Autor: Der Mann hinter dem Bericht
Der Tyrifjord Golfklubb im norwegischen Krokkleiva liegt gut eine Stunde nordwestlich von Oslo. Schon die Zufahrt zu diesem auf einer kleinen Insel in einem Fjord gelegenen Platz ist besonders: über eine schmale Brücke geht es vom Festland auf die Insel. Der Platz bietet genau das Naturerlebnis, dass man sich von Golf in Norwegen erwartet: die Bahnen ziehen sich durch Wälder, es gibt einige Höhenunterschiede und natürlich kommt immer wieder Wasser ins Spiel, vor allem auf den Back Nine. Hunde sind auf der Anlage gerne gesehen Begleiter, vor dem Clubhaus gibt es eigens eine Trinkstation für sie. Der Platz spielt sich als Par 72 über eine Gesamtlänge zwischen 4.799 und 5.636 Metern, Longhitter-Qualitäten sind eher weniger gefragt. Pro Bahn stehen drei Teeboxen zur Verfügung. Üblicherweise wird der Platz zu Fuss absolviert, auf Anfrage stehen auch Golfcarts bereit, für die Nutzung gelten die Richtlinien des Clubs. Besonders lohnend ist eine Runde während der langen Tage des nordischen Sommers – dann zeigt sich der Platz je nach Tageslicht in unterschiedlichen Farben und Lichteinfällen, so dass man ihn unbedingt mindestens einmal morgens und einmal abends spielen sollte. Vor allem die Bahnen entlang des Wassers präsentieren sich im Abendlicht in besonderer Pracht:


































Die Runde beginnt mit einem sanften Dogleg links als Par 4 über bis zu 339 Meter. Vom Tee kommt es darauf an, den Ball sicher auf dem Fairway zu platzieren: links im Knick lauert ein kleiner Teich, rechts grenzt die Bahn an dichten Wald. Für viele Golfer reicht daher der Abschlag mit einem kleinen Holz – Longhitter können über oder gar links der Bäume vor dem Teich abkürzen. Das leicht nach rechts versetzte Grün ist leicht erhöht und wird durch einige kleine Hügel geschützt – ein sehr schöne, nicht allzu schwierige Auftaktbahn. Auch Bahn 2 ist ein Par 4, nun über maximal 317 Meter. Die Bahn dreht ganz leicht nach links, auffällig ist das nach links hängende Fairway. Daher sollte man den Teeshot eher rechts anhalten. Auch das Grün lässt sich leichter über rechts anspielen, links fällt das Gelände neben dem Grün deutlich in Richtung eines großen Grünbunkers ab. Dann folgt das erste Par 3. Nominal spielt es sich bis zu 119 Meter, da das Grün jedoch deutlich erhöht liegt, sollte man mindestens eine Schlägerlänge mehr einplanen. Längenkontrolle ist hier deutlich wichtiger als schiere Länge, denn hinter dem Grün fällt das Gelände deutlich ab, gerät der Teeshot daher zu lang, sollte man einen provisorischen Ball nachspielen. Bleibt man hingegen zu kurz, droht der vor dem Grün mittig platzierte Topfbunker zur Prüfung zu werden. Weiter geht es mit einem bis zu 333 Meter langen Par 4, das links von dichtem Rough, rechts gar von der Ausgrenze begrenzt wird. Zudem hängt das Fairway sichtbar nach rechts. Hinter den Abschlägen öffnet sich das Gelände etwas, so dass hier der Fade der ideale Teeshot ist. Man sollte ihn möglichst zwischen die gut sichtbaren Fairwaybunker platzieren. Im zweiten Teil steigt die Bahn leicht an, das leicht ondulierte Grün hängt etwas nach links vorne. Über einen kleinen Ziehweg geht es nun Richtung Fjord. Das bis zu 476 Meter lange Par 5 an der fünften Bahn ist optisch wie spielerisch sehr gelungen. Vom Tee geht die Spielbahn leicht nach rechts, die Fahne ist noch nicht zu erkennen. Ideal ist es, den Abschlag bis zum Rand des Hügels zu spielen – so kann er nicht nur mit etwas Glück noch zusätzliche Meter bergab mitnehmen, sondern man hat einen wunderbaren Blick auf den zweiten Teil der Bahn. Auf der linken Seite, nahe der Hanggrenze, sieht man eine mächtige Eiche. Sie diente örtlichen Berichten zufolge früher als Richteiche. Wer das Grün mit