längsten zusammenhängenden Abschnitte der alten Straße, der nicht von der Autobahn unterbrochen wird. Die Landschaft wechselt von kargem Buschland zu weiten Prärien, während im Hintergrund die dunklen Silhouetten der Peacock Mountains auftauchen. Es ist der perfekte Moment, um das Fenster herunterzukurbeln, den Arm hinauszuhängen und der Stille der Wüste zu lauschen.

 

Schließlich erreicht man Kingman, das oft als „Herz der Route 66“ bezeichnet wird. Die Stadt wirkt deutlich geschäftiger und dient als idealer Stützpunkt für Erkundungen. Ein unverzichtbarer Stopp ist hier das Powerhouse Visitor Center. Untergebracht in einem beeindruckenden, alten Kraftwerk, das einst die Minen und die Stadt mit Strom versorgte, beherbergt es heute das Arizona Route 66 Museum. Das Zentrum bietet eine hervorragende visuelle Aufarbeitung der Straßengeschichte – von den frühen Pfaden der amerikanischen Ureinwohner über die Staubschüsselflüchtlinge der 1930er Jahre bis hin zum heutigen Kultstatus. Die lebensgroßen Dioramen und die Sammlung historischer Fahrzeuge machen die Entbehrungen und Hoffnungen derer greifbar, die vor Jahrzehnten diesen Weg suchten.

Gegenüber dem Visitor Center lädt „Mr D’z Route 66 Diner“ in seinem unverkennbaren Pink und Türkis zu einem Root Beer Float ein, bevor die Reise weiter Richtung Oatman oder Las Vegas geht.

 

Der Abschnitt von Ash Fork nach Kingman ist eine Hommage an die Freiheit, den Humor und die Beständigkeit des amerikanischen Westens.