Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Etwa 40 Kilometer nördlich von Dallas liegt ein Ort, der wie kaum ein anderer für die Seifenopern der 1980er-Jahre steht: die Southfork Ranch. Was einst eine unscheinbare Rinderfarm war, wurde durch die Fernsehserie Dallas zur wohl bekanntesten Ranch der Welt – ein Sinnbild für Macht, Geld und das unstillbare Streben nach Erfolg im Ölgeschäft. Heute ist Southfork längst ein Wallfahrtsort für Fans der Serie, ein lebendiges Stück Fernsehgeschichte und ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Fiktion und Realität ineinanderfließen können.
Als die Produzenten von Dallas 1978 einen geeigneten Drehort für die Außenaufnahmen der fiktiven Ewing Ranch suchten, fiel ihre Wahl auf die damals noch privat bewohnte Farm der Familie Duncan. Die Ranch, 1970 erbaut, war eigentlich als komfortables Familienanwesen mit klassischer Südstaatenarchitektur gedacht – weiße Holzfassade, hohe Säulen, breite Veranda. Doch mit der Kamera wurde sie zum Symbol eines Milliardär-Lebens: jenem der Ewings, der fiktiven texanischen Öl-Dynastie, deren Machtkämpfe, Affären und Familienintrigen die Welt über mehr als ein Jahrzehnt hinweg fesselten. Von außen war Southfork der Inbegriff des texanischen Traums. Das strahlend weiße Herrenhaus, umgeben von saftigen Weiden, auf denen Longhorn-Rinder grasten, verkörperte Reichtum und Stabilität. Doch wer das Innere der Ranch im Fernsehen sah, wurde getäuscht: Die Innenaufnahmen entstanden nicht hier, sondern in Studios in Kalifornien. In Wahrheit ist das Haus auf Southfork überraschend bescheiden – kaum 500 Quadratmeter groß, mit nur wenigen Zimmern, die während der Dreharbeiten ausschließlich für Außenaufnahmen genutzt wurden. Trotzdem blieb die Ranch für Millionen Zuschauer das Herzstück von Dallas, der Ort, an dem alles begann und endete.
Heute hat sich Southfork von einer privaten Farm in ein Museum verwandelt, das die glanzvolle Ära der Serie bewahrt. Nachdem die Serie 1991 eingestellt wurde, wurden die Innenkulissen von Kalifornien nach Texas gebracht, so dass man heute tatsächlich das Gefühl hat, man würde die echte Farm der Ewings betreten. Besucher können das Gelände täglich besichtigen, geführt von kundigen Guides, die nicht nur Fakten, sondern auch Anekdoten aus der Zeit der Dreharbeiten erzählen. Im Hauptgebäude finden sich zahlreiche Erinnerungsstücke: das ikonische Porträt von J.R. Ewing, der Lebensrolle von Larry Hagman (der an sich vorher eher durch Komödien wie „Bezaubernde Jeannie“ bekannt war), hängt noch immer über dem Kamin, ebenso wie Kostüme, Drehbücher und Requisiten aus der Serie. Im Besucherzentrum gleich nebenan läuft eine kurze Dokumentation, die den Aufstieg der Serie nachzeichnet – vom anfänglich unscheinbaren TV-Projekt zu einem globalen Phänomen, das in mehr als 90 Ländern ausgestrahlt wurde. Auch Jocks alter Cadillac und sogar Grabsteine von JR, Jock und Miss Ellie können besichtigt werden.
Rund um die Ranch ist vieles so geblieben, wie es die Zuschauer in den 1980ern kannten. Die langen Auffahrten, gesäumt von weißen Zäunen, das berühmte Tor mit dem „Southfork“-Schriftzug, die weitläufigen Koppeln – all das verleiht dem Ort eine fast mythische Aura. Wer sich auf eine der geführten Touren begibt, spürt schnell, wie tief die Serie in der amerikanischen Popkultur verwurzelt ist. Für viele Besucher, besonders jene aus Europa, ist Southfork ein Stück Nostalgie, ein Ort, an dem sich die Glitzerwelt des Fernsehens mit der rauen Realität texanischer Geschichte mischt. Dallas war nie nur eine Serie über Öl und Geld. Sie spiegelte den amerikanischen Traum in all seiner Widersprüchlichkeit: Reichtum und Macht auf der einen, Gier und moralischer Verfall auf der anderen Seite. Southfork war dabei mehr als nur Kulisse – sie wurde zum Symbol dieser Ambivalenz. Wer heute über die Veranda tritt, kann sich leicht vorstellen, wie J.R. mit seinem Cowboyhut und einem selbstgefälligen Grinsen die Tür öffnete, bereit, den nächsten Gegner zu überlisten. Auch der Esstisch auf der Terrasse dürfte vielen Zuschauern noch in Erinnerung bleiben – vor allem, wenn Miss Ellie hier ihre Familie zusammenbrachte und wichtige Entscheidungen getroffen wurden.
Nach dem Ende der Originalserie 1991 blieb die Ranch zunächst still, doch die Faszination ließ nie nach. In den 1990er- und 2000er-Jahren wurde Southfork zunehmend zu einem touristischen Anziehungspunkt, der sowohl Nostalgiker als auch Neugierige anzog. 2012, als Dallas mit einer modernen Fortsetzung ins Fernsehen zurückkehrte, lebte auch die Ranch erneut auf. Wieder diente sie als Drehort, diesmal ergänzt durch digitale Technik, aber mit derselben ikonischen Fassade. Heute ist Southfork Ranch nicht nur ein Museum, sondern auch ein Veranstaltungsort. Hochzeiten, Firmenevents und Country-Festivals finden hier statt – alles unter dem Motto „Live like a Ewing“. Im Souvenirshop stapeln sich Cowboyhüte, Whiskygläser mit dem Southfork-Logo und DVDs der gesamten Serie. Man kann sogar auf den Pferden reiten, die einst in den Hintergrundaufnahmen zu sehen waren. Trotz des kommerziellen Flairs bleibt die Atmosphäre erstaunlich authentisch: Wenn abends die Sonne über den texanischen Ebenen versinkt und die weißen Fassaden der Ranch in goldenes Licht taucht, ist es leicht, sich in die Zeit zurückzuversetzen, als Dallas Woche für Woche Millionen Menschen vor die Bildschirme fesselte.
Southfork Ranch ist mehr als eine Filmkulisse für Fans – sie ist ein Stück Fernsehgeschichte, das den Geist einer Ära bewahrt. Hier, zwischen Pferdekoppeln und Ölträumen, wird das goldene Zeitalter des amerikanischen Fernsehens lebendig gehalten. Und wer mit ein wenig Fantasie über das Gelände wandert, kann sie fast hören: die markante Titelmelodie, die einst das Drama um Macht, Liebe und Verrat ankündigte – und die Southfork Ranch für immer in der Geschichte des Fernsehens verankern sollte.













































