Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Schon bei der Anfahrt durch das Graswangtal fällt der Blick auf die gewaltige und lichtdurchflutete Kuppel der Abteikirche. Die Geschichte des Klosters reicht bis in das Jahr 1330 zurück: Kaiser Ludwig der Bayer gründete die Benediktinerabtei als Einlösung eines Gelübdes nach seiner glücklichen Rückkehr aus Italien. Als zentrales Heiligtum brachte der Kaiser eine aus weißem Marmor gehauene Muttergottesstatur aus Pisa mit – das sogenannte Ettaler Gnadenbild –, das die Abtei rasch zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsziele im deutschsprachigen Raum machte.
Sein heutiges, prachtvolles Erscheinungsbild verdankt das Kloster vor allem dem Wiederaufbau im 18. Jahrhundert. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1744 wurde die ursprünglich gotische Zwölfeck-Kirche unter der Leitung renommierter Baumeister wie Joseph Schmuzer im Stil des süddeutschen Barocks und Rokokos neu errichtet. Das Innere der Basilika überwältigt Besucher mit üppigen Stuckaturen, imposanten Altären und vor allem dem gigantischen Kuppelfresko von Johann Jakob Zeiller, das den Himmel auf Erden abzubilden scheint. Doch Kloster Ettal ist weit mehr als ein historisches Denkmal. Ganz im Sinne der benediktinischen Regel „ora et labora“ (bete und arbeite) führen die Mönche vor Ort ein aktives Gemeinschaftsleben, das tief in der Region verwurzelt ist. Ein zentraler Pfeiler ist die Bildung: Das integrierte Benediktinergymnasium mit angeschlossenem Internat genießt weit über die Grenzen Bayerns hinaus einen hervorragenden Ruf. Gleichzeitig steht der Name Ettal für eine hohe Kunst des Genusses und des Handwerks. In der klostereigenen Brauerei wird seit 1609 nach überlieferten Rezepturen Bier gebraut – darunter das bekannte Ettaler Kloster-Dunkel. Ebenso berühmt ist die Klosterdestillerie, in der die Mönche aus einer Vielzahl wertvoller Kräuter feine Liqueure herstellen. Auch eine Gärtnerei, eine Buchhandlung sowie ein eigener Hotelbetrieb gehören zum Wirtschaftsensemble der Abteigemeinschaft.
Kloster Ettal bietet einen faszinierenden Dreiklang aus geistlicher Einkehr, architektonischer Faszination und bayerischer Gastfreundschaft. So bleibt die Benediktinerabtei auch im 21. Jahrhundert ein lebendiger Anziehungspunkt für Gläubige, Kulturbegeisterte und Genießer aus aller Welt.







