Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Wer auf São Miguel landet, der größten Insel der Azoren, erwartet meist dramatische Steilküsten und tiefblaue Kraterseen. Doch für Golfer verbirgt sich im Tal von Furnas, weltberühmt für seine heißen Quellen und den im Boden gegarten „Cozido“-Eintopf, ein ganz anderes Juwel. Der Furnas Golf Club ist nicht einfach nur ein Golfplatz; er ist ein botanisches Abenteuer, ein historisches Monument und eine spielerische Herausforderung, die selbst erfahrenen Strategen den Schweiß auf die Stirn treibt – und das liegt nicht nur an der hohen Luftfeuchtigkeit. Die Anlage zählt zu Azores Golf Island, einem Zusammenschluss von insgesamt drei Golfanlagen auf den Azoren (zwei davon auf São Miguel, die dritte auf Terceira). Früher arbeitete man mit dem US-Golfmanagement-Giganten Troon zusammen, noch heute ziert das Logo des Unternehmens das Yardagebook. Die Geschichte des Platzes bietet viel Tradition. Die ersten neun Bahnen wurden bereits 1936 vom legendären Mackenzie Ross entworfen – jenem Mann, der auch Turnberry in Schottland seinen Stempel aufdrückte. 1986 erweiterten Cameron & Powell das Layout auf 18 Bahnen, wobei sie den ursprünglichen Charakter eines „Enchanted Forest“ – eines Zauberwaldes – meisterhaft beibehielten. Wer hier abschlägt, spielt inmitten von majestätischen japanischen Sicheltannen, riesigen Farnen und den für die Azoren typischen, leuchtend blauen Hortensien – und kann auf den Azoren klassisches Golden Age-Design genießen. Die Gesamtlänge des Platzes, der mit nur drei Teeboxen pro Bahn auskommt, liegt zwischen 5.236 und 6.232 Metern. Bedenkt man, dass die Anlage sich auf lediglich 43 Hektar Fläche befindet, kann man erahnen, dass dies nicht nur ein Platz der kurzen Wege, sondern auch enger Bahnen ist. Auffällig: die Längenangaben auf der Scorekarte und im Yardagebook weichen teilweise voneinander ab, die nachfolgenden Daten beziehen sich auf die Scorekarte.
Die Runde beginnt mit einem bis zu 367 Meter langen Par 4 bergauf. Im zweiten Teil wird das Gelände etwas flacher, bleibt aber weiterhin hügelig. Auch das Grün ist deutlich onduliert, zudem sollte man auf den Bunker links des Grüns achten. Bahn 2 bringt ein maximal 160 Metern. Dabei wird vom hinteren Abschlag über einen kleinen Teich begonnen, der jedoch eher psychologische Bedeutung hat. Das Grün fällt Richtung Mitte ab, was je nach Fahnenposition Fluch oder Segen sein kann. Dann folgt das erste Par 5 mit maximal 449 Metern Länge – ein schönes Dogleg rechts bergauf. Vor allem vom Abschlag kommt es darauf an, den Ball sicher auf der Bahn zu platzieren und die Bäume zu meiden. Erst rund um das Grün wird das Gelände wieder offener, allerdings wird die Vorderseite des zwei Ebenen umfassenden, nach vorne hängenden Grüns links und rechts durch Bunker mit hochgezogenen Kanten verteidigt – einem weiteren Markenzeichen der Anlage, die weitgehend auf Fairwaybunker verzichtet, aber dafür einige knifflige Grünbunker mit sehr hohen Kanten bietet. Bahn 4, ein leichtes Dogleg links und Par 4 mit bis zu 372 Metern, beginnt mit einem Abschlag über einen kleinen Bach. Danach wird das leicht bergauf führende Gelände noch welliger, vor allem auf der linken Seite. Auch das Grün ist deutlich onduliert und wird rechts durch einen massiven Bunker begrenzt. Das zweite Par 5 mit