Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Der Golf International de Saint-François ist nicht nur der einzige 18-Loch-Platz der Insel, sondern auch ein Denkmal der Golfarchitektur, entworfen von keinem Geringeren als Robert Trent Jones Sr. im Jahr 1978. Wer hier abschlägt, betritt ein Gelände, das den Geist des „Grand Old Man“ des Platzdesigns atmet: Fairways, die sich harmonisch in die tropische Topografie einfügen, geschützt von Kokospalmen und tückisch platzierten Bunkern. An der Südostspitze der Insel gelegen, eingebettet zwischen der lebhaften Marina von Saint-François und einem kleinen Regionalflughafen, bietet die Anlage ein Panorama, das Karibik-Idylle mit sportlichem Anspruch vereint. Der Platz, der nach einer umfassenden Renovierung im Jahr 2010 seine heutige Form erhielt, erstreckt sich bei vier Teeboxen pro Bahn über 4.835 bis 5.938 Meter, Longhitterqualitäten sind nicht zwingend erforderlich. Mit einem Par von 71 fordert er Golfer aller Spielstärken heraus, wobei die technische Finesse vor allem auf den Back Nine zur Geltung kommt. Hier verschärft sich das Spiel merklich, da Wasserhindernisse an vielen Bahnen präsent sind und präzise Schläge verlangen, um den Ball nicht den Fluten oder den dichten Palmenhainen zu opfern. Immer wieder trifft man auf die typische Trent Jones Sr.-Architektur: Risk and Reward: Risiko wird belohnt, doch Übermut wird bestraft. Die insgesamt 71 Bunker der Anlage sind strategisch so verteilt, dass sie oft genau dort lauern, wo der Wind den Ball leicht aus der Bahn treibt. Die Alizés sind ohnehin der heimliche 19. Mitspieler; sie können eine Schlägerwahl um bis zu zwei Eisen verändern und verlangen ein hohes Maß an Flugballkontrolle. Die vergangenen Jahre waren für den Club alles andere als einfach, das angeschlossene Hotel ging in die Insolvenz und auch der Platz litt unter knappen finanziellen Mitteln. In den vergangenen Jahren hat die Anlage daher ein wenig bei der Pflege gelitten – doch das Team vor Ort arbeitete Mitte 2026 mit Nachdruck daran, die Anlage wieder in einen Top-Zustand zu versetzen, denn offensichtlich hat die Stadt Saint-François beschlossen, den Platz für ihre Einwohner und Gäste als öffentliche Anlage zu erhalten. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren vor allem die Bunker und einige Grüns noch nicht wieder im angestrebten Zustand – Spaß gemacht hat die Runde dennoch.
Zum Auftakt warten ein bis zu 499 Meter langes, gerades Par 5. Die Palmen-gesäumten Seiten steigen leicht an, zudem lauern dort zahlreiche Fairwaybunker. Das von mehreren Bunkern eingerahmte Grün ist leicht onduliert. Auffällig: Für Robert Trent Jones Sr. sind die Grüns vergleichsweise wenig erhöht, auch die Bunkerkanten rund um die Grüns fallen nicht so extrem aus wie andernorts. Bahn 2 bringt ein maximal 152 Meter kurzes Par 3, das eben Richtung Fahne verläuft. Auch hier gilt es, die Bunker rund ums leicht nach vorne geneigte Grün zu meiden, ansonsten bereitet die Bahn wenig Schwierigkeiten. Dann folgt ein bis zu 356 Meter langes Par 4 als leichtes Dogleg links. Vom Tee sollte man vor allem auf den Fairwaybunker links achten, die Fahne sollte man hoch anspielen, da der Bunker vor dem Grün überwunden werden muss. Nun kommt man am kleinen Regionalflughafen vorbei und überquert die Straße, bevor es mit einem nur maximal 326 Meter langen Dogleg rechts als Par 4 weitergeht. Da die Bahn jedoch deutlich bergauf verläuft, spielt sie sich deutlich länger als angegeben. Der kleine Teich vor beziehungsweise links der Teeboxen sollte an sich nicht ins Spiel kommen, wer jedoch zu weit nach rechts zielt, macht schnell Bekanntschaft mit einigen großen tropischen Bäumen. Beim Approach kann der mächtige Baum auf der rechten Seite zur Herausforderung werden, wenn der Teeshot zu weit nach rechts gespielt wurde. Zudem grenzt das Grün links an die Ausgrenze und wird vorne durch einen Bunker verteidigt – eine durchaus anspruchsvolle Bahn. Das folgende, maximal 172 Meter lange Par 3 spielt sich deutlich kürzer, da das Grün deutlich unterhalb der Teeboxen liegt – hier kann man mindestens eine, wenn nicht gar zwei Schlägerlängen weniger nehmen. Das leicht nach links hängende Grün wird beiderseits durch Bunker eingerahmt, hier gilt der Klassiker vom Tee: „Mitte Grün“. Dann folgt das zweite Par 5, das im zweiten Teil leicht nach rechts dreht. Vom Abschlag zieht sich die Bahn in mehreren Wellen zunächst bergab, das leicht ansteigende Gelände links lässt dort landende Bälle gerne noch Richtung Fairwaymitte rollen, besser ist jedoch direkt ein Teeshot Mitte Bahn oder leicht nach rechts. Dann muss man sich entscheiden, ob man das Grün mit dem zweiten Schlag anspielen möchte oder nochmals vorlegt. Da das Grün nochmals nach rechts versetzt ist und zudem rechts durch Wasser begrenzt wird, ist der Lay-up in jedem Fall die sicherere Wahl. Da die Front Nine als Par 35 ausgelegt sind, folgt an Bahn 8 ein drittes Par 3 mit bis zu 169 Metern. Dieses verläuft gerade Richtung Fahne, steigt dabei jedoch leicht an, auch das Grün hängt dezent nach vorne. Zudem lauern rund um die Fahne Bunker. Zum Abschluss des ersten Teils wartet ein bis zu 360 Meter langes Par 4, bei dem im zweiten Teil links Wasser ins Spiel kommt. Vom Tee sollte man daher möglichst Mitte Bahn oder leicht rechts anhalten – allerdings lauert dort auch ein großer Fairwaybunker. Im zweiten Teil zieht sich die Bahn in sanftem Rechtsbogen um den Teich – je nach Fahnenposition ist daher ein Approach über das Wasserhindernis erforderlich, sofern man nicht rechts um das Wasser herumspielen möchte. Das Grün hängt zudem ein wenig nach links und stärker nach rechts, so dass die Annäherung möglichst den richtigen Grünbereich treffen sollte.






















Vorbei am imposanten Clubhaus beginnt der zweite Teil mit einem schönen, geschwungenen Par 4 über maximal 322 Meter – und Wasser rechts. Ein wenig wirkt diese Bahn wie das Spiegelbild der neunten Bahn. Vom Tee sollte man sich direkt rechts der gut sichtbaren Fairwaybunker links halten. Dann kommt rechts ein Teich mit hohem Schilfgras ins Spiel – und man kann, je nach Fahnenposition, zwar den vorderen Teil des Grüns, aber nicht die Fahne sehen. Wer sich mit einem blinden Schlag Richtung Fahne schwertut, sollte daher nochmals über links vorlegen und so auch das Wasser aus dem Spiel nehmen – wer seine Schlaglänge gut kontrollieren kann, sollte direkt hoch über das Wasser zur Fahne spielen. Dann wartet das vielleicht schönste Par 3 der Runde: über bis zu 151 Meter geht es über einen großen Teich Richtung Grün, das seitlich von mehreren Bunkern eingerahmt wird. Zudem hängt das quer liegende Grün leicht Richtung Wasser, man sollte daher nicht zu kurz spielen. Dann folgt das erste Par 5 der Back Nine mit bis zu 477 Metern. Da das Gelände Richtung Grün sanft ansteigt, beginnt man mit einem blinden Teeshot. Diesen sollte man Mitte Bahn positionieren, denn links kommt in der Drivelandezone Wasser ins Spiel, rechts lauern zunächst Bunker und daneben Häuser. Spannend wird es rund ums Grün: Dieses ist nach links versetzt und wird daher vorne durch Wasser und am Hang durch einen Bunker verteidigt. Auch hier gilt: wer sich keinen hohen, langen Schlag zur Fahne zutraut, sollte lieber nochmals über rechts vorlegen. Anschließend geht es in der Gegenrichtung weiter, dort wartet ein bis zu 386 Meter langes Par 4 – daher muss vom hinteren Tee auch über