Jerez de la Frontera und seine Bodegas

Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

Jerez de la Frontera und seine Bodegas

Jerez de la Frontera ist Namensgeber des berühmten Sherry, einem aus Andalusien stammenden verstärkten Weisswein, der einem speziellen Reifeprozess unterzogen wird. Sherry wird während seiner Fassreife aus Weinen unterschiedlicher Jahrgänge verschnitten. Die Bezeichnung Sherry (oder Jerez) ist als Herkunftsbezeichnung geschützt: Nur Weine aus dem andalusischen „Städtedreieck“ Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María dürfen als Sherry bezeichnet werden und tragen die geschützte Ursprungsbezeichnung Jerez-Xérès-Sherry DO.

 

Die unterschiedlichen Sherryarten basieren auf unterschiedlichen Anfangsalkoholgehalten und einer dadurch bedingten mehr oder weniger starken Ausprägung des Flors und/oder der Oxidation. Fehlt der Flor oder ist er nur fleckenhaft ausgeprägt, kann der Wein stärker oxidieren. Amontillado ist ein Fino, bei dem aufgrund des hohen Alkoholgehalts am Ende des Reifeprozesses der Flor fast vollständig abgestorben ist (Restzucker der Trauben und Phenole sind komplett aufgezehrt, und die Hefe findet keine Nahrung mehr) und der Wein seine oxidative Reifung im direkten Luftkontakt beginnen kann. Der Unterschied zwischen Fino und Manzanilla kommt so zustande, dass sich der Flor in der heißeren Region von Jerez nur im Frühling und Herbst richtig entwickelt (im Sommer und Winter teilweise abstirbt), sich in Sanlúcar de Barrameda jedoch aufgrund des milderen Mikroklimas direkt an der Küste rund um das Jahr erhält.

 

Jerez de la Frontera ist Sitz vieler Sherry-Produzenten, viele dieser Bodegas sind im Rahmen geführter Touren zu besichtigen – meist inklusive Verkostung, jedoch üblicherweise nur nach Voranmeldung. Besonders empfehlenswert sind aus unserer Sicht folgende drei Stationen:

 

 

Bodegas Luis Pérez

 

Bodegas Luis Pérez wurde 2002 als Familienunternehmen gegründet. Im Mittelpunkt stand dabei der traditionelle Weinbau, nicht die Sherry-Produktion (dieser wird jedoch ebenfalls angeboten). Der Standort ist einige Kilometer außerhalb der Stadt Jerez gelegen. Touren sind auf Anmeldung möglich, mit etwas Glück kann man auch spontan eine Verkostung genießen. Angeboten werden hervorragende Weiß- und Rotweine, Sherry und ein ausgezeichnetes Olivenöl. Das Unternehmen folgt dem alten Konzept der Zonierung der Pagos, wo jede Parzelle anders vinifiziert wird – auch unter Berücksichtigung der Geschichte der Weine, die aus jedem dieser kleinen Teile des Landes hergestellt wurden. 2013 startete ein Projekt zur Herstellung von Sherrys aus dem Weinberg, bei dem die weinbauliche Herkunft gegenüber der biologischen oder oxidativen Alterung in den Vordergrund gestellt wurde. Ziel: Sherry-Weine im alten Stil, ohne Verstärkung, bei denen die Parzelle das Wichtigste ist. 2017 begann die Wiederherstellung der klassischen Vinos de Pasto-Weine.

Bodegas Lustau

 

Die Ursprünge von Emilio Lustau S.A. gehen auf das Jahr 1896 zurück, als José Ruiz-Berdejo, ein Sekretär des Gerichtshofs, in seiner Freizeit begann, die Reben des Familienbesitzes Nuestra Señora de la Esperanza zu kultivieren. In diesen bescheidenen Anfängen stellte er Weine her, die er dann an größere Sherry-Hersteller weiterverkaufte. Diese Tätigkeit war als „almacenista“ oder „Lagerhalter“ bekannt. 1931 erwarb seine Tochter María Ruiz-Berdejo Alberti eine kleine Weinkellerei in der Nähe des Stadtzentrums von Jerez de la Frontera und verlegte alle bereits bestehenden Soleras dorthin, wodurch sie an Bekanntheit gewann. In den 40er Jahren verlegte Marias Ehemann Emilio Lustau Ortega die Weinkellerei in den alten Stadtteil Santiago, in das historische Viertel von Jerez de la Frontera. Dort, in Gebäuden, die Teil der historischen maurischen Stadtmauern waren, begann er langsam, das Geschäft auszubauen, immer noch als Almacenista. 1945 begann Emilio Lustau, seine eigenen Marken zu vermarkten: Papirusa, Jarana, Escuadrilla, Emperatriz Eugenia und Cinta de Oro waren einige von ihnen. Im Jahr 1950 begann das Unternehmen mit dem Export seiner eigenen Sherry-Weine. Unter der Leitung von Rafael Balao wurde Lustau zu einem der innovativsten Unternehmen in Jerez. Die 80er Jahre waren ein erstaunlich erfolgreiches Jahrzehnt, in dem sich die Kollektion der Lustau-Weine stark weiterentwickelte: Die Solera Familiar-Reihe nahm Gestalt an, die ersten Almacenista-Abfüllungen und das Konzept entstanden (1981) und Lustau begann mit dem Ausbau der Vintage Series (1989). Einen weiteren innovativen Schritt unternahm Lustau 1988 mit der Einführung eines neuen Flaschendesigns für seine Weine. Die elegante, dunkle Flasche mit abfallenden Schultern ist ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens und unterscheidet Lustau von den anderen Weinkellereien in Jerez. 1990 änderte sich das Schicksal von Lustau, als es mit einem spanischen Familienunternehmen fusionierte, das in der Wein- und Spirituosenbranche bekannt war: Luis Caballero. Dies war ein Meilenstein in der Geschichte von Lustau und bedeutete eine wichtige finanzielle Unterstützung und die Möglichkeit zur weiteren Expansion und Entwicklung. Im Jahr 2000 erwarb Lustau sechs Bodega-Gebäude aus dem 19. Jahrhundert im Zentrum von Jerez. Jahrhundert im Zentrum von Jerez. Diese malerischen Gebäude wurden in ihrem ursprünglichen Glanz restauriert und beherbergen heute die wichtigsten Bodegas von Lustau, das den Sherry-Bereich der Luis Caballero-Gruppe leitet. Bodegas Lustau gilt als Weltklasse-Benchmark für Weine von höchster Qualität. Lustau wurde in letzter Zeit mit zahlreichen Medaillen und Trophäen ausgezeichnet, darunter die wichtigsten Auszeichnungen als bestes spanisches Weingut im Jahr 2011 und als bester Sherry-Produzent in den Jahren 2014 und 2016 bei der International Wine & Spirit Competition.

 

Das Unternehmen bietet verschiedene Führungen an. Besonders gut gefallen hat uns das komplette Tasting, das acht verschiedene Verkostungen inklusive Wermuth im Rahmen einer Walking Tour durch die verschiedenen Keller und Bereiche in Jerez erfolgt. Die Tour wird wahlweise auf Spanisch oder Englisch angeboten.

Tabanco El Pasaje

 

Zur Tradition des Sherrys in Jerez zählen die Tabancos – auf Sherry spezialisierte Bars, in denen der Sherry noch direkt vom Fass verkauft wird und das Tapas anbietet. Seit 1925 wird das Tabanco El Pasaje betrieben und ist in dieser Zeit zu einer wahren Institution geworden. Wer nicht weiß, welchen Sherry man trinken soll, kann sich vom fachkundigen Personal beraten lassen. Lohnenswert sind auch die Tapas, vor allem die verschiedenen Thunfisch-Varianten und die eingelegten Artischocken. Wer viele Tapas probieren möchte, sollte sich nicht wundern: manchmal wird die Bestellung einfach per Kreide auf dem Tresen notiert. Meist dreimal täglich gibt es zudem eine kleine Flamenco-Show, für die man sogar Tische (entweder mit festem Menü oder mit einem Mindest-Verzehrwert) reservieren kann. Man kann aber auch während der Shows einfach als Gast der Performance lauschen und dabei Sherry und Tapas genießen. Da das Tabanco recht klein ist, wurde eigens ein Spiegel angebracht, damit man die Show auch von nahezu allen Bereichen der Bar aus bewundern kann.