Tabacalera Cremo 

Bild von Michael Althoff

Michael Althoff

Autor: Der Mann hinter dem Bericht

Zigarrengenuss in Puerto Plata

Wenn man die Straßen der Innenstadt von Puerto Plata hinter sich lässt, entdeckt man eine weitere, spannende Facette der Stadt: die der Zigarrenfabriken. Natürlich gibt es mehrere Anbieter, und auch klassische „Touristenfallen“ gibt es natürlich. Wir haben uns für die Tabacalera Cremo entschieden, die sich wohltuend von vielen anderen Angeboten abhebt. In der Tabacalera Cremo beginnt die Reise nicht mit Worten, sondern mit dem Geruch von fermentiertem Tabak – intensiv, beinahe poetisch. Die Factory Tour führt mitten hinein in eines der traditionsreichsten Handwerke der Karibik und zeigt, wie viel Geduld, Fingerspitzengefühl und Geschichte in jeder Zigarre stecken.

Schon im Eingangsbereich stapeln sich riesige Bündel getrockneter Tabakblätter, sorgsam sortiert nach Farbe, Größe und Herkunft. Der Guide spricht über Reifezeiten, über Feuchtigkeit, über die feinen Unterschiede zwischen Deckblatt, Umblatt und Einlage – Begriffe, die schnell vertraut klingen, weil man sie hier nicht auswendig lernt, sondern direkt vor Augen bekommt. An den Produktionstischen sitzen die Torcedores, die Zigarrenroller, an langen Tischen. Ihre Bewegungen sind routiniert, fast meditativ. Mit wenigen Handgriffen wird aus losen Blättern ein makelloser Zylinder, der später in Rauch aufgehen und doch genau diese Minuten konzentrierter Arbeit in sich tragen wird. Man kann sie dabei beobachten, wie sie sowohl komplett von Hand gefertigte Zigarren herstellen als auch bei der halb-automatisierten Produktion, bei der die Tabakblätter der Füllung mit einer kleinen Maschine gerollt werden – diese sehen ein wenig wie überdimensionierte Geräte zum Selbstdrehen von Zigaretten aus, die mancher noch aus seiner Jugend kennt.

Die Factory Tour lebt von diesen Momenten der Stille, zwischen leiser Musik im Hintergrund und dem sanften Rascheln der Blätter. Man sieht, wie die Zigarren geschnitten, geformt und gepresst werden, wie jede einzelne kontrolliert wird, bevor sie in Holzkisten verschwindet. Hier wird nichts beschönigt: Die Arbeit ist präzise, aber auch fordernd, monoton und doch voller Stolz. Viele der Arbeiter und Arbeiterinnen sind seit Jahrzehnten dabei, und in ihren Blicken liegt die Selbstverständlichkeit einer Tradition, die nicht erklärt werden muss, weil sie gelebt wird. Auf der Tour erfährt man zudem, wie jede Zigarre individuell komponiert wird: mit ihrem individuellen Nikontinanteil, der Stärke und nicht zuletzt dem Deckblatt.

Zum Abschluss wartet der Bereich, in dem aus Handwerk Genuss wird. In der kleinen Lounge darf man verschiedene Zigarren probieren, begleitet von einem Glas Rum oder Kaffee. Der Rauch steigt langsam auf, mischt sich mit dem warmen Licht – draußen rauscht leise der Verkehr vorbei, drinnen herrscht eine fast intime Ruhe. Es ist dieser Kontrast, der die Erfahrung so eindrücklich macht: Die lebendige, manchmal hektische Stadt vor der Tür und diese Welt der Langsamkeit dahinter.

Die Tabacalera Cremo ist kein Hochglanzmuseum, sondern ein funktionierender Betrieb. Genau das macht ihren Reiz aus. Die Factory Tour zeigt Puerto Plata von einer Seite, die jenseits von Strand, Kreuzfahrtschiffen und Souvenirmeilen liegt. Sie erzählt von einem Produkt, das eng mit der Geschichte der Karibik verbunden ist – von Plantagen und Handel, von Handarbeit und weltweitem Export.