dem zweiten Schlag anspielen möchte, sollte unbedingt den deutlichen Höhenunterschied beachten. Ansonsten kann man, vor allem bei trockenem Wetter, beim Lay-up oft vom Roll bergab profitieren. Bleibt der Ball jedoch am Hang liegen, droht ein anspruchsvoller Hanglagen-Approach. Das Plateau-ähnlich angelegte Grün wird auf der linken Seite durch einen Bunker verteidigt, zudem fällt auf dieser Seite das Gelände neben dem Grün ab – sicherer ist daher der Weg über rechts. Nun geht es zum zweiten Par 3, das sich wunderbar an die Ufer des Fjords schmiegt. Über bis zu 131 Meter geht es – je nach Teebox mal mehr, mal weniger über Wasser – auf das Halbinsel-Grün. Hinter dem Grün, ungefähr im Bereich des Doglegs der folgenden Bahn, befand sich einst ein Wikingerhafen – also gilt auch an Bahn 6 die „Abteilung Attacke“, denn das Grün weist einige Tücken auf. Zum einen ist es deutlich erhöht und fällt daher zu den Seiten hin ab. Rechts vorne lauert zudem ein schwierig zu spielender Bunker, links neben dem Grün bleibt nur wenig Platz zum Rough. Zudem ist das Grün deutlich onduliert, auch bei einem Grüntreffer ist das Par hier noch nicht sicher. Für das folgende, bis zu 321 Meter lange Dogleg links als Par 4 gibt es zwar auch Abschläge direkt hinter dem sechsten Grün, während unserer Runde wurden jedoch die Teeboxen auf dem Hügel oberhalb des Grüns genutzt – so muss man etwas weniger bergauf spielen, hat jedoch eine kleine Senke zu überwinden und das Dogleg fällt stärker aus, denn nun spielt es sich fast als 90 Grad-Variante. Die besondere Herausforderung: will man das Grün mit zwei Schlägen erreichen, muss man den Ball möglichst weit nach links anhalten – doch dort lauern im Knick der Bahn zahlreiche Bunker, die zudem unterhalb des Fairways angeordnet sind. Je kürzer und je weiter rechts der Abschlag zum Liegen kommt, umso länger wird der Weg zur Fahne und umso größer der Höhenunterschied, denn von den erhöhten Tees geht es über eine Senke hinweg, auch im zweiten Teil nach dem Knick steigt die Bahn deutlich an. Beim Schlag auf das nach links versetze Grün sollte man die dort stehende Eiche beachten – von unten kaum erkennbar lohnt sich ein Blick von der Hinterseite, denn dieser massive Baum ist innen hohl. Dann geht es über eine längere Strecke zum nur 291 Meter langen Par 4 an der achten Bahn. Das Dogleg führt jedoch steil bergauf und spielt sich entsprechend länger. Vom Tee kommt es darauf an, die passende Gasse zu spielen. Links neben den Abschlägen begrenzt ein Hang die Bahn, was vor allem Fadespieler vor Probleme stellen kann. Am Ende der gegenüberliegenden Seite lauert ein gut sichtbarer Fairwaybunker, dahinter tiefes und dichtes Rough – hier sind Draw-Spieler klar im Vorteil. Man sollte vom Tee nicht zu aggressiv beginnen, ein kleines Holz oder langes Eisen reicht für die meisten Golfer aus. Im zweiten Abschnitt gilt es, den Höhenunterschied zu berücksichtigen. Da das Grün nach vorne hängt und auch das Gelände vor dem Grün deutlich abfällt, kommen zu kurz gespielte Annäherungen dem Golfer oftmals wieder entgegen – man sollte daher eher die Grünmitte anspielen. Die Front Nine enden mit der längsten Bahn der gesamten Runde, einem bis zu 518 Meter langen Par 5. Vom Tee führt die Bahn zunächst leicht nach links in Richtung des ersten und zweiten Fairways, dann dreht die Richtung nach rechts. Longhitter können versuchen, direkt geradeaus zu spielen, sollten dabei jedoch auf das dichte Rough und die hohen Bäume rechts achten. Den Lay-up spielt man am besten über die rechte Seite, da man so den einfacheren Winkel zur Fahne hat. Links des Grüns lauert ein Bunker und das Gelände fällt leicht ab. Zusätzlicher Nervenkitzel: das ondulierte Grün ist von der Terrasse des Clubhauses aus gut einsehbar.














































Der zweite Teil der Runde bringt noch mehr Wasser und einige spektakuläre Aussichten. Auch zum Auftakt kommt direkt Wasser ins Spiel. Das bis zu 136 Meter lange Par 3 führt über einen kleinen Bach sowie vorbei an einem kleinen Teich links zum etwas erhöhten Grün. Das quer liegende Grün wird zudem fast über die gesamte Front von einem Bunker begrenzt, so dass man hier bei der Schlägerwahl besondere Sorgfalt walten lassen sollte, um nicht zu kurz zu bleiben. Dennoch: eine sehr gute Par-Chance gleich zum Auftakt der Back Nine. Dann geht es den Berg hinauf zu einem bis zu 439 Meter langen Par 5, zugleich der zweitschwersten Bahn der Runde (als schwierigste Bahn gilt das Dogleg links bergauf an Bahn 7). Bevor man an diesem an sich eher kurzen Par 5 abschlägt, sollte man den Blick nach rechts Richtung Fjord schweifen lassen – im wahrsten Sinne ein Ausblick auf den restlichen Teil der Runde. Das Par 5 zieht sich S-förmig Richtung Fahne. Wer sich für eine zwei Schläge-Strategie Richtung Grün entscheidet, wählt damit auch die engste Stelle im Fairway als Landeplatz. Sicherer ist es, das Grün mit drei Schlägen anzuspielen. Dann sollte man unbedingt vom Tee deutlich nach links spielen, denn das Gelände hängt deutlich nach rechts in Richtung dichtem Rough. Zudem spielt sich die Bahn deutlich länger als angegeben, denn zunächst geht es sanft, dann im zweiten Teil im deutlicher bergauf. Im zweiten Teil dreht die Bahn dann nach rechts. Wer vom Tee genau hingesehen hat, konnte ein kleines Plateau hinter dem zweiten, Mitte Bahn platzierten Fairwaybunker erkennen – dieses ist das Ziel des Lay-ups. Von dort geht es dann weiter bergauf in Richtung des nach links versetzten Grüns. Wer den Lay-up links gespielt hat, muss dabei weitere Bunker überspielen, von rechts ist der Weg zwar weiter, aber bunkerfrei. Da das Grün nach vorne geneigt ist, sollte man den Approach nicht zu kurz spielen – und möglichst ohne Backspin. Dann folgt ein bis zu 337 Meter langes Par 4 – es wirkt ein wenig wie die ebenerdige Variante der achten Bahn, denn auch hier begrenzt ein Hügel das Spielfeld links und die Bahn dreht leicht in die gleiche Richtung. Vom Tee sollte man vor allem auf den Bunker und hohen Baum rechts achten, denn diese können schnell beim Schlag Richtung Fahne ins Spiel kommen. Das nach links versetzte und zu beiden Seiten leicht abfallende Grün wird beiderseits durch Bunker verteidigt. Weiter geht es mit dem nächsten Par 3 über maximal 162 Meter, dem letzten und längsten Par 3 der Runde. Für den Teeshot geht es zunächst den Berg hoch – doch dafür liegt das Grün dann deutlich unterhalb und die Bahn spielt sich entsprechend kürzer. Knifflig ist vor allem die rechte Bahnseite, denn dort lauert erst ein Teich, dahinter warten zwei Grünbunker auf zu kurz gespielte Bälle. Das schräg angelegte Grün zieht sich über drei Ebenen von rechts oben nach links unten – hier muss sollte man unbedingt die tagesaktuelle Fahnenposition beachten: trifft man das falsche Plateau, stehen spannende Bergauf- oder Bergab-Putts bevor. Mit dem Dogleg links an Bahn 14 geht es dann wieder – vorbei an den Abschlägen der vorherigen Bahn – steil bergauf. Das Par 4 ist zwar nur mit bis zu 292 Metern vermessen, spielt sich aufgrund des Höhenunterschieds jedoch deutlich länger. Am Tee muss man sich entscheiden: entweder spielt man den Ball an das Ende des ebenen Bahnbereichs und nimmt einen langen zweiten Schlag bergauf in Kauf – oder man versucht, vom Tee möglichst viel Länge zu gewinnen, hat dann aber meist einen blinden Schlag in Hanglange zur Fahne vor sich. Dafür gibt