Autor: Der Mann hinter dem Bericht
El Gouna, oft als das „Venedig am Roten Meer“ bezeichnet, ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk aus Kanälen und Brücken, sondern auch die Heimat von aktuell zwei Golfanlagen. Der El Gouna Golf Club, entworfen vom renommierten Architekten-Duo Gene Bates und PGA-Legende Fred Couples, ist ein Ort, an dem die Wüste auf das Wasser trifft und das Spiel gegen den Wind zur hohen Kunst erhoben wird. Erstaunlich dabei: obwohl der Platz immer wieder das Wasser der Lagune streift, sieht man das Wasser häufig gar nicht von der Platzmitte aus – für Wasserphobiker sicher ein Vorteil, aber auch ein unerwarteter optischer Eindruck. Schon bei der Ankunft am markanten Clubhaus mit seinem ikonischen Turm, in dem sich das Restaurant La Rotisserie befindet, spürt man die entspannte Atmosphäre der Anlage. Der Platz, 1999 eröffnet, ist auf dem Papier ein klassischer Par-72-Kurs mit einer Gesamtlänge von 6.269 Metern von den weißen Meisterschaftsabschlägen. Doch diese Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Was diesen Platz so besonders macht, ist das harmonische Zusammenspiel aus strategisch platzierten Bunkern, den allgegenwärtigen Wasserhindernissen der Lagunen und einem Untergrund aus erstklassigem Seashore Paspalum-Gras, das selbst dem salzhaltigen Küstenklima trotzt und das ganze Jahr über für teppichgleiche Fairways sorgt. Wer nun befürchtet, dass Couples einen schwierigen Platz in die Wüste gezaubert hätte, sei beruhigt: der Platz ist insgesamt schön, aber eher unspektakulär und für Golfer aller Spielstärken gut zu absolvieren. Bevor man den ersten Abschlag betritt, führt der Weg fast zwangsläufig zur „Aqua Driving Range“. Hier schlägt man seine Bälle nicht auf eine grüne Wiese, sondern direkt in eine weite Lagune. Die schwimmenden Bälle bieten ein optisches Spektakel und stimmen perfekt auf das ein, was den Golfer auf der Runde erwartet: Wasser, Wasser und nochmals Wasser.
Die Runde beginnt an der ersten Bahn (Par 4, 381 Meter) vergleichsweise einladend. Der Drive führt auf ein breites Fairway, das dem Spieler zunächst Sicherheit gibt. Doch schon hier lauern die ersten tückischen Bunker, und man merkt schnell, dass ein präzises Anspiel des Grüns wichtiger ist als bloße Länge. Weiter geht es zur zweiten Bahn (Par 5, 467 Meter), einer Bahn, die Longhittern die Chance bietet, das Grün mit zwei Schlägen zu attackieren, sofern sie den Mut haben, die Lagune zu überwinden, die das Fairway begleitet. Hier zeigt sich die Handschrift von Fred Couples: Belohnung für Risiko, aber Strafe für Unentschlossenheit. Die folgende Bahn (Par 3, 191 Meter) ist das erste echte Ausrufezeichen der Front Nine. Es ist ein langes Par 3, das oft direkt in den vorherrschenden Wind gespielt wird. Wer hier das Grün verfehlt, findet sich entweder in einem tiefen Bunker oder in der steinigen Wüste wieder, die den Platz säumt. Die echte Reifeprüfung folgt jedoch an Bahn 4 (Par 5, 492 Meter). Sie gilt als das schwierigste Loch des Platzes (Handicap 1) und verlangt vom Abschlag bis zum Putt höchste Konzentration. Der Wind bläst hier meist kräftig von vorn oder von der Seite, was die ohnehin schmale Landezone noch enger erscheinen lässt. Wer hier ein Par rettet, darf sich wie ein Champion fühlen. Entspannung bietet die nächste Bahn (Par 3, 153 Meter), die zwar kürzer ist, aber durch ein gut verteidigtes Grün und die optische Ablenkung der umliegenden Luxusvillen besticht. Es folgt Bahn 6 (Par 4, 329 Meter), ein kurzes Par 4, das Taktiker bevorzugt. Ein Eisen vom Tee ist hier oft die klügere Wahl, um sich einen idealen Winkel für den Annäherungsschlag über eine kleine Senke zu sichern. An der nächsten Bahn (Par 3, 173 Meter) wird es wieder technischer: Ein Eisen mittlerer Länge muss punktgenau auf das wellige Grün gesetzt werden, um einen Drei-Putt zu vermeiden.