bis zu 470 Metern ist ein Doppeldogleg. Zunächst geht es leicht bergauf nach rechts, Longhitter können daher über diese Seite abkürzen. Im zweiten Teil dreht die Bahn dann wieder nach links. Tückisch ist der letzte Teil: gleich mehrere Bunker und eine Senke vor dem deutlich erhöhten Grün sorgen dafür, dass man den Ball nicht nur hoch, sondern möglichst präzise zur Fahne spielen sollte. Das nur maximal 315 Meter kurze Par 4 an der folgenden Bahn dreht bei rund 190 Metern deutlich nach rechts, so dass man vom Tee besser mit einem kleinen Holz oder langen Eisen beginnen sollte. Im zweiten Teil hängt das Fairway nach links, die Bahn wird durch Hügel und dichten Bewuchs eingerahmt. Erneut nehmen zwei Grünbunker die Fahne optisch geradezu in die Zange. Auch Bahn 7, ein mit bis zu 425 Yards mächtiges Par 4, ist ein Dogleg rechts. Erneut wird die Bahn beiderseits durch dichte Bäume und Sträucher eingerahmt – Mitte Bahn bleibt oberste Maxime für den Abschlag. Im zweiten Teil verläuft die Bahn leicht bergauf, das erhöhte Grün hängt leicht nach vorne und wird durch zwei Bunker begrenzt. Vor allem bei Gegenwind spielt sich diese Bahn für viele Golfer wie ein Par 5. Bahn 8 bringt das zweite Par 3 der Front Nine mit maximal 157 Metern. Während das erhöhte Grün vorne durch mächtige, tiefe Bunker beiderseits begrenzt wird, lauert hinter dem Grün Wasser – und von rechts kommen die hohen Bäume der Bahn so nahe, dass man keinen zu ausgeprägten Draw spielen sollte. Die Front Nine enden mit einem bis zu 396 Meter langen Par 4, das zweimal sanft die Richtung wechselt. Nach dem Teeshot über Wasser geht es zunächst geradeaus, bevor die Bahn in der Drivelandezone sanft nach rechts dreht. Man sollte jedoch nicht zu weit nach links zielen, denn dort lauert zum einen Wasser, zum anderen wird der Winkel zur Fahne schwieriger. Da das Fairway nach links hängt, sollte man versuchen, den Teeshot eher auf der rechten Bahnseite anzuhalten. Das Grün ist deutlich erhöht und stark onduliert, zudem grenzt es an Wasser und Bunker – hier kommt es darauf an, die Fahne hoch anzuspielen und den Ball schnell zur Ruhe kommen zu lassen.





























Direkt hinter dem neunten Grün beginnen die Back Nine mit einem nur maximal 330 Meter langen Par 4, Dogleg rechts, das jedoch leicht bergauf verläuft. Man sollte sich vom Tee nicht durch das gut sichtbare Grün rechts verleiten lassen – dieses ist zwar näher, gehört aber zu Bahn 11. Die Herausforderung an Bahn 10 besteht vor allem in der Annäherung. Das Grün hängt deutlich sichtbar nach vorne, zudem lauert links mal wieder ein Grünbunker mit sehr hoher Kante. Bahn 11, ein bis zu 167 Meter langes Par 3, führt parallel bergab, die leicht nach rechts versetzten Abschläge präferieren den Fade. Das Grün wird von mehreren Bunkern eingerahmt, die vor allem hinter dem Grün eine sehr hohe Kante besitzen. Dann folgt ein Dogleg rechts als Par 4 mit bis zu 333 Metern Länge, dessen erster Teil ungewohnt offenes Gelände bietet. Man sollte sich davon jedoch nicht täuschen lassen, denn nach dem Knick wird die Bahn wieder von Bäumen eingerahmt und gewohnt schmal – bis zum nach rechts hängenden Grün samt Grünbunker links. Bahn 13 gilt als schwierigste Bahn mit maximal 410 Metern. Das liegt zum einen daran, dass es bis zur Fahne stetig bergauf geht, zum anderen am fast