Golfclub Bad Herrenalb

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Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

ein Bernhard von Limburger-Juwel im Nordschwarzwald

Der Golfclub Bad Herrenalb-Bernbach liegt im Nordschwarzwald im Dreieck zwischen Karlsruhe, Baden-Baden und Pforzheim. Mit dem Auto kann man, je nach Ausgangspunkt, daher entweder über die A5 oder die A8 anreisen. Der 9-Loch-Platz wurde 1967 von keinem geringeren als Bernhard von Limburger entworfen. Von Limburger hat den deutschen und europäischen Golfsport bis in die späten 1970er Jahre maßgeblich geprägt – zunächst als sehr erfolgreicher Amateurgolfer, dann als Autor (er gründete den Deutschen Golf Verlag) und nicht zuletzt als Golfplatzarchitekt. Ende der 1970er Jahre stammte nahezu ein Drittel aller deutschen Golfanlagen aus von Limburgers Feder, auch einige europäische Anlagen wurden von ihm entworfen. Limmy, wie er auch gerne genannt wurde, ließ sich bei seinen Entwürfen von den Großen des Goldenen Golfarchitektur-Zeitalters inspirieren, insbesondere durch Alister MacKenzie, Tom Simpson und Charles Blair Macdonald. Von ersterem übernahm er auch die Vorliebe für vergleichsweise kleine Grüns – und zudem eher kurze Plätze, die vor allem präzises Spiel erfordern. Wer mehr über sein Schaffen erfahren möchte – der sehr geschätzte Kollege und Golfhistoriker Christoph Meister hat 2016 im Magazin Plock! den folgenden, sehr informativen Beitrag veröffentlicht: bit.ly/3qX4P3H. Für von Limburger-Fans ebenfalls sehr empfehlenswert ist die Vertonung eines seiner Bücher: Geliebtes Golf – Golfgeschichten, gelesen von Thomas Ihm (erhältlich u.a. über Amazon). Von Limburger legte übrigens viel Wert darauf, in seinen Texten stets ausschließlich deutsche Begriffe zu verwenden. So sprach er stets vom Treibschlag statt vom Drive – und aus dem Dogleg wurde bei ihm stets das Hundebein. Da sich inzwischen jedoch viele englische Begriffe im Golf weltweit durchgesetzt haben, nutzen wir die heute üblichen Bezeichnungen. Hunde sind auf der Anlage in Bad Herrenalb-Bernbach angeleint ebenfalls gerne gesehene Begleiter.

Die 9 Bahnen umfassende Anlage in Bad Herrenalb wurde herrlich in die Landschaft des Nordschwarzwalds integriert. Sie bietet zwar einige Höhenunterschiede – vor allem auf den ersten fünf Bahnen – aber man kann sie auch zu Fuss gut absolvieren. Wer möchte, kann sich über das Clubhaus auch ein Cart leihen. Der Platz ist als 18-Bahn-Anlage geratet, an vier Bahnen (3 sowie 7-9) stehen für die zweite Runde eigene Abschläge zur Verfügung. Der Platz kommt übrigens mit zwei Abschlägen pro Bahn aus. Beide 9-Loch-Runden sind als Par 35 ausgewiesen. Die ersten neun Bahnen spielen sich über 2.354 bis 2.567 Meter, die zweite Runde ist mit 2.262 beziehungsweise 2.508 Meter geringfügig kürzer. Die folgenden Längenangaben beziehen sich auf die erste Runde.

Schon an der ersten Bahn wird deutlich: ein von Limburger-Platz erfordert vor allem Präzision! Während bei vielen Anlagen das letzte Grün in der Nähe der Clubhausterrasse liegt, kommt man in Bad Herrenalb bereits am ersten Tee in den Genuss dieses zusätzlichen Adrenalinschubs… Maximal 109 Meter geht es an diesem Par 3 leicht bergab, vor dem quer liegenden Grün wird die Vorderseite durch einen Bunker verteidigt – gerät der Teeshot zu lange, lauert hinter dem Grün Wasser. Die Fahne muss daher hoch angespielt werden, damit der Ball nicht im Bunker hängen bleibt. Das Grün ist für von Limburgersche Verhältnisse fast schon gross, und da das Grün leicht unterhalb des Abschlags liegt, sollte man entweder etwas sanfter schlagen oder einen Schläger weniger nehmen. Der kleine Bach zeigt nun den Weg Richtung Bahn 2, links liegt die bergauf verlaufende Driving Range. Alle Bahnen in Bad Herrenalb tragen Namen, Bahn 2 heisst „Limburgers Baum“. Dieser, gut sichtbar auf der linken Fairwayhälfte platziert, hilft bei der Orientierung an dem nur maximal 308 Meter kurzen Par 4. Vom Tee sollte man sich rechts des Baums halten – geht der Teeshot jedoch zu weit nach rechts, versperren die großen Bäume rechts wahrscheinlich den direkten Weg zum Grün. Bleibt der Abschlag am Hang liegen, steht man beim nächsten Schlag unter dem Ball. Nach der Drivelandezone geht das Gelände zunächst leicht bergab, rund 50 Meter vor der Fahne wechselt der vom Abschlag bekannte Bachlauf (er begleitet die Golfer an dieser Bahn auf der linken Seite) wieder nach rechts. Zudem liegt das Grün deutlich erhöht. Wer seinen Approach bergauf spielt, sollte durchaus zwei Schläger mehr kalkulieren. Man sollte die Fahne besser über die Grünmitte anspielen, denn rechts hängt das Gelände neben dem Grün deutlich, zudem lauert ein Bunker. Hinter dem zweiten Grün beginnt Bahn 3, „Herrenalber Trichter“ genannt. Das bis zu 127 Meter lange Par 3 bietet ein oberhalb des Abschlags gelegenes Grün, daher sollte man ruhig einen Schläger mehr nehmen. Seinen Namen hat die Bahn vom Gelände rund um das Grün: während die Bahn vor dem Grün bergab verläuft, liegt das Grün selbst wie in einen Trichter eingebettet. Verfehlt man das leicht nach vorne hängende Grün daher seitlich oder hinten, hat man meist einen zweiten Schlag bergab und kämpft darum, den Ball zum Halten zu bringen. Rechts des Grüns geht es weiter bergauf zur nächsten Bahn, einem bis zu 263 Meter kurzen Par 4, Dogleg rechts. Hier erkennt man, dass von Limburger in der Tat das gesamte verfügbare Gelände ausgenutzt hat. Zum hinteren Abschlag geht man ein paar Meter in eine kleine Waldschneise hinein – und der in direkter Linie davor liegende, erhöhte zweite Abschlag erfordert, dass der Teeshot schnell an Höhe gewinnt. Auch wenn die Bahn bergauf verläuft, darf man den Driver hier durchaus im Bag lassen, denn schon bei gut 160 Metern setzt der Knick ein. Es reicht daher, den Ball mit einem langen Eisen oder kleinen Holz ins Spiel zu bringen – es sei denn, man möchte dem Grün noch näher kommen und beherrscht den Fade. Unmittelbar im Knick lauert zudem ein kleiner Fairwaybunker, der vom Abschlag kaum zu erkennen ist. Beim zweiten Schlag droht links die Ausgrenze, das Gelände hängt nach rechts. Man sollte daher das Grün über die linke Seite anspielen, denn rechts geht es neben dem Grün nicht nur deutlich bergab, ein in der Hälfte des Hangs integrierter Grünbunker lauert ebenfalls auf unpräzise gespielte Bälle. Bahn 5 ist die vielleicht optisch reizvollste Bahn. „Von Bach zu Bach“, so der Name der Bahn, ist zugleich Programm. Das bis zu 340 Meter lange Par 4 ist ein Dogleg links. Vom Tee geht es deutlich bergab, man sollte sich eher rechts halten, um so den von rechts nach links querenden Bach aus dem Spiel zu nehmen. Um diese Querung zu überspielen, braucht man vom hinteren Tee ungefähr 150 Meter. Damit man jedoch freie Bahn in Richtung des Grüns hat, sollte der Abschlag möglichst die 200 Meter-Marke knacken. Gerät der Teeshot zu weit nach rechts, landet