Great Northern Championship Course

Michael Althoff

Michael Althoff

Author: Der Mann hinter dem Bericht

Great Northern Championship Course

Alleine das Shaping dauerte rund zwei Jahre, mehr als 3,4 Millionen Tonnen Sand wurden für den 18 Loch Championship Course und den 9 Loch Academy Course bewegt. Designer ist kein Geringerer als der Golden Bear Jack Nicklaus mit seinem Team von Nicklaus Design. Nun steht mit dem Championship Course von Great Northern bei Kerteminde in Dänemark ein absoluter Spitzenplatz zur Verfügung. Der 18 Loch-Platz bietet pro Bahn fünf Teeboxen, die hinteren sind allerdings den Profis vorbehalten. Der Platz im Links-Stil ist alles andere als flach, an vielen Bahnen kommen deutliche Höhenunterschiede ins Spiel. Zudem bietet der bis zu 6.775 Meter lange Platz einige Wasserhindernisse, vor allem das Inselgrün an der Schlussbahn dürfte manche Golfer vor Herausforderungen stellen.

 

Schon bei der Kennzeichnung der Teeboxen wird deutlich, dass Great Northern in vielen Dingen eigene Wege geht. Hier gibt es keine Farben und keine Yardage-bezogene Kennzeichnung, die Abschläge werden schlicht durchgezählt. Der den Profis vorbehaltene hintere Abschlag trägt natürlich die Bezeichnung „Great Northern“, dann folgen die Abschläge 1 bis 4. Wer sich für 1 entscheidet, darf den Par 72-Platz über 6.347 Meter geniessen – selbst von 4 bleiben noch 4.562 Meter. Die nachfolgenden Längenangaben beziehen sich auf Abschlag 1. Die Runde startet mit einem bis zu 405 Meter langen Par 4. Die Fairways sind oft wellig, man steht daher öfter einmal über oder unter dem Ball beim nächsten Schlag. An Bahn 2, dem ersten Par 5, merkt man, warum hier so viel Erde bewegt wurde: der Platz überrascht mit vielen Höhenunterschieden, welche die Anforderungen an das Spiel zudem erhöhen. Dann wartet bereits das erste Par 3 mit bis zu 200 Metern. Da das Grün deutlich unterhalb liegt, kann man ruhig zwei Schläger weniger nehmen. Danach geht es weiter bergab, allerdings spielt sich das Par 4 gerade bei Gegenwind eher als Par 5 mit seiner Länge von bis zu 435 Metern.  (selbst von Abschlag 3 bleiben noch 415 Meter) wird die Bahn bei Gegenwind dennoch schnell zum gefühlten Par 5. Auch die folgenden Bahnen, allesamt Par 4s, bieten eine Mischung aus Doglegs, Wasser und anspruchsvollem Course Management. Die hinteren Abschläge an Bahn 6 erfordern einen Teeshot über Wasser, Abschlag 2 wird gar von einem Ponton im Wasser ausgeführt und erinnert ein wenig an ein anderes Design von Jack Nicklaus: Al Zorah in den VAE. Bahn 7, mit bis zu 286 Metern ein kurzes Par 4, reizt Longhitter zum Teeshot Richtung Grün – allerdings lauert dort eine mächtige Bunkerlandschaft. Über das zweite Par 5 kehrt man Richtung Clubhaus zurück – und darf ein von Wasser begrenztes Grün anspielen. Wasser ist auch das dominierende Element der neunten Bahn, dem zweiten Par 3 der Runde mit bis zu 162 Meter. Hier geht es den gesamten Weg vom Tee zum Grün über das feuchte Element – und da das Grün quer angelegt wurde, ist die Landezone recht schmal. Dass man bei dieser Bahn auf der linken Seite oft Zuschauer aus den Hotelzimmern der Anlage hat, erhöht für viele Golfer die Anspannung.

Am Clubhaus vorbei geht es auf die Back Nine, die mit zwei längeren Par 4s eröffnet werden. Bahn 12 bietet das erste, bis zu 174 Meter lange Par 3 – und es geht weiter spürbar bergauf. Vom Abschlag der nächsten Bahn, einem nur bis zu 283 Meter kurzen Par 4, fühlt man sich an eine Kraterlandschaft erinnert. Links, rechts, Mitte – überall lauern Bunker, zudem verläuft das optisch recht kleine Fairway erst bergab und steigt dann Richtung Fahne wieder an. Dann folgt das erste Par 5 der Back Nine, ein bis zu 532 Meter mächtiges Par 5, Dogleg links, das jedoch bergab verläuft. Bahn 14, ein bis zu 349 Meter langes Par 4 Dogleg rechts, ist die vielleicht schönste Bahn der Anlage. Spannend ist vor allem der Schlag ins Grün: unmittelbar vor dem Grün verläuft ein breiter Bach über mehrere Kaskaden bergab. Wer den Schlag quer über das Wasser zum direkt daran angrenzenden Grün scheut, kann über den vorderen Teil der Kaskaden auf die linke Bahnseite wechseln und hat dann einen weitestgehend geraden dritten Schlag Richtung Fahne – aber die Herausforderung liegt natürlich darin, mit dem zweiten Schlag die Fahne anzuspielen. Auch auf den folgenden Bahnen wird Wasser immer mehr zum bestimmenden Element. Zum Abschluss wartet das Signature Hole samt Inselgrün. Das bis zu 443 Meter lange Par 5 ist zugleich die schwierigste Bahn der Anlage. Das liegt nicht an der Länge, sondern am Design: vom Tee geht es zunächst über Wasser Richtung Fairway. Auf der linken Fairwayseite lauert Wasser, rechts in der Drivelandezone lauert ein höhergelegener, großer Bunker. Dann muss man sich entscheiden: versucht man, den zweiten Schlag zur Fahne zu spielen oder legt man nochmals vor? Denn das Grün der letzten Spielbahn weckt deutliche Erinnerungen an die 17. Bahn des Stadium Courses im TPC Sawgrass. Zwar ist das Grün durchaus großzügig bemessen, aber der Weg Richtung Fahne führt im Schlussteil carry über Wasser. Da das Grün nach vorne Richtung Wasser hängt, sollte man lieber etwas länger spielen. Der Weg zur Fahne führt über eine Brücke – oft unter den Blicken der Resortgäste auf der Clubhausterrasse. Wer hier das Par spielt, darf sich im Clubhaus mit einem kühlen Drink für den gelungenen Abschluss belohnen.

 

 

Zugang: Als Resort steht der Championship Course sowohl den Resort-Gästen als auch reinen Greenfee-Spielern zur Verfügung. Für den Championship Course ist ein Mindest-Handicap von 36 erforderlich.

Eignung: Der Platz stellt hohe Anforderungen an das Course Management. Wichtig ist die Wahl des passenden Abschlags, denn an zahlreichen Bahnen landet der Abschlag sonst entweder im Wasser oder im dichten Rough. Man sollte den Platz ruhig mehrmals spielen, denn erst vor Ort entdeckt man viele Tücken und kann so für die Folgerunden die bestmögliche Spielstrategie entwickeln.

Unser Tipp: Für Great Northern sollte man sich Zeit nehmen – denn auch das Spa und der Academy Course sind definitiv einen Besuch wert. Wir empfehlen daher eine Übernachtung in einer der zauberhaften Zimmer der Lodge.

Zuletzt besucht: September 2021