Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Der Madinaty Golf Club liegt in New Kairo, von den Hotels am Nilufer fährt man rund eine Stunde. Der Club kooperiert zudem mit naheliegenden Kempinski-Hotel, ist jedoch eigenständig und zudem kein klassischer Resortcourse. Madinaty ist ein Projekt von TMG, dem nach eigenen Angaben größten Immobilienentwicklers in Ägypten und der MENA-Region. Das Management des Golf Clubs obliegt Troon, dem weltgrößten Golf-Management-Unternehmen. Der Platz wurde von keinem Geringeren als Robert Trent Jones Jnr. konzipiert. Eine Besonderheit: als einzige Anlage der Region Kairo wird hier für den Winter übersät, so dass der Pflegezustand des Platzes ganz weit vorne rangiert und man problemlos ganzjährig auf exzellenten Fairways und Grüns spielen kann. Zudem ist die Anlage insgesamt eher flach und daher an sich gut zu Fuß absolvierbar – doch dazu später mehr. Der Platz bietet vier Teeboxen pro Spielbahn. Von der hintersten Teebox ist er als Par 72 eingestuft, von den übrigen Abschlägen als Par 71 (dies wird für den hier vorliegenden Bericht herangezogen). Die Gesamtlänge liegt zwischen 4.939 und 6.968 Yards. Der Madinaty Golf Club bietet jedoch nicht nur Golf, sondern unter anderem 3 von Kempinski betriebene Top-Restaurants, ein Spa, Swimming Pools sowie ein hochwertiges, von Befit betriebenes Gym. Auch Footgolf kann auf den ersten neun Spielbahnen gespielt werden. Damit entspricht das Angebot eher einem klassischen Country Club denn einem reinen Golfclub. Obwohl primär auf Mitglieder ausgerichtet, steht der Club auch Gastspielern offen.
Die Runde beginnt mit einem bis zu 368 Yards langen Par 4 in direkter Nähe zum Clubhaus. Vom Tee des leichten Doglegs links hält man sich am besten mittig, denn links kommt in der Drivelandezone ein Bunker ins Spiel. Dann dreht die Bahn nach links, über eine Bunkerlandschaft hinweg geht es zum leicht erhöhten und nach links hängenden Grün. Hinter dem Grün prägt die Silhouette einer Moschee das Bild, ein wunderbares Fotomotiv. Bahn 2 bringt ein bis zu 253 Yards mächtiges Par 3, das dennoch als zweitleichteste Bahn der Runde gilt. An dieser Bahn kommt es vor allem darauf an, nicht zu weit nach links zu spielen, denn dort lauert über die gesamte Bahnlänge eine Waste Area und links des Grün ein Bunker. Wenn man sich hier auf die Grünmitte konzentriert, sollte – bei entsprechender Schlagweite beziehungsweise richtig gewählter Teebox – das Par nicht mehr weit sein. Dann folgt ein weiteres Par 3, nun maximal 226 Yards lang. Die Front Nine spielen sich insgesamt nur als Par 34, daher gibt es drei Par 3, aber nur ein Par 5. Beim zweiten Par 3 geht es über den Ausläufer eines kleinen Teichs in Richtung des leicht tiefer liegenden Grüns. Wem die Entfernung zu groß ist, kann über die linke Seite neben dem Teich vorlegen. Das leicht nach vorne und rechts Richtung Wasser hängende Grün wird hinten zudem durch einen Bunker begrenzt. Wie eingangs erwähnt ist das Gelände bis dahin sehr gut für Walking Golfer geeignet – doch nach Bahn 3 wartet eine Besonderheit: der zweite Teil des Platzes liegt rund 2 (!) Kilometer entfernt, man fährt über eine lange, gerade Straße mit zahlreichen Unterführungen entlang der neu errichteten Madinaty Community. Für Walking Golfer gibt es daher häufig einen eigenen Shuttle Service, einfacher lässt sich die Distanz mit dem Golfcart überbrücken – denn auch nach Bahn 12 steht die identische Strecke an, nun in entgegengesetzter Richtung. Das Clubmanagement informierte uns auf unserer Runde, dass man mittelfristig plane, die neun Spielbahnen 1-3 sowie 13-18 in einen Academy Course umzuwandeln und die Bahnen 4 bis 12 mit neun neu zu bauenden Bahnen in einen neuen Championship Course zu transformieren. Wer mit einem eigenen Golfcart unterwegs ist, sollte daher bei Rundenbeginn darauf achten, dass die Batterie ausreichend geladen ist, denn man legt auf einer Runde die Wegstrecke von 27-36 Spielbahnen zurück. Ist man am zweiten Teil des Platzes angekommen, wartet ein schönes Par 4 als Dogleg links um einen Teich herum auf die Golfer. Die Abschläge liegen etwas unterhalb des Fairways. Wichtig ist hier die richtige Einschätzung der eigenen Schlagweite, da das Fairway quer zur Spielrichtung verläuft und man vom Tee carry über Wasser spielt. Im zweiten Teil dreht die Bahn weiter nach links, mehrere Bunker säumen den Weg zur Fahne und rund um das nach links Richtung Wasser hängende Grün. Dann folgt das dritte Par 3 der Front Nine mit maximal 231 Yards – und auch hier spielt Wasser eine große Rolle. Von den hinteren Teeboxen geht es carry über Wasser, die vorderen Abschläge bieten die Möglichkeit, rechts am Wasser vorbei zur Fahne zu spielen. Wer aufgrund des Wassers jedoch zu weit rechts vom Grün anhält, findet seinen Ball oft in einem der zahlreichen Bunker vor und neben dem Grün wieder – und darf sich auf einen Bunkerschlag leicht bergab Richtung Wasser freuen, zumal das Grün zur Mitte und dort nach links Richtung Wasser hängt. Wasser dominiert auch das bis zu 351 Yards lange Par 4 an der sechsten Bahn, für uns eine der schönsten Bahnen der gesamten Runde. Von den hinteren Abschlägen spielt man über einen kleinen Teich, der sich anschließt in einen Bach wandelt, nach links auf das Fairway. Gerät der Teeshot zu weit nach links, macht man schnell Bekanntschaft mit den dort platzierten Fairwaybunkern. Dann dreht die Spielrichtung wieder nach rechts in Richtung eines von mehreren Bunkern eingerahmten Grüns. Dabei überquert man erneut den Wasserlauf, der nun in mehreren Stufen bergab fliesst. Auch Bahn 7 ist ein Par 4, allerdings mit bis zu 444 Yards deutlich länger. Vom Abschlag geht es leicht bergauf über einen schön angelegten Pflanzbereich, rechts lauert ein großer Bunker, links in der Drivelandezone ebenfalls. Auch Richtung Grün geht es weiter sanft bergan, insgesamt drei Bunker rahmen das Grün ein. Nun folgt die schwerste, aber auch eine der schönsten Bahnen: das bis zu 556 Yards lange Par 5. Auf den ersten Blick meinen viele Golfer, dass man das Grün bequem mit zwei Schlägen erreichen könne. Dass dem nicht so ist, liegt am Layout. Vom Tee geht es zunächst leicht nach rechts, bevor die Bahn nach links dreht. Im Bereich der Drivelandezone lauern links zwei kleine, rechts ein riesiger Fairwaybunker (den man von der vorherigen Spielbahn kennt). Zwar fällt das Gelände danach ab, aber rund 170 Yards vor dem Grün durchbricht ein weiterer, üppig bepflanzter Graben die Bahn. Man muss sich daher entscheiden, ob man den Lay-up vor oder hinter die Bepflanzung spielen möchte. Im letzten Teil steigt das Gelände wieder an, die Bahn dreht nach rechts und das Fairway wird zunehmend welliger. Zudem säumen mehrere Bunker den Weg bis zur Fahne – daher entscheiden sich die meisten Golfer für die sicherere 3-Schläge-Strategie Richtung Grün. Auch an der letzten Bahn der Front Nine, einem bis zu 442 Yards langen Par 4, kommt reichlich Sand ins Spiel. Die gesamte rechte Bahnseite wird durch Sand begrenzt, in der Drivelandezone ragt ein Bunker von links in die Spielbahn hinein. Am besten zielt man vom Tee auf den gut sichtbaren Fairwaybunker rechts, der in ausreichender Entfernung lauert. Links sowie hinter dem Grün lauern weitere Bunker – an dieser Bahn werden präzise Schläge belohnt.

































Die Back Nine starten ebenfalls mit einem Par 4, das sich maximal 435 Yards spielt. Da das Fairway nach links hängt, sollte man eher rechts anhalten, ohne jedoch den Teeshot in einem der beiden Fairwaybunker auf dieser Seite landen zu lassen. Oft muss man aufgrund der Topografie den Approach von unter links Richtung Fahne bergauf spielen, dabei sollte man auf die drei Bunker rund um das Grün achten. Liegt der Ball links unterhalb des Grüns, sollte man sich zudem vorher von oberhalb die genaue Fahnenposition ansehen, da die Bunker links vor dem Grün den freien Blick Richtung Fahne versperren. Dann eines von drei Par 3s der Back Nine – die, ein ungewöhnliches Konzept, von insgesamt vier Par 5 ergänzt werden und so mit gerade einmal zwei Par 4 auf Par 37 für diesen Rundenteil kommen. Vom Tee geht es geradewegs über eine riesige Waste Area hinweg, zahlreiche Bunker umrahmen das Grün – eine Bahn für die klassische Strategie „Mitte Grün“. An Bahn 12 folgt das erste von vier Par 5 der Back Nine. Rechts grenzt die Bahn an die große Waste Area von Bahn 11, zudem lauern links im Bereich der Drivelandezone Fairwaybunker. Zudem steigt das Gelände leicht an und spielt sich somit gefühlt länger als die offiziellen maximal 581 Yards. Wer sich für den Lay-up entscheidet, sollte auf die von links im Bereich der Landezone ins Fairway hineinragenden Bunker achten. Das von Bunkern umrahmte Grün hängt gut sichtbar nach vorne und nach links. Dann heisst es wieder: Meter machen! Bevor man an Bahn 13, mit bis zu 596 Yards dem längsten Par 5 der gesamten Runde, aufteen kann, muss man wieder die rund zwei Kilometer lange Transferstrecke überwinden. Auch hier trifft man auf eine herrliche Mischung aus Sand und Wasser als Hindernis. Wer nicht zu den absoluten Longhittern zählt, sollte sich vom Tee rechts des gut sichtbaren Sands auf der linken Bahnseite halten. Nur mit großer Carryweite kann über diesen Bereich spielen und den Ball direkt auf der strategisch besseren linken Seite platzieren. Alle anderen Golfer sollten den Approach nach links spielen, denn rechts kommt rund 200 Yards vor dem Grün ein Teich ins Spiel. Da das Grün von links nach rechts und damit Richtung Wasser hängt, sollte man eher über die linke Seite zur Fahne spielen. Weiter geht es mit dem den beiden letzten Par 3s. Zunächst warte die kürzeste Spielbahn mit maximal 150 Yards. Sie verläuft recht unspektakulär über eine riesige Sandfläche zum nach links hängenden Grün. Auch das letzte Par 3 ist optisch eher durchschnittlich, es geht über Rasen zum von mehreren Bunkern eingerahmten Grün, die Gesamtlänge mit maximal 183 Yards ist ebenfalls beherrschbar – anders formuliert: an diesen beiden Bahnen kann man nochmals hervorragend scoren, optisch ansprechender sind jedoch die Par 3s auf den Front Nine. Dann folgen zwei Par 5. Bahn 16 ist mit bis zu 534 Yards das kürzeste Par 5 der Runde und gilt als leichteste Spielbahn. Wichtig ist, dass man den Ball vom Tee und bei einem möglichen Approach auf der Spielbahn hält, ansonsten sollte man bei diesem leichten Dogleg recht vor allem auf die zahlreichen Fairwaybunker beiderseits der Spielbahn achten. Bahn 17 bringt ein bis zu 595 Yards langes Par 5 als deutliches Dogleg links. Rechts grenzt das Clubhaus samt Pool an die Abschläge an. Vom Tee sollte man nicht zu weit nach links spielen, denn im Knick der Bahn kommt dort ebenfalls Wasser ins Spiel. Longhitter müssen sich dann entscheiden, ob die das Grün mit dem zweiten Schlag – dann meist über Wasser – anspielen möchten oder lieber ein Lay-up rechts neben dem Wasser wählen. Das bunkerfreie Grün hängt deutlich sichtbar von hinten nach vorne und erfordert eine präzise Annäherung. Die Runde endet mit einem bis zu 351 Yards kurzen Par 4. Das Dogleg rechts hat auf der rechten Seite eine große Waste Area bis zum Grün, deren kleiner bepflanzter Hang wiederum an Wasser grenzt. Vom Tee sollte man sich daher zunächst leicht links halten, dann geht es – über zahlreiche Bunker hinweg – etwas bergauf Richtung Clubhaus zum nach vorne hängenden Grün. Rechts des Grüns können Poolgäste den finalen Putt beobachten – oder, wenn die Annäherung zu weit nach rechts gespielt wurde – den Drop am Ufer des angrenzenden Teichs, um danach zur Fahne zu chippen.
Der Maldinaty Golf Club ist zwar optisch nicht so spektakulär wie manch anderer Platz rund um Kairo, punktet aber mit seinem strategischen Design und vor allem dem ausgezeichneten Pflegezustand. Hat man sich an das ungewöhnliche Routing mit den langen Wegstrecken zwischen den Bahn 3 und 4 sowie 12 und 13 gewöhnt, kann man hier ebenso anspruchsvolle wie schöne Golfrunden genießen.

































