Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Wo einst irische Mönche im 7. Jahrhundert den Glauben und das legendäre ‚Aqua Vitae‘ nach Franken brachten, schlägt heute das Herz der größten Whisky-Destillerie Deutschlands. In Rüdenau nahe Miltenberg verbinden St. Kilian Distillers schottische und irische Handwerkstradition mit unterfränkischer Braukunst zu preisgekrönten Single Malts.
Die historischen Wurzeln reichen tief zurück: Als die Mönche Kilian, Kolonat und Totnan im 7. Jahrhundert durch das Frankenland reisten, führten sie der Überlieferung nach erstmals ein aus Gerstenbrand gewonnenes Lebenswasser mit sich. Der Legende nach vermischten sie den Trank im unterfränkischen Rüdenau mit dem reinen Wasser des Ottilienbrunnens. Mehr als 1300 Jahre später knüpfte Gründer Andreas Thümmler an diese Historie an. Als in seinem Heimatort Rüdenau eine alte Textilfärberei ihren Betrieb einstellte, erwarb der erfolgreiche Investmentbanker und leidenschaftliche Whisky-Sammler das Areal. Die hügelige Landschaft des Odenwalds erinnerte Thümmler stets an Schottland, und so reifte der Entschluss, eine eigene Destillerie nach internationalen Spitzenstandards aufzubauen. Gemeinsam mit der irischen Whisky-Legende David F. Hynes (u.a. Kilbeggan) nahm die Vision ab September 2012 Form an.
Bei der Ausstattung der Destillerie machten die Gründer keine Kompromisse und folgten dem Leitspruch Oscar Wildes, stets nur mit dem Besten zufrieden zu sein. Die kupfernen Pot-Still-Brennblasen mit jeweils 6.000 Litern Fassungsvermögen wurden vom schottischen Branchenführer Forsyth gefertigt. Zudem setzt der Betrieb auf traditionelle Washbacks aus Holz von J.B. Vatts aus der schottischen Whisky-Hochburg Dufftown anstelle moderner Edelstahlbehälter. Dass Franken der ideale Nährboden für Premium-Whisky ist, liegt auch an der tief verwurzelten Brautradition der Region, denn der erste Schritt der Maischeherstellung aus reinem Gerstenmalz gleicht dem Bierbrauen ohne Hopfen. Am St. Patrick’s Day 2016 flossen die ersten Tropfen des frischen Destillats durch die Rohre. Nach der gesetzlich vorgeschriebenen dreijährigen Mindestlagerung feierte St. Kilian 2019 die Premiere ihres ersten offiziellen Single Malts.
Ein wesentliches Erfolgsgeheimnis liegt in den außergewöhnlichen Lagerbedingungen: Die Fässer reifen in ehemaligen NATO-Bunkern auf 440 Metern Höhe in der unberührten Natur des Odenwalds. In diesem rund 80 Hektar großen Areal, von der Destillerie liebevoll „Bunker City“ genannt, herrschen konstant kühle Temperaturen unter 20 Grad. Dies minimiert die jährliche Verdunstung – den sogenannten „Angel’s Share“ – und ermöglicht eine besonders schonende Reifung. Das Portfolio der Brennerei umfasst mittlerweile über 400 verschiedene Holzfassarten, darunter Ex-Bourbon-, Sherry- (PX und Oloroso) sowie edle Weinfässer. Neben mild-eleganten Abfüllungen schlägt das Herz von Gründer Andreas Thümmler vor allem für rauchige und „ultrapeated“ Whiskys, für die Torfmalz verarbeitet wird.
Über das Kernsortiment hinaus überzeugt St. Kilian durch kreatives Marketing und exklusive Abfüllungen. Mit den Reihen für die Italo-Western-Stars Bud Spencer und Terence Hill unter der Marke Spencer Hill Drinks sowie Sondereditionen für Rockbands wie Judas Priest und die Scorpions erreichte die Brennerei neue Käuferschichten. Ein weiteres Highlight ist der „König Ludwig Royal Bavarian Single Malt Whisky“, abgefüllt in edlem Porzellan der Königlichen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg, sowie der speziell entwickelte St. Kilian Cigar Malt. Für Sammler und Genießer bietet das Unternehmen zudem die Möglichkeit, ein Private-Cask zu erwerben, das individuell betreut wird. Geführt wird der Betrieb mit einem flachen, modernen Führungskonzept auf Augenhöhe, das Ideen im Team entwickelt. Besucher können das Handwerk und die Leidenschaft bei täglichen Führungen und Tastings direkt am Ortseingang von Rüdenau hautnah erleben. Unsere Empfehlung: die World Whisky Tour, bei der man verschiedene Produkte der ebenso kreativen wie fachkundigen Whisky-Enthusiasten aus dem bayerischen Odenwald an verschiedenen Stationen verkostet – und zum Ende der Tour in der World Whisky Lounge auch mit anderen Whiskys aus aller Welt vergleichen kann. Wer noch tiefer in die Kunst der Whisky-Produktion und des Genusses einsteigen möchte, sollte regelmäßig über die Website des Unternehmens die verschiedenen Events und Tastings sondieren.
















































