Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Inmitten der rot leuchtenden Sandsteinlandschaften von Nord-Arizona, unweit der Grenze zu Utah, liegt in Page ein golferisches Juwel, das oft im Schatten der berühmten Nationalparks steht, diesen in Sachen Optik aber in nichts nachsteht: der Lake Powell National Golf Club in Page. Als Municipal Course – also als öffentlicher, von der Stadt betriebener Golfplatz – verkörpert er das Beste, was der Breitensport Golf zu bieten hat. Er ist zugänglich, unkompliziert und bietet dennoch ein Spielerlebnis, das normalerweise exklusiven Privatclubs vorbehalten ist. Hier trifft das satte Grün der Fairways auf das tiefe Rot der Canyon-Wände und das Azurblau des Himmels. Auch im Winter ist der Platz spielbar, man sollte dann jedoch auf teils ausgetrocknete Fairways (insbesondere an Stellen, an denen der Ball an sich nicht liegen sollte) und laufende Maintenance-Arbeiten eingestellt sein. Aber: diesen Platz spielt man aufgrund seines variationsreichen Layouts und der häufigen, wunderschönen Ausblicke auf die umliegende Landschaft rund um den Glen Dam und Glen Canyon. Dass der Lake Powell National ein städtischer Platz ist, spürt man sofort an der entspannten Atmosphäre. Während viele Resorts in Arizona mit hohen Greenfees und strengen Etiketten abschrecken, ist man hier in Page bodenständig. Dennoch wurde bei der Qualität nicht gespart: Der 1995 eröffnete und von William Phillips entworfene Kurs ist abwechslungsreich und wird konsequent gepflegt. Für Golfer bedeutet der Status als „Muni“, dass man hier eine erstklassige 18-Loch-Anlage vorfindet, die bezahlbar bleibt. Es ist ein Ort, an dem Einheimische nach der Arbeit eine schnelle Runde drehen und Touristen auf der Durchreise zum Grand Canyon oder zum Antelope Canyon ehrfürchtig die Schläger schwingen. Das Clubhaus mit dem Mulligan’s Pub & Patio dient dabei als geselliger Treffpunkt, an dem man den Tag bei einem Kaltgetränk und dem Blick über die Anlage ausklingen lässt.
Die ersten neun Löcher, oft als „Lower Mesa“ bezeichnet, führen den Spieler sanft in die Wüstenlandschaft ein. Doch „sanft“ ist hier relativ, denn die Aussichten sind bereits ab dem ersten Abschlag phänomenal. Der Auftakt verlangt Präzision. Die Fairways sind grün und einladend, doch wer die Spielbahnen verlässt, findet sich sofort im roten Wüstensand oder zwischen Kakteen wieder. Zudem steigt das Gelände auf den beiden ersten Bahnen an, vom zweiten Grün kann man erstmals den Blick Richtung Glen-Staumauer schweifen lassen. An Bahn 4 kostet das nach rechts in Richtung Klippen versetzte Grün ein wenig Überwindung bei der Annäherung. An Bahn 5, einem Dogleg rechts, kann man sich bei der ersten Runde auf dem Platz schnell täuschen: das lange Par 5 erfordert vom hinteren Abschlag keinen Schlag bergab in Richtung der Felsen, sondern bergauf in Richtung des vom Abschlag nicht einsehbaren Felsplateaus. Deutlich leichter fällt das Zielen von den auf dem Plateau gelegenen Teeboxen. Nach bergauf folgt bekanntlich bergab, so auch hier: Bahn 6 ist ein langes Par 3, das jedoch mit einem deutlich tiefer liegenden Grün daherkommt. Hier kann man getrost drei Schlägerlängen weniger einplanen. Wichtig ist, dass der Ball zum Fliegen kommt, denn zwischen Abschlag und Grün lauert blanker Fels, der zu kurz gespielte Bälle gerne auf Nimmer-Wiedersehen verspringen lässt. Zum Ende der ersten Hälfte zieht der Schwierigkeitsgrad leicht an. Das leichte Dogleg rechts an Bahn 7 erfordert, den Ball präzise zwischen Wasser links und Felsen rechts Richtung Grün zu befördern. Bahn 8, ein Par 5 und die längste Bahn der gesamten Runde, kommt als 90 Grad Dogleg links mit Wassergraben im Bereich des Knicks (die im Birdiebook eingezeichneten Teiche beiderseits des Grüns gibt es nicht mehr; offensichtlich wurde im Rahmen des Re-Designs auch das Routing geändert, denn die großartige Bahn 6 wurde früher als 14 gespielt), zudem ist das Gelände im zweiten Teil stark onduliert. Besonders das neunte Loch führt zurück Richtung Clubhaus und erfordert von den Spielern ein beherztes Bergaufspiel Richtung Grün.
































Der zweite Teil der Runde bringt nicht mehr ganz so starke Höhenunterschiede ins Spiel, dafür jedoch häufiger Wasser. Die Vermillion Cliffs im Hintergrund bilden eine dramatische Kulisse, die so manchen Schwung unkonzentriert werden lässt. An Bahn 10, einem Par 4, spielt man entlang einer typisch roten Felswand leicht bergab Richtung Fahne. Bahn 11 ist ein langes Par 3 über Wasser zu einem erhöhten Plateau – dies wurde im Rahmen der jüngsten Renovierung gestaltet, denn das Birdiebook weist als elfte Bahn noch ein langes Par 5 als Dogleg rechts aus. Danach wartet ein Par 4 als Dogleg links, dessen Fairway leicht nach rechts hängt. Beim folgenden Par 4 steigt das Gelände dann wieder leicht an, zudem muss ein breite Roughzone vom Tee überwunden werden. Richtung Fahne geht es leicht bergab, nun spielt man quasi Richtung Eingangspforte des La Quinta-Hotels. Dann folgt ein langes Par 5, das leicht nach links dreht und sich ebenfalls bergauf spielt. Zudem ist das Fairway im zweiten Teil stark onduliert, Beachtung erfordert auch der Bunker rechts vor dem Grün. Nun ist man am höchsten Punkt der Back Nine angekommen – und zugleich am vom Clubhaus weitest entfernten Punkt. Mit dem langen Par 3 an Bahn 15 geht es wieder zurück Richtung Clubhaus. Hier sollte man nicht über das Grün hinaus spielen, da das Gelände dort deutlich abfällt. Drei Par 4 bilden den Abschluss der Runde. Das längste an Bahn 16 bringt zudem einen Graben vor dem Grün, der überspielt werden muss. Zudem dreht die Spielrichtung leicht nach rechts. Bahn 17 ist ein 90 Grad-Dogleg links und verläuft deutlich bergab. Damit muss man, wie schon auf den ersten neun Bahnen, mit der Schlussbahn wieder reichlich Höhenmeter überwinden. Tückisch sind zudem die aus dem Fairway ragenden Steinplatten und der riesige Bunker quer vor dem Grün – eine tolle Schlussbahn!
Der Lake Powell National Golf Club beweist eindrucksvoll, dass ein Municipal Course Weltklasse-Niveau erreichen kann. Die Kombination aus sportlicher Herausforderung und der rohen Schönheit der Natur Arizonas macht jede Runde zu einer Wanderung durch ein lebendes Postkartenmotiv. Wer hier spielt, sollte nicht nur auf seinen Score achten, sondern die Kamera griffbereit halten. Es ist einer dieser seltenen Orte, an denen das Ergebnis auf der Scorekarte fast nebensächlich wird, sobald die Sonne die roten Felsen in glühendes Orange taucht.




