es einen hohen weißen Pfosten hinter dem Grün als Orientierung, zudem kommt das Grün ohne Bunker aus. Nun beginnt der vielleicht schönste Teil der Runde. Bahn 15 bringt ein Dogleg rechts über bis zu 364 Meter, bei dem es vom Tee deutlich bergab geht. Hinter dem Fairway lauert malerisch der Fjord auf zu lang gespielte Bälle, links begrenzen zwei Fairwaybunker die Bahn vor dem Knick. Die Herausforderung: wenn man das Grün mit dem zweiten Schlag erreichen möchte, sollte der Ball möglichst rechts des hohen Baums und der beiden Bunker am linken Fairwayrand gespielt werden – bleibt er weiter rechts liegen, versperrt der hohe Solitärbaum rechts vor dem Grün oft den direkten Weg zur Fahne beziehungsweise erfordert einen sehr hohen Annäherungsschlag. Der Approach führt über eine Senke zum erhöhten Grün, das nach vorne, links und hinten abfällt und zudem links und hinten an den Fjord angrenzt. Obwohl rechts ein Grünbunker lauert, ist diese Seite daher oft die sicherere Variante. Zusätzliche Herausforderung: das Grün ist auf zwei Ebenen aufgeteilt, die vordere liegt nicht nur näher am Fjord, sondern auch tiefer – man sollte daher einen Bergab-Putt vermeiden. Dennoch: eine herrliche Bahn, die ein präzises Course Management und ebenso präzise Schläge erfordert. Das letzte Par 5 verläuft über bis zu 431 Meter über weite Strecken parallel zum Wasser. Das breite Fairway bietet jedoch eine komfortabel Landezone, so dass man das Grün durchaus mit zwei Schlägen erreichen kann – so der Teeshot nicht im mächtigen Fairwaybunker rechts landet. Dann wird es spannend: das Grün ist deutlich nach links versetzt und rückt nahe an das Wasser heran. Zudem wird es von einigen hohen Bäumen eingerahmt. Wer das Grün daher mit dem zweiten Schlag anspielen möchte, benötigt einen präzisen Draw. Einfacher ist es mit dem Lay-up, den man geradeaus spielen kann, am einfachsten oberhalb des Knicks Richtung Fahne. Von dort geht es dann, zwischen drei seitlich platzierten Bunkern hindurch, Richtung erhöhtem Grün. Die vorletzte Bahn führt wieder bergauf und ist ein sanftes Dogleg links. Daher sollte man vom Tee die rechte Bahnseite anspielen, denn links begrenzt dichter Wald die Bahn. Im zweiten Teil geht es dann weiter bergauf, hier sollte man vor allem den Grünbunker rechts beachten. Von der letzten Teebox sollte man nochmals den Blick zurück in Richtung des Fjords schweifen lassen – dann geht es deutlich bergab über maximal 318 Meter los. Das Par 4, Dogleg rechts sollte man mit einem Abschlag nach links beginnen, denn in gerader Linie vom hinteren Abschlag lauert ein Bunker, daneben dichtes Rough. Allerdings kann links die Ballsuche herausfordernd werden, da sich manchmal Rangebälle dorthin verirren. Im zweiten Teil dreht die Bahn nicht nur nach rechts, sondern steigt Richtung Grün auch wieder an. Mehrere Bunker begrenzen den Weg in Richtung des zwei Ebenen umfassenden Grüns – und die Putts führt man unter den neugierigen Blicken von der Clubhaus-Terrasse aus, eine wunderbare Schlussbahn.
Der Tyrifjord Golfklubb ist landschaftlich wie spielerisch ein Genuss! Der Pflegezustand der Bahnen war ausgezeichnet, auch der Service im Clubhaus ist hervorragend. Das gilt nicht nur für den Pro-Shop, sondern auch für die Gastronomie, in der es deutsches Bier vom Fass und indische Spezialitäten sowie sehr leckere Burger gibt – eine nicht alltägliche Kombination. Wer in die Region Oslo reist, sollte diesen Platz unbedingt spielen – und zum Übernachten empfehlen wir das gut 10 Minuten entfernte Hotel Kleivstua, über das wir einen separaten Bericht erstellt haben.















