den von der vorherigen Bahn bekannten Teich abgeschlagen werden. Die weiteren Abschläge sind nach rechts versetzt, so dass man vom Tee möglichst die Bahnmitte anvisieren sollte. Rechts lauern zudem spannende Fairwaybunker, die in einen Hügel integriert wurden. Auch rund um das leicht erhöhte Grün lauern nochmals Bunker. Bahn 14 bringt ein bis zu 373 Meter langes Par 4. Vom Tee kommt es vor allem darauf an, den Ball gerade ins Spiel zu bringen. Spannend ist die Annäherung, denn das Grün ist nicht nur erhöht und von Bunkern geschützt, sondern hängt gut sichtbar deutlich nach links und fällt an den hinteren Rändern deutlich ab. Weiter geht es mit einem bis zu 380 Meter langen Par 4, nun als deutlichem Dogleg rechts. Man sollte vom Tee nicht zu weit nach rechts anhalten, denn dort begrenzt dichter Baumbestand die Bahn. Auch die Grünbunker rechts sollte man nicht unterschätzen. Das letzte Par 3 der Runde spielt sich über bis zu 180 Meter und ist damit das längste Par 3 der Runde. Das höher gelegene und zudem erhöhte, nach rechts vorne hängende Grün wird durch Bunker eingerahmt, hier kommt es auf einen präzisen Abschlag an. Bahn 17 bringt das letzte Par 5 der Runde. Über bis zu 456 Meter geht es leicht nach links. In der Drivelandezone steigt das Gelände etwas an, so dass man die Fahne je nach Position nur erahnen kann. Für viele Golfer ist das Grün hier mit dem zweiten Schlag erreichbar, obwohl es inklusive einer mächtigen Bodenwelle Richtung Fahne weiter leicht bergauf geht. Wenn man bei der Annäherung die Grünbunker meidet, hat man hier eine sehr gute Chance auf Birdie oder gar Eagle. Zum Abschluss wartet ein bis zu 371 Meter langes Par 4, das sich als Doppel-Dogleg samt Wasserhindernis neben dem Grün präsentiert. Vom Tee sollte man sich mittig bis leicht rechts halten, denn nach der Drivelandezone dreht die Richtung um fast 90 Grad nach links. Die hohen Palmen hinter der Spielbahn eignen sich sehr gut zur Orientierung. Die Annäherung erfordert besondere Aufmerksamkeit, da das Grün nochmals leicht nach rechts versetzt ist. Links wird es durch einen kleinen Hang samt Bunker begrenzt, rechts fällt das Gelände neben dem Grün in Richtung eines Teichs ab – diese Bahn kombiniert nochmals alle technischen Herausforderungen und unterstreicht die Designkunst von Robert Trent Jones Sr., zumal man das letzte Grün in Sichtweite des Clubhauses spielt.
Die Atmosphäre auf der Anlage spiegelt die typisch französisch-karibische Gelassenheit wider. Anders als auf vielen exklusiven Kursen in Europa oder Nordamerika herrscht hier eine angenehme Lässigkeit. Der Dresscode ist an die hohe Luftfeuchtigkeit und entsprechenden Temperaturen angepasst, Bermudas sind hier eher der Standard als die Ausnahme. Diese Ungezwungenheit macht den Charme von Saint-François aus. Die Qualität des Layouts und die Einzigartigkeit der Lage wiegen die aktuellen Einschränkungen im Pflegezustand für die meisten Spieler wieder auf. Es ist ein Platz, der Charakter besitzt – rau an den Rändern, technisch anspruchsvoll im Kern und immer mit einer Brise Salz in der Luft. Für Golf-Globetrotter ist der Golf International de Saint-François ein Muss, nicht nur wegen seiner Alleinstellung auf Guadeloupe, sondern wegen der Art und Weise, wie er das Spiel entschleunigt. Hier geht es nicht um die schnelle Runde, sondern um das Erleben der Elemente. Wenn nach 18 Löchern die Sonne langsam hinter den Palmen untergeht und der Wind sich legt, wird klar, warum Robert Trent Jones Sr. diesen Standort wählte. Es ist ein Ort, an dem der Sport zur Kulisse für ein tieferes Naturerlebnis wird, eingebettet in das lebendige Treiben eines der schönsten Segelreviere der Antillen.





