schon typisch schottischen Burn, der gut 90 Meter vor dem Grün das Fairway quert und zu kurz gespielte Annäherungen gerne verschluckt. Auch das nach rechts versetzte, erhöhte und von mehreren Bunkern mit hoher Kante eingerahmte Grün erfordert Präzision. Das erste Par 5 an Bahn 14 misst 447 Meter maximal, spielt sich jedoch weitgehend eben und damit nahezu gleich lang wie die vorherige Bahn. Links neben den Palmen droht bei diesem Dogleg rechts das Aus, man sollte sich möglichst Mitte Bahn halten. Die Bunker rund ums Grün fallen ungewohnt flach aus, dafür ist das Grün selbst stark onduliert, Aim Point-Express Golfer können hier nahezu die gesamte Palette des Grünlesens anwenden. Dann folgt ein gerades, bis zu 320 Meter kurzes Par 4 mit sehr breitem Fairway und vergleichsweise einfach zu spielendem Grün – sofern man die Grünbunker beiderseits der Fahne meidet. Dennoch: eine gute Bahn zum Scoren. Dass die Bahn so breit ist, hat einen besonderen Grund: aufgrund des geringen Platzes hat man die Drivingrange kurzerhand mit Bahn 15 kombiniert – vor dem Abschlag sollte man sich daher vergewissern, dass keine anderen Golfer den linken Teil der Range nutzen. Bahn 16 bringt das letzte, bis zu 190 Meter lange Par 3. Das Grün ist leicht nach links versetzt, endlich kommen auch Drawspieler zu einem Vorteil. Tückisch sind neben der Länge erneut die Bunker beiderseits des Grüns. Dann folgt ein mit bis zu 425 Metern mächtiges Par 4, das erneut als kleines Doppeldogleg ausgelegt wurde. Im ersten Teil hängt das Fairway nach rechts, man sollte daher nicht zu weit nach rechts zielen. Man hat ohnehin von links die bessere Position für den zweiten Schlag – solange man nicht vom Tee in die hohen Bäume links spielt. Richtung Fahne geht es dann bergauf, links des Grüns lauert Wasser, so dass man die Fahne eher über die rechte Seite anspielen sollte. Auch die Schlussbahn, ein bis zu 492 Meter langes Par 5 und damit die längste Bahn der Runde, bringt vom Tee nochmals Wasser ins Spiel. Man spielt über einen kleinen Teich blind in Richtung des deutlich erhöhten Fairways. Je weiter die Schlagweite, umso mehr sollte man sich nach links orientieren, denn nach der Landezone dreht die Spielrichtung nach links. Besondere Beachtung erfordern die mittigen Fairwaybunker beim Lay-up, während das Grün ohne Bunker auskommt, aber deutlich von rechts nach links hängt.
Der Furnas Golf Club ist kein Platz für „Longhitter“, die nur auf Weite setzen. Er ist ein Platz für Liebhaber des klassischen Golfsports: für Spieler, welche die Flugkurve ihres Balls bestimmen können und die Schönheit der Natur schätzen – Bubba Watson würde diesen Platz lieben. Die Grüns sind traditionell eher klein und oft erhöht, was das „Scrambling“ – das Retten des Pars aus schwierigen Lagen – zu einer essenziellen Fähigkeit macht. Auch das Wetter beeinflusst die Wahrnehmung häufig: Oft liegt ein leichter Nebelschleier über den Bahnen, der dem Ganzen etwas Mystisches verleiht. Der Boden ist durch die vulkanische Aktivität extrem fruchtbar, was zu einer Rasenqualität führt, die sich unter den Füßen fast wie ein Teppich anfühlt. Ein kleiner Tipp: Packen Sie eine Regenjacke ein auch wenn die Runde bei schönstem Sonnenschein beginnt – das Wetter auf den Azoren kann so wechselhaft sein wie das Glück beim Putten.




