Zum Abschluss der ersten neun Bahnen zieht der Schwierigkeitsgrad noch einmal an. Bahn 8 (Par 4, 363 Meter) verlangt einen präzisen Drive zwischen Wasser und Wüste, bevor man an der letzten Bahn der Front Nine Loch (Par 5, 461 Meter) wieder Kurs auf das Clubhaus nimmt. Dieses Par 5 ist visuell beeindruckend, da man direkt auf den markanten Clubhausturm zuspielt. Ein solides Birdie-Loch für diejenigen, die ihren Drive trocken auf der rechten Seite des Fairways platzieren können.











































Nach einem kurzen Stopp an der Green Bar startet man in den zweiten Teil der Runde, die landschaftlich noch dramatischer werden. Bahn 10 (Par 4, 351 Meter) führt den Spieler tiefer in das Lagunensystem hinein. Das Fairway ist wellig, und die Annäherung muss über eine Ecke des Wassers erfolgen. Ähnlich präsentiert sich die elfte Bahn (Par 4, 335 Meter), die zwar nicht lang ist, aber durch ihre strategisch platzierten Bunker auf der linken Seite besticht. Ein echtes Highlight ist das Bahn 12 (Par 3, 185 Meter). Das Grün liegt malerisch eingebettet zwischen Wasser und Sand, und die Distanz ist groß genug, um selbst erfahrene Spieler zum Nachdenken über die Schlägerwahl zu bringen. Die schiere Kraft des Designs offenbart sich dann an der folgenden Bahn (Par 5, 524 Meter). Es ist die längste Bahn des Platzes und erfordert drei solide Schläge, um das gut geschützte Grün zu erreichen. Hier spielt der Wind oft eine entscheidende Rolle – er kann diese Bahn entweder zum Albtraum machen oder es bei Rückenwind in eine Birdie-Chance verwandeln. Die folgende Spielbahn (Par 4, 440 Meter) ist für viele Golfer das anspruchsvollste Par 4 der Runde. Es ist lang, es ist windanfällig, und das Grün ist klein und fest – eine Bahn, die keine Fehler verzeiht. Etwas technischer wird es an der fünfzehnten Bahn (Par 4, 363 Meter), dem Handicap 2 des Platzes. Hier ist kluges Course Management gefragt, da Wasserhindernisse sowohl links als auch rechts des schmalen Fairways lauern. Die letzten drei Bahnen bilden ein schönes Finale. Bahn 16 (Par 3, 193 Meter) fordert ein langes Eisen oder kleines Holz über die Wüste auf ein erhöhtes Grün, das oft schwer zu halten ist. Danach folgt die majestätische siebzehnte Bahn (Par 5, 513 Meter), die sich wie ein Band durch die Lagunen schlängelt. Der Blick vom Tee über das schimmernde Wasser zu den Bergen im Hintergrund ist schlichtweg atemberaubend und steht symbolisch für die Schönheit von El Gouna. Den krönenden Abschluss bildet das letzte Par 4 mit bis zu 355 Metern. Wer hier seinen Drive sicher platziert, hat die Chance, seinen Annäherungsschlag direkt vor den Augen der Zuschauer auf der Clubhausterrasse zu spielen. Das Grün wird fast vollständig von Wasser umschlossen, was den finalen Schlag der Runde zu einem echten Adrenalinkick macht.
Gene Bates und Fred Couples haben einen Platz geschaffen haben, der sowohl den Urlauber anspricht, der eine entspannte Runde in der Sonne genießen möchte, als auch den ambitionierten Golfer, der eine echte sportliche Herausforderung sucht. Der Wind fungiert hier als „natürlicher Platzrichter“ und sorgt dafür, dass keine zwei Runden gleich sind. Auch der Pflegezustand ist insgesamt in Ordnung. Dennoch: mit dem Platz von Madinat Makadi oder insbesondere mit Somabay Golf kann der El Gouna Club nicht ganz mithalten, obwohl das Team im und um das Clubhaus einen sehr guten, persönlichen Service bietet. Das Platzdesign ist jedoch nicht so beeindruckend und abwechslungsreich wie bei den genannten anderen Anlagen, der El Gouna Golf Club fällt eher in die Kategorie „klassischer Ressortcourse“: nett zu spielen, guter Allgemeinzustand, aber eben auch nicht außergewöhnlich. Dennoch: im Rahmen einer Golfreise in die Region Hurghada sollte man auch auf diesem Platz eine Runde einplanen.


