er gerne auf dem oberen Fairwayplateau, so dass man Richtung Grün noch stärker bergab spielt. Am schwierigsten ist die Annäherung allerdings, wenn der Abschlag genau am Hang zwischen den beiden Plateaus liegen bleibt. Kurz vor dem Grün schwenkt der Bach wieder nach rechts und umzieht das Grün in weitem Bogen. Beim Schlag Richtung Fahne sollte man sich Mitte Grün orientieren, denn rechts lauert ein Bunker, links grenzt ein Hang mit dichtem Rough an das Kurzgemähte. Dann folgen die beiden Par 5s, die parallel zueinander verlaufen. Zunächst geht es bis zu 467 Meter vom Clubhaus weg. Das Grün ist vom Tee kaum zu sehen, da die Bahn im zweiten Teil leicht bergab verläuft. Um das enge Fairway zu treffen, greifen viele Golfer lieber zum kleinen Holz vom Tee. Man sollte sich möglichst Mitte-Rechts orientieren, so hat man den besten Winkel Richtung Grün. Am Ende der Teeshot-Landezone geht es sanft bergab, zudem hängt das Gelände nun nach links. Da eine kleine Senke die linke Grünhälfte schützt, sollte man die Fahne besser leicht über rechts anspielen. Direkt oberhalb des sechsten Grüns wartet der siebte Abschlag. Dieses Par 5 spielt sich genau einen Meter kürzer, zudem geht es nun parallel zu Bahn 6 wieder Richtung Clubhaus. Von den erhöhten, leicht nach links versetzten Abschlägen zielt man am besten links des gut sichtbaren Fairwaybunkers. Über die gesamte Bahnlänge gilt: links begrenzt ein Hang die Bahn, rechts geht es neben dem Fairway bergab Richtung Bahn 6 – auch hier ist somit Linie wichtiger als Länge. Rund 120 Meter vor dem Grün lauert rechts ein weiterer Fairwaybunker, auch die rechte Grünseite wird von einem Bunker verteidigt. Sowohl den Lay-up als auch den Approach sollte man besser leicht links anhalten, oft lässt das Gelände den Ball ohnehin wieder Richtung Bahnmitte rollen. Bahn 8 trägt den Namen „Auf der Achter- Bahn“, und in der Tat erinnert der Blick von der hinteren Teebox des bis zu 215 Meter mächtigen Par 3s an den Blick in die Tiefe, wenn die Achterbahn an den höchsten Punkt geschleppt wurde. Durch eine Schneise geht es spürbar bergab, man sollte durchaus zwei Schläger weniger einkalkulieren. Gerät der Teeshot zu weit nach rechts, fällt das Gelände in der Landezone deutlich nach rechts ab in Richtung des Bachs. Geht es zu weit nach links, begrenzt ein Hang die linke Grünseite. Am besten zielt man leicht links des gut sichtbaren Baums hinter dem Grün – die größte Herausforderung ist jedoch die Längenkontrolle. Oberhalb des achten Grüns wartet der letzte Abschlag, ein bis zu 272 Meter langes Par 4. Grün und Fahne sind vom Tee nicht zu erkennen, daher sollte man sich am gut sichtbaren Markierungspfosten in der Bahnmitte orientieren. Bis zu diesem sollte der Teeshot in jedem Fall fliegen, für die dafür notwendigen rund 160 Meter reicht für die meisten Golfer ein langes Eisen oder kleines Holz. Da das Gelände im ersten Teil deutlich nach rechts hängt, sollte man sich leicht links des Pfostens halten. Das Grün liegt unterhalb des Fairways, auch im zweiten Teil hängt die Bahn nach rechts. Beim Schlag ins Grün sollte man vor allem auf die beiden Bunker links und rechts des Grüns achten – und die leichte Ondulierung des Grüns sorgt, nun wieder in Blickweite von der Clubhausterrasse, für ein spannendes Finish auf dem Grün.

 

Der Golfclub Bad Herrenalb zählt sicherlich zu den schönsten 9-Loch-Anlagen Deutschlands – und er unterstreicht, dass auch Designs aus den 1960er und 1970er Jahren Golfer mit heutigem Equipment weiterhin vor spannende Herausforderungen stellen können. Der Pflegezustand des Platzes hat uns genauso gut gefallen wie der sehr freundliche und kompetente Service. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis passt. Ob man den Platz über 9 oder 18 Bahnen spielt, ist Geschmackssache – man kann bei der 9-Loch-Variante bequem in unter zwei Stunden fertig sein und hat so noch genügend Zeit, die herrliche Gegend rund um Bad Herrenalb zu erkunden oder einige badische Winzer in das Tagesprogramm aufzunehmen